Arbeitszeit oder Bereitschaft oder Arschkarte

  • Moin Moin,


    mein Arbeitsgeber und der Kunde kamen aktuell auf eine mir etwas komisch vorkommende Idee, deswegen wollte ich mal in die Runde fragen wie das ganze aus rechtlicher und finanzieller Sicht zu beurteilen ist.


    Ich arbeite gerade auf einem Objekt von Montag bis Freitag 06 bis 18 Uhr. Da ich aber nicht nur reine Sicherheitsdienstleistungen erbringe sondern auch kaufmännische und Speditionskaufmännische Aufgaben über nehme (Ich bin eben gelernter Spedikaufmann), kann mein Arbeitgeber mich nur sehr schwer durch einen anderen Mitarbeiter ersetzen. Da ich dann aber immer deutlich zu viele Stunden hätte kamen sie nun auf folgende Idee:


    Ich komme jeden Tag ganz normal zur Arbeit und kann dann wenn die Situation es erlaubt eher gehen. Das Problem an der Sache ist natürlich, dass niemand vorher weiß wann, ob und wie viel eher ich gehen kann. Ich kann also trotzdem keine Termine etc. machen und muss jeden Tag meine volle Arbeitszeit einplanen.
    Ich würde dann quasi um 16:00 gesagt bekommen, so es kommt kein LKW mehr, du kannst jetzt eher gehen. (unbezahlt natürlich)


    Mein Menschenverstand schlägt da ganz stark Alarm und sagt mir, dass das so nicht erlaubt sein kann. Mir geht es dabei gar nicht um die vielen Stunden und die langen Arbeitszeiten, sondern um den Punkt, dass ich dann jeden Tag 12h einplanen muss, aber mit "Glück" um 16 Uhr gesagt bekomme so du kannst nun gehen und bekommst dann nur 10 Stunden bezahlt.


    Ich wäre Dankbar für eure Anmerkungen und Tipps zu diesem Thema.


    Gruß


    Tim

  • Naja um ehrlich zu sein bin ich im Wachdienst und auch in meiner kleinen Firma recht glücklich, sonnst würde ich nicht dort Arbeiten.

    (Natürlich mache ich mit meinen Qualifikationen in der Regel keine Baustellenbewachung, Ticketkontrolleur, Erstaufnahme und so)

    Ich bin dann doch eher im Hamburger Hafen unterwegs, also auch nicht so weit weg von meiner Branche.


    Spedition ist auch nicht mehr das was es mal war. Ein normaler Job als Sachbearbeiter wäre mir zu langweilig und wenn du dann in einer Spedition als Disponent arbeitest, dann heißt es auch Haufen unbezahlte Überstunden, rund um die Uhr für die Trucker erreichbar sein etc. und verdienen tust du dann 1500 Netto im Monat.


    Im Wachdienst bekomme ich wenigstens jede Stunde bezahlt und verdiene meine 2000 bis 2500 Netto im Monat.


    Mir geht es wie gesagt nur um diese Regelung mit dem Bis 18 Uhr einplanen und dann am selben Tag erfahren, dass man unbezahlt eher gehen muss. Da würde ich ganz gern mal die Rechtslage wissen und möchte gern wissen ob und in welcher Art und Weise das ganze vergütet werden muss.


    MfG


    Tim

  • Bereitschaftszeit ist Arbeitszeit. Dazu gibt es genug Urteile, google it^^. Es muss folglich bezahlt werden, wenn auch nicht mit den gleichen Entgeld.


    Wenn du viel kaufmännisch arbeitest ergibt sich aber ein anderes Problem: Du darfst nur länger als 8 Stunden in der Regel arbeiten, wenn ein Großteil der Arbeit in den Bereitschaftsdienst fällt. Das ist zumindest in der Theorie beim Wachdienst der Fall. Bei einem anderen Tätigkeitsschwerpunkt ist dies genauer zu prüfen.

  • Rechtliche Beratung ist hier gar nicht erlaubt, da hilft der Gang zur GW oder Anwalt.

    Wenn ich ohnehin schon meistens 12 Stunden dort bin, würde ich versuchen einen ganzen freien Tag zu machen und nicht dieses ab und zu mal zwei Stunden früher und unbezahlt, sollte beim angegebenen Verdienst kein Problem sein.

    Es ist doch auch nicht so, dass es nur eine Person gibt, die diese Arbeit macht. also vier Tage arbeiten und Freitag frei.

    Wenn die aber so planen wie beschrieben, dann wird es so gemacht, ist halt der Auftraggeber, und bezahlen muss der AG auch nur die geleisteten Stunden, und es ist vertraglich nichts anderes vereinbart.

    Aber wahrscheinlich kommen noch weitere Antworten, ist nur meine Meinung.

  • Naja das mit dem frei geht eben nicht so einfach, da es in der Firma ja keinen Ersatz für mich und meine Tätigkeiten gibt, deswegen kamen sie ja auch auf diese komische Regelung.


    Es geht mir auch nicht um ne Rechtsberatung, sondern darum, dass andere vielleicht ähnliche Vereinbarungen haben oder eben wissen wie das ganze gehandhabt werden muss.


    Naja wir sprechen ja nicht von "mal", sondern wenn ich 228h im Monat arbeiten darf (19 Arbeitstage a 12h) aber mit 12h Schichten auf 264h pro Monat (22 Arbeitstage a 12h) kommen würde, dann sind es insgesamt 3 volle Arbeitstage die ich für den Arbeitgeber verfügbar sein muss aber nicht bezahlt bekomme.


