Sachkunde weg, Unterweisung erweitern!

  • Ich muss immer wieder feststellen, dass eine Mehrheit in der Branche für die Abschaffung der Unterweisung ist. Die Begründungen zur Bekräftigung dieser Argumentation ist immer dieselbe. Der Umfang der Unterweisung nach §34a soll wohl einfach nicht ausreichen, um auf die Bewachungstätigkeit vorzubereiten. Des Weiteren wird immer wieder die Sachkunde als optimalste Qualifikation kommuniziert. Wenn man die hohe Personalfluktuation betrachtet, macht vieles halt einfach sinn. Personal muss schnell ausgebildet werden können. Da bietet sich eine Unterweisung oder Sachkundeprüfung an –> schnell zu organisieren und durchzuführen.


    Ich persönlich habe ganz andere Vorstellungen betreffend der Voraussetzungen für eine Tätigkeit im Wachgewerbe. Ich bin der Meinung, man sollte die Sachkunde komplett aus dem Katalog streichen und die Unterweisung vom Umfang erweitern (Erweiterungsparameter aktuell mal außen vor) und teurer machen. Warum? Meine Idee -> Die Erweiterung des Umfangs der Unterweisung erweitert die Einsatzmöglichkeiten der zukünftigen Mitarbeiter. Keine langen Vorbereitungsmaßnahmen, wie es z.B. aktuell von vielen Bildungsträgern praktiziert wird. In Rahmen einer Förderung über einen BGS (Bildungsgutschein) kann solch eine Vorbereitungsmaßnahme bis zu 4000 € kosten. Alles zulasten des Steuerzahlers. Die erweiterte Unterweisung wäre somit ein kostengünstigerer Weg in Relation zu einer klassischen Vorbereitungsmaßnahme für die Sachkundeprüfung. Keine Prüfung bedeutet nicht gleich = minderwertiges Personal. Aber wie ich schon schrieb, möchte ich den Faktor –Erweiterungsparameter- erst einmal außen vorlassen. Fakt ist, dieses Format der Neustrukturierung würde viele aktuelle Probleme lösen wie z.B. Personalmangel, verursacht durch Ablehnungen von Bildungsgutscheinen wegen zu hoher Kosten. Die Arbeitsagenturen hätten somit mehr Mittel und können mehr Menschen für die Bewachung unterweisen lassen. Und machen wir uns nichts vor, über 80% der Ausbildungen für das BewachG werden von Arbeitsagenturen finanziert. Es wäre im Gesamten eine Erleichterung für alle Parteien. Naja, die privaten Bildungsträger tuen mir jetzt schon leid.


    Wäre meine Idee nicht mal ein interessanter Ansatz? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen.

  • Ich bin gegen deinen Vorschlag. Warum? Sich in der Unterweisung Volllabern lassen heißt nicht, daß man es Begriffen hat . Ich habe das sehr schön in der Sachkundeprüfung gesehen, diese war wirklich nicht schwer, alleine in der schriftlichen sind über 50% durchgefallen. Selbst wenn man zugunsten der Betroffenen Personen davon ausgeht, dass der ein oder ander eine IQ über 90 hat und man es auf die Sprache schiebt stellt sich die Frage: Wie soll jemand der der deutschen Sprache nicht mächtig genug ist für eine einfache SKP, dann die Unterrichtung verstanden haben, die thematisch die gleichen behandelt? Wie soll so jemand deeskalietend wirken, wenn ihm die Worte dazu fehlen?
    Zur Erinnerung gute Deutschkenntnisse gelten für den Beruf als Grundvorraussetzung.
    Mehr geistige Tiefflieger aussieben, dadurch steht automatisch als verbleibender Rest qualifizierteres Personal zur Verfügung, aber nicht mehr in der Masse, damit sollten dann auch die Löhne steigen und die Qualität der Arbeit.

