Mindestlohn für Sicherheitsgewerbe

  • "Mindestlohntarifvertrag im Wach- und Sicherheitsgewerbe


    März 2010 | Die Bundestarifkommission für den Mindestlohn im Wach- und Sicherheitsgewerbe hat beschlossen, dem Ergebnis der Sondierungsgespräche für einen Mindestlohn zwischen ver.di und dem Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDWS) zuzustimmen und einen Mindestlohntarifvertrag für die Branche abzuschliessen.


    Der Mindestlohntarifvertrag führt über mehrere zeitliche Stufen auch in den niedrigsten Tarifgebieten zu einem Mindestlohn von 7,50 € bis zum 1.1.2013."



    Genauere Angaben und Details findet ihr im Flugblatt im Anhang, bzw. bei VERDI direkt.


    :zw:

  • Naja, immerhin etwas (57) ...


    Trotzdem stossen die angestrebten Mindestlöhne meiner Meinung nach nach wie vor an die Grenze der Sittenwidrigkeit (gelinde ausgedrückt) :kotz: .


    Immerhin bleiben die angestrebten Mindestlöhne noch bis 01.01.2013 für 9 Bundesländer auf dem Niveau von höchstens 7,00 €/Std.!!!


    Und ab 01.01.2013? 0,50 €/Std. brutto mehr! Wahnsinn - das sind bei einer durchschnittlichen Stundenbelastung von 240 Std./Monat bei einigen Kollegen 120 € brutto pro Monat mehr! Das sind dann vielleicht 70 € pro Monat netto! Ein riesen Betrag für einen alltäglichen Einkauf für eine vierköpfige Familie :bö: !!!


    Und was mich weiterhin stört...


    Damit der Mindestlohntarifvertrag in Kraft treten kann werden die Tarifvertragsparteien gemeinsam eine entsprechende Beantragung beim Bundesarbeitsministerium vornehmen. Dann wird der Tarifausschuss (je 3 Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter) binnen max. 3 Monaten beraten und ein Votum abgeben; im Anschluss daran kann der Mindestlohntarifvetrag durch das Bundesarbeitsministerium oder das Bundeskabinett in Kraft gesetzt werden.
    Der Mindestlohn gilt dann für alle Beschäftigten, er wirkt auf alle Arbeitgeber mit Sitz im Inland und auch aus dem Ausland im Falle einer Entsendung von Arbeitnehmern nach Deutschland.


    ...und wenn nicht??? Immer nur kann, kann, kann :kotz: ...


    Gruss, cujo.

  • Sicher kann man mit dem Mindestlohntarufvertrag nicht unbedingt reich bei werden, da gebe ich Dir auf alle Fälle mal Recht.
    Allerdings ist jetzt wieder Bewegung in die Mindestlohndebatte geraten. Der Mindestlohntarifvertrag zwischen BDWS und GÖD ist gekippt und der Neue zwischen BDWS und VERDI liegt vor. Mit erheblichen Erhöhungen und unter Beibehaltung der bisher geltenden Zuschläge (diese waren durch die GÖD damals ja auch gleich mit wegrationalisiert worden).


    Meine Kollegen erhalten dann ab dem 01.01.2011 anstatt der bisherigen 4,60 € schon mal 6,53 €, jeweils zuzüglich der Zuschläge. Und ich glaube, das zahlt sich dann schon am Monatsende aus.


    Unbesehen davon bleibt natürlich, dass der Mindestlohn ein Mindestlohn ist und mal gerade so das Existenzminimum darstellt.


    Allerdimngs ist es auch nach fast 10 Jahren die erste effektive Lohnerhöhung, auf die unsere Kollegen sich freuen. - Bei einem entsprechenden Org-Grad der Kollegen wäre sicher trotzdem ein besserer Abschluß durch die Gewerkschaft möglich gewesen, aber das Problem dürfte Dir ja bekannt sein.

  • Hi deputy,


    ich verstehe bei solchen Tarifverhandlungen immer nur nicht, warum die jeweiligen Vertragsparteien scheinbar oft die stetig steigenden Lebenshaltungskosten der Arbeitnehmer (egal ob Ost oder West) so fahrlässig ausser acht lassen. Steuerentlastungsprogramme des Staates als beabsichtigter Ausgleich bringen erfahrungsgemäss da ja auch meistens keine Erleichterungen.


    Gruss, cujo.

  • Die Vertragspartei der Arbeitgeber ist gewillt, den Stundenlohn so gering, wie möglich zu halten, schon, um ihre Firma rentabel zu halten und den eigenen Gewinn zu sichern.


    Die Vertragspartei der Arbeitnehmer ist in der Regel - zumindest in unserem Gewerbe - zu schwach, ihre Forderungen durchzusetzen (ich sage nur mal wieder fehlender Org-Grad der AN in der Gewerkschaft), oder die Verhandlungen werden mit "Scheingewerkschaften" geführt, die in Wahrheit die Arbeitgeberinteressen vertreten.