    Und es geht mir ja auch nicht darum, dass ich es finanziell nicht verkraften könnte oder ob ich genug verdiene, sondern um den Punkt, dass der Kunde und Arbeitgeber dann ja von mir verlangen grundsätzlich bis 18uhr verfügbar zu sein aber mich dann ggf. nur bis 16 Uhr bezahlen wollen. Da ich ja trotzdem jeden Tag mit einer Arbeitszeit bis 18uhr rechnen muss, wäre es doch so etwas wie eine Bereitschaft oder irre ich mich da?


    Ich bekomme ja nicht irgendwie einen Tag vorher gesagt, dass ich morgen eher gehen kann oder muss, sondern ich erfahre es ja dann 10 min bevor ich gehen soll.


    MfG


    Tim

  • Der AG sollte eingentlich ist es mehr ein muss den Dienstplan des Folgemonats 14 Tage vorher aushängen. Das ergibt sich im Grunde aus dem Arbeitszeitgesetz damit der AN seine Freizeit ensprechend planen kann. Dieses mindestens 4 Tage vorher ergibt sich aus § 12 Abs. 2 TzBfG. und dienst lediglich dazu das ein Dienstplan verbindlich ist. So mal als lapidares Beispiel, schickt dir der AG am letzten des Monats den Dienstplan des Folgemonats kann du qasi stumpf nein dazu sagen.


    Ich hatte den Fall bei meinem alten AG schon mal gehabt hat ihn ganz schön ins straucheln gebracht. Bei meinem neuen AG bin ich als Schichtleiter eingesetzt und da mache ich die Pläne und die hängen sogar schon 4 Wochen vorher aus wo die Kollegen dann untereinander schon mal absprechen können wann sie am liebsten arbeiten kommen. Das Konzept klappt bis jetzt ganz gut.

  • Hallo,


    auf so einen "Müll" würde ich mich gar nicht einlassen.


    Hast du schon einmal daran gedacht, was der Kunde sich an Geld durch dich einspart ?


    Eine Kaufmännische Kraft schlägt mit Sicherheit mit 50 € Bruttolohnkosten pro Stunde für den AG zu Buche.


    Für dich als Wachmann zahlt der höchsten die Hälfte für die Stunde an deine Firma und was kriegst du ??


    Und dann wollen sie dir noch weniger zahlen ??


    Da würde ich den ****** zeigen.....


    Such dir was anderes, denn das ist reine Ausbeutung.

  • 50 EUR sind weit übertrieben.... auch für einen Spedikaufmann... die Hälfte vielleicht....


    Wen ich in der Firma bleiben wollte, würde ich einen Deal finden.... für die kurzfristig fehlenden Stunden 50% vom Tariflohn und maximal 3 Stunden am Tag, sofern das für mich persönlich darstellbar ist... wäre win/win für beide... wären mindestens 10,5h bezahlt bei 9 Stunden.


    Ist es mir grundsätzlich egal, würde ich keinen Deal eingehen, bezahlt wie geplant.... was wohl auf einen Firmenwechsel rauslaufen würde.

  • Hallo Fump,


    nö, das ist nicht übertrieben.....du verwechselst da die Stundenverrechnungssätze UNSERES Gewerbes mit der normalerweise in Firmen üblichen Kostenrechnung.


    Beispiel Autoreperatur,da hast du ja auch auf der Rechnung Lohnstunden von 80 € oder mehr drauf stehen,die bekommt ja auch kein Handwerker dort als Autoschlosser.

    Das sind die gesamten Kosten einer Werkstatt, die auf die Stunde umgerechnet werden, denn sie müssen ja irgendwo her kommen.


    Da ist bei unserem Gewerbe doch nicht so,da hast du ja nur die nackten Personalkosten des MA am Objekt und kannst mit Stundenverrechnunsgsätzen von 18 bis 25 € für den Kunden arbeiten.

    Zusatzkosten wie Pkw oder Waffe zahlt der Kunde ja voll und extra.

  • nur die nackten Personalkosten? Rennt der nackt? Ist der ungeschult? Unversichert? Kein Overhead? Wird nie krank, hat nie Urlaub?

    Also bitte, keine Milchmädchenrechnungen..... wenn ich einen Mitarbeiter für 25 oder 18 netto im SVS anbiete habe ich deutlich mehr als nackte Personalkosten drin.... und 25 wäre schon ein sehr hoher SVS.... wenn ich bedenke das einige mit unter 16 rumrennen (wie immer sie das legal auch machen wollen.... rhetorische Frage)

  • Hallo Fump,


    das sind keine "Milchmädchenrechnungen" ...sondern das reale Wachgewerbe.


    Denn man kann die AN doch immer wunderbar besch******** :(


    Du sagst es doch selber....Stundenverrechnungssatz unter 16 € ist doch kein Problem da be****** wir den AN und wenn der es merken sollte, wird erst mal dumm rum gelabert....und wenn der AN die "Frechheit" hat zu klagen, wird er über kurz (oder manchmal länger) "entsorgt".



    Aber mal von diesen "Methoden" abegsehen ist das Wachgewerbe ja ein Schlankes Gewerbe, schau dir doch einmal die großen der Branche an....Firmen mit 60.000 AN und "Nur" einem Verwaltungswasserkopf von knapp 1.400 Leuten haben.

    Jeder vergleichbare Industriebetrieb hat mehr als das doppelte und dazu haben die ja noch weitaus mehr Kosten, die sie auf den einzelnen AN umrechnen müssen.





    P.S.

    Bei Einsätzen der Polizei werden zum B. hier 55 € pro Stunde für den Mann in Rechnung gestellt