  • Zusätzlich finde ich es schlimm, dass Unternehmer mit 80 Std. Unterrichtung herumlaufen ohne sich wirklich mit dem Stoff befasst zu haben. Da sind en mas Leute draußen, die sich Sicherheitsunternehmer nennen und eine Arbeitsvorschrift nach der anderen ignorieren oder einfach nicht wissen. Diese Leute haben oft Verantwortung für Mitarbeiter und auch sollte die SKP angewendet werden, damit wenigstens ein bestimmter Level auf Unternehmerseite vorliegt. Zusätzlich wäre für Leute ohne kaufmännische Ausbildung zusätzlich noch ein betriebswirtschaftlicher Kurs empfehlenswert, auch hinsichtlich Steuern und Abgaben, damit man mal aus der Dumpingecke rauskommt.


    Mit Kursen in denen man nur drinsitzt ist eine höhere Qualifizierung und damit stärkere Professionalisierung nicht möglich.

  • Hallo "kustleder",


    Des Weiteren wird immer wieder die Sachkunde als optimalste Qualifikation kommuniziert.


    Ich weiss nicht wer das kommuniziert, aber ich war es nicht :-)


    Beide Qualifikationen bleiben Hilfsarbeiter-Qualifikationen, dass muss ganz klar sein.


    Was wohl viele nicht wissen, ist das es einen genauen Rahmenstoffplan inklusive Taxonomie für die Sachkundeprüfung im Bewachungsgewerbe gibt
    Das dieser oft in seiner Fülle nicht übermittelt wird ist ein anderes Thema.
    Kann der Teilnehmer lösen, in dem er sich erkundigt und sich bei nichterfüllung dagegen wert.


    Was wichtiger ist:
    In beiden Fällen, werden keine "Tätigkeitsschwerpunkte" gesetzt.
    Hier muss sich etwas ändern. Es ist nunmal ein großer Unterschied, ob der MA im Stadion, Objekt, Streife, Detektiv oder sonst wo eingestzt wird.
    Hier muss es Erweiterungen/Schwerpunkte geben.


    Ein "Allrounder" sind beide definitiv nicht.


    Schönes Wochenende

  • Hallo Kunstleder,


    die Abschaffung einer Prüfung als Mindesvoraussetzung wird zwangsläufig zum Qualitätsverlust führen. Wie sonst soll man Essentielles Wissen nachweisen? Nur weil ich mich hab berieseln lassen bedeutet das ja nicht, dass ich mir auch gemerkt habe, was "der Typ da vorne" erzählt hat. Dein Plan lautet also noch mehr unqualifiziertes Personal auf die Menschheit loszulassen. Das kann nicht im Interesse unserer Branche liegen.


    Viel eher müsste §34a GewO dahingehend verändert werden, dass man eine deutlich höhere Qualifikation benötigt, um überhaupt ein Sicherheitsgewerbe eröffnen zu dürfen. Ich denke da an Servicekraft aufwärts. Dann sollten die Unterrichtungen abgeschafft werden. Mindesteinstieg ab SKP. Weiter sollte gesetzlich geregelt sein, dass ein gewisser Prozentsatz der Belegschaft eine Berufsausbildung im Sicherheitsgewerbe besitzen müssen oder aber sich die Zahl der Hilfskräfte an der Zahl der vorhandenen Fachkräfte orientiert. Verhältnis 1:3 wäre doch nicht schlecht. Wird diese Vorgabe nach Zeitraum X nicht erfüllt, wird die Bewachungserlaubnis erlischen.


    Klasse statt Masse muss hier die Devise sein.

  • Keine Qualifikation ohne Prüfungsnachweis ist auch meine Meinung. Ebenso sollte der Unternehmer neweisen, dass er zur Unternehmensführung die Fähigkeiten besitzt.


    @flea, dein Vorschlag in allen Ehren, er ist aber nicht praktikabel: Es gibt Sicherheitsunternehmen, die ausschließlich Veranstaltungen betreuen. Bei denen sind mindestens 80-90 % oder noch mehr des Personals Aushilfen. Und von denen wiederum haben nahezu alle im besten Fall die Sachkundeprüfung.

  • Gerade die Veranstaltungsbetreuung ist doch ein Aushängeschild des Gewerbes. Man könnte sicher auch Ausnahmen zulassen, so dass bei Veranstaltungen eben auf jede Fachkraft 5-10 Hilfsarbeiter kommen. Wichtig ist eben in meinen Augen, dass es keine reinen Hilfskraftunternehmen und -einsätze gibt. Zumindest in Berlin sind mir so einige "Sicherheitsfirmen" bekannt, wo nicht ein einziger Mitarbeiter über die SKP hinaus geht. Nur wem hilft die Hilfskraft denn in diesem Falle?