  • Quelle: VERDI


    Quote

    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat mit dem Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDWS) einen Mindestlohntarifvertrag für die bundesweit rund 170.000 Beschäftigten im Sicherheitsgewerbe abgeschlossen. Insbesondere für die Sicherheitsdienstleister in den neuen Ländern führen die neuen Mindestentgelte zu Lohnerhöhungen um bis zu 33 Prozent. Für einen Sicherheitsmitarbeiter im Objektschutz etwa in Magdeburg oder in Erfurt bringt die vereinbarte Lohnuntergrenze 480 bis 500 Euro monatlichen Mehrverdienst. Der Mindestlohntarifvertrag führt über mehrere Stufen auch in den Tarifgebieten mit den derzeit niedrigsten Untergrenzen zu einem einheitlichen Branchenmindestlohn von 7,50 Euro bis spätestens zum 1. Januar 2013. Die höchsten Mindestlöhne liegen bei 8,46 Euro in Baden-Württemberg und acht Euro in Bayern. Diese steigen bis zum 1. Januar 2013 auf 8,90 Euro beziehungs-weise 8,42 Euro.


    „Mit diesem Mindestlohntarifvertrag schaffen wir Sicherheit in einer Branche, die bislang eher von prekären Bedingungen gekennzeichnet war“, sagte Petra Gerstenkorn vom ver.di-Bundesvorstand. „In einem nächsten Schritt werden wir jetzt gemeinsam mit dem BDWS beim Arbeitsministerium beantragen, diesen Tarifvertrag für allgemeinverbindlich zu erklären“, kündigte Gerstenkorn an. Damit könnte der Praxis von Lohndumping und überlangen Arbeitszeiten in der Branche ein Riegel vorgeschoben werden.

  • Quote from "deputy"

    Lange genug hat das Geeiere ja auch gedauert. Mal sehen, dass der Abschluss nun schnell bestätigt und umgesetzt wird.


    und vor allem, dass der tarifvertrag als allgemeinverbindlich erklärt wird...

  • Als Nächstes könnte man dann mal an den Zulagen/Zuschlägen "arbeiten" (Sonn- und Feiertag, Nacht, für besondere Funktionen, etc.) :zw: .


    Aber wir wollen natürlich nicht darin "herumrühren" - sonst kommt "man" noch auf die Idee, diese zu streichen (weil der neue Mindestlohn die "armen" Unternehmer gar auffrisst) (57) !!!


    Wir wollen nur hoffen, dass auch die Auftraggeber die vorzunehmenden, notwendig gewordenen "Anpassungen" mitmachen :bö: .


    Upps - da ist das nächste Problem (57) ...

  • Quote from "cujo"

    Wir wollen nur hoffen, dass auch die Auftraggeber die vorzunehmenden, notwendig gewordenen "Anpassungen" mitmachen :bö:


    das sehe ich als größtes problem. die heulen ja jetzt schon, wenn sie hören was ein gut ausgebildeter sicherheitsmitarbeiter (also kein §34aler) kostet... zumal dieser knapp 1 euro mehr brutto für den mitarbeiter (in bayern), erhöht natürlich den stundenverrechnungssatz im fast 2-3 euro... das freut dann den auftraggeber :zw:

  • Natürlich sind Preisverhandlungen mit den Kunden immer kompliziert, unbestritten.


    Zu Beginn des Jahres wurden bei uns auf Grund von Tarifveränderungen im Bereich GWT die Preise angehoben. Es gab keine "Abspringer".
    Mit der Aufnahme des Gebäudereinigergewerkes wurden ebenfalls die Preise angehoben, auch hier gab es keine "Abspringer".
    Und auf die Preiserhöhungen im Rahmen des Mindestlohnes im Wachgebwerbe wurden die Kunden bereits im letzten Jahr angeschrieben und angesprochen. Ich glaube nicht, dass dort in Größenordnungen Kunden abspringen werden.

  • Das mit dem Entsendegesetz sollte schon längst unter Dach und Fach sein.
    Hatten neulich einen Verdi Vertreter bei uns im Weiterbildungsinstitut. Nun ja, ich kenne schon einige von denen, da man im Laufe der Jahre halt einigen über den Weg läuft. Viel halte ich von Verdi allerdings ganz und garnicht.
    Angeblich gibt es 6000 Mitarbeiter im Bewachungs- und Sicherheitsgewerbe in Hamburg. Es dürften eher locker 8000 sein meiner Meinung nach. Nun grade mal 900 sind davon bei Verdi. Und nun meint der gute Mann, was für eine starke Gewerkschaft Verdi doch sei. Hab bald nen Lachkrampf gekriegt. Ich habe vor 4 Jahren als Ladendetektiv mit 5,40 in Hamburg angefangen. Und 2008 gab es dann 6,40 und 2009 6,80 € mit 34a Sachkundeprüfung.
    Hab so einiges erlebt in der Zeit.
    Und wenn ich Dez. 2011 mit meiner Umschulung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit fertig bin, sind es stolze 8,70 €. Aber auch dann gilt.......nur wer gute Leistung bringt, kann sich auch teuer verkaufen.
    Am Leben erhalten einen die Zuschläge für Nacht, Sonn- und Feiertage.
    Und wenn ich ehrlich bin, ich werd wohl im Wachgewerbe bleiben. Entweder versuchen in die direkten Wachdienste großer Unternehmen rein zu kommen, oder vielleicht auch ein Thema wie z.B. Arbeitsschutz nutzen.