  • Als Vertreter eines Bildungsträgers, gebe ich dir @kunstleder, insoweit recht, dass für viele Teilnehmer tatsächlich unnütz zu schnell, bzw. zu voreilig Bildungsgutscheine und somit auch Steuergelder ausgegeben werden. Die Frage die sich hier stellt, ist das große "Warum ist das so?" Vermittlungsquote der Sachbearbeiter?(!), froh seinen "Schützling" los zu sein, bzw. jemanden aus der Statistik fallen zu lassen?(!) Ich habe im Rahmen meiner Dozententätigkeit nicht nur einen Bildungsträger kennenlernen dürfen und kann nicht von der Hand weisen, dass viele nur ihren Profit zu sehen scheinen und der Mensch dahinter völlig verloren zu gehen scheint. Dies handhabe ich zum Glück anders. Leider habe ich auch Träger kennengelernt, die, wie du schon eben schriebst, einfach nur profitieren wollen und das um jeden Preis. Bei mir macht jeder Interessent zunächst einen Eignungstest um zu schauen, ob sich derjenige a.) überhaupt eignet (und ja, ich habe auch schon einige Leute abgelehnt) und b.) um denjenigen einen, bzw. den für ihn meiner Meinung nach geeigneten Kurs zu empfehlen, bzw. dessen Sachbearbeiter/in. Warum? Weil es mir nichts nutzt einfach nur Profit zu schlagen und dann im Endeffekt einen unzufriedenen Abgänger zu haben, statt auf dessen Individualität einzugehen. Leider machen sich die wenigsten diese Gedanken im Bildungsbereich, das kann ich aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen leider nicht von der Hand weisen. Aber mal zum Ausgangspost noch:
    Ich spreche mich auch gegen deine Idee aus! Ich habe nach und nach die Qualifikationen und Prüfungen im Gewerbe absolviert und kann also mitreden. Eine "Ergänzung" des Unterrichtungsverfahren in Kombination mit einer Abschaffung einer Prüfung halte ich für wenig sinnvoll. Ich habe diese Meinung vielleicht aber auch aufgrund meines Insiderwissens. Warum sehe ich das so? Mal auf die IHK`s bezogen, bzw. auf die mir bekannte(n), sind diese nicht zertifiziert! (was ich für eine Lehrgangsanbietende und vor allem prüfende Stelle schon ziemlich makaber finde!), sprich: diese werden aufgrund dessen von den Agenturen NICHT gefördert! Folglich damit auch nicht die Unterrichtungsverfahren. Weiterhin ordern sich die IHK´s i.d.R. zur Durchführung der Unterrichtungsverfahren, externe, freiberufliche Dozenten. Wo grundsätzlich ja nichts gegen spricht. Jedoch durfte ich einige kennenlernen. Das krasseste Beispiel war ein Dozent, der unmittelbar nach seiner eigenen Sachkundeprüfung und ohne jegliche Vorkenntnis und Berufserfahrung, geschweige denn einer möglichen AEVO in den Prüfungsausschuss berufen und zur Durchführung der Unterrichtungsverfahren eingesetzt wurde. Auch ein Bildungsträger ist kein Garant für eine kompetente und seriöse Durchführung entsprechender Vorbereitungen, darum sollte man sich vorher ausgiebig über die Zertifizierungen, Akkreditierungen sowie Hintergründe und Qualifikationen etc. befassen und diese mit anderen abgleichen. Aber aufgrund meiner bisherigen eigenen Erfahrungen mit Aus-, Fort- und Weiterbildungen, sowie diesbezüglich im Umgang mit Teilnehmern, sage ich ganz klar, dass bei dem (auch wenn das jetzt "böse" klingen mag) "typischen Klientel" im Bildungssektor des Bewachungsgewerbes eine Unterrichtung bezüglich der beruflichen Anforderungen zum einen völlig unzureichend ist und zum anderen, auch eine Erweiterung nicht wirklich gewinnbringend erscheint, erst recht nicht in Verbindung mit einer Abschaffung der Prüfung, da dies in meinen Augen defakto nur ein "Sitzschein" wäre, wie auch die bisherige Unterrichtung und damit ein wirkliches "sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen" noch deutlich stärker vernachlässigt werden würde. Allerdings schließe ich mich auch weiter der Meinung die hier bereits kundgetan wurde an, dass sowohl die Unterrichtung als auch die Sachkunde BEIDE nicht wirklich so vorbereiten wie es der berufliche Alltag an sich eigentlich erfordert und beides tatsächlich "Hilfsarbeiterqualifikationen" darstellen, was nicht eine Reduzierung bedeuten soll, jedoch klarmachen soll, dass es ein grundlegender Unterschied ist, ob man fundiert einen Beruf erlernt hat oder "crash-beschult" wurde. Was ich immer "zum kotzen" finde ist, dass sich große Beschweren und bemängeln an allem im Gewerbe, verbunden mit einer immensen Nicht-Bereitschaft selbst etwas aktiv zu verändern. Ich finde, dass gerade in unserem Gewerbe, wo die meisten von uns immens viel mit Menschen arbeiten, absolute Pflicht werden sollte, sich regelmäßig fort- und weiterzubilden. Viel wichtiger fände ich eine strengere Zuordnung / gesetzliche Forderung der Qualifikationen in Bezug auf die berufliche Tätigkeit. Speziell die Gewerbetreibenden betreffend sehe ich sowohl das entsprechende Unterrichtungsverfahren als auch die Sachkundeprüfung als Qualifikation für völlig unzureichend.