    [center]Grüße
    vom Nils
    [neon][/neon]


    Wer auf dem Meeresgrund war,
    fürchtet sich vor Pfützen nicht![/center]

  • Gesetze und ihre Wechselwirkung
    Bezugnehmend auf das Entsendegesetz, das durch die EU ab Dezember 2010 in Kraft tritt, musste der Staat Deutschland die inländische Wirtschaft vor Lohnturismus aus den Anreinerstaaten schützen. Dies ging nur mit einem Mindestlohn, den auch die ausländischen Unternehmen in Deutschland zahlen müssen.
    In Verbindung mit dem Arbeitszeitgesetz, das ab Okt. 2010 gilt, kann dann auch das ausländische Unternehmen in Deutschland nicht unbedingt die Preise derart unterbieten, das der inländischen Sicherheitswirtschaft die Luft aus geht. Hier werden dann lediglich die ausländischen Steuergesetze mit in die Kalkulations-Waagschale geworfen.


    Der rechte Zeitpunkt
    Sicherlich lässt sich über die Art und Weise des eingeführten Mindestlohns streiten. Der Zweck ist aber eindeutig der Schutz der inländischen Wirtschaft. Die Anpassung an die Lebgenshaltungskosten bleibt weiterhin den Tarivparteien vorbehalten. (Tarivautonomiegesetz) Inweiweit der Druch aus dem Ausland in Zukunft auf deren Entscheidungen einfluss nimmt, ist sicherlich noch abzuwarten.


    Alle Zusammen
    Die EU kann ein Segen oder ein Fluch sein, das hängt ganz von dem eigenen Standpunkt und der eigenen Sichtweise ab. Sicher ist, das man nicht alle Staaten auf einmal zu einem Punkt an einen Tisch bekommt, um eine Entscheidung treffen zu können. Es bedarft hier einer Vielzahl von kleineren Entscheidungen in den jeweiligen Mitgliedsstaaten und deren Gremien. Es werden noch jahre bis jahrzente vergehen, bis man sich sowohl in der Steuerpolitik als auch in der Lohnpolitik näher gekommen ist.


    Das Kuchenstück
    Sicherlich will niemand etwas von seinem Kuchenstück abgeben. Es geht aber nur so, das alle ihre Kuchenstücke zurück auf den Tortenteller legen um einen Überblick vom Kuchen zu erhalten. Man kann sich hier die Frage stellen ob wir wiedermal die ersten sein werden oder die 2 oder ...
    Wichtig ist, das wir die Zeichen der Zeit erkennen, richtig deuten und die entsprechenden Vorkehrungen treffen.


    Obacht geben, länger leben.
    Nur der, wer vorgesorgt hat, wird die Zeit, bis das die Tortenstücke wieder verteilt werden, überleben. Klartext - Auf uns alle kommen leichte bis schwere zeiten entgegen. Jeder von uns muss mind. 30 % seines Netto-jahres-einkommens bis 2013 auf die hohe Kannte gelegt haben. Dann ist man nämlich in der Lage, sich für kleines Geld beschäftigen zu lassen und kann somit die Durststrecke überstehen, die unsere Vertreter in der EU benötigen, die notwendige Angleicheichung bei den Anreinerstaaten zu beschleunigen.
    So zumindest die Theorie. Wie das nahher in der Praxis aussieht, bleibt natürlich abzuwarten.


    Qualität
    Zudem wird es fraglich, ob die Sicherheitsdienstleister aus den Anreinerstaaten die notwendigen Qualifikationen für Deutschland besitzen. Es wird mit Sicherheit einen run auf die Schulungszentren in der Sicherheitsbrange geben. Die ein oder andere Schule aqueriert bereits schon fremdsprachige Dozenten und entwickelt die ersten Konzepte. Für die meisten Endkunden wird das sicherlich eine spannende Zeit mit purzelnden Preisen, wo sich die Anbieter auf internationaler Ebene sich gegenseitig unterbieten.


    Der Mindestlohn ist nur der erste Schritt von vielen, die darauf folgen. Es muss eine Bundeseinheitliche Grenze nach unten hin gezogen werden. Sonst wird man in der deutschen Sicherheitsbrange in Zukunft ggf. Englisch sprechen.


    Es grüßt
    Falke