  • Quote

    Ich persönlich habe ganz andere Vorstellungen betreffend der Voraussetzungen für eine Tätigkeit im Wachgewerbe. Ich bin der Meinung, man sollte die Sachkunde komplett aus dem Katalog streichen und die Unterweisung vom Umfang erweitern (Erweiterungsparameter aktuell mal außen vor) und teurer machen. Warum? Meine Idee -> Die Erweiterung des Umfangs der Unterweisung erweitert die Einsatzmöglichkeiten der zukünftigen Mitarbeiter. Keine langen Vorbereitungsmaßnahmen, wie es z.B. aktuell von vielen Bildungsträgern praktiziert wird.


    Es ist doch gerade der Sinn von Prüfungen, bei gefahrgeneigten Tätigkeiten die Interessen der Allgemeinheit und die unbeteiligter Dritter durch Befähigungsnachweise zu sichern. Der Vorschlag könnte also allenfalls dem rein ökonomischen Interesse von Wachschutzfirmen entsprechen, der Gesetzgeber aber wird sich davon ganz sicher nichts annehmen.


    Den Interessen aller Beteiligten könnte m. M. n. durch ganz andere Gesetzesänderungen entsprochen werden. Man könnte z. B. darüber nachdenken, berufsbegleitende Weiterqualifikationen zu erleichtern, indem man den Inhabern der 34 a - Sachkundenachweise ermöglicht, den Berufsabschluss GSSK "scheibchenweise" durch sog. Abschichtungsprüfungen zu erwerben. Das hieße, dass man in den einzelnen Fächern nacheinander mit erheblichem zeitlichen Abstand Prüfungen ablegen könnte.

  • Die zwei Jahre Berufserfahrung als Zulassungskriterium für die GSSK-Prüfung gelten nur, wenn bereits vorher ein Beruf abgeschlossen wurde; ansonsten sind es fünf Jahre plus 24 erfüllte Lebensjahre. mb_schutz_sicherheit.pdf. Die 24 Lebensjahre halte ich für sinnvoll, die Anwartschaften jedoch sind zu lange. Die GSSK scheibchenweise mit einzelnen Prüfungen zu machen = eher nein. Außerdem dürfte das von der IHK-Seite aus unmöglich sein = die finden ja jetzt bereits für ihre Prüfungsausschüsse kaum Prüfer. Und was noch hinzukommt ... die GSSK-Prüfung zu bestehen schafft nicht jede Person. In vielen Tarifverträgen wird mit der Bezahlung im Separatbereich nach absolvierten Werkschutz- / Prüfungslehrgängen unterteilt.


    Zum Eingangsthema: Der Wildwuchs mit diesen manchmal mehr als seltsamen sogenannten Schulungsträgern, die eine §34a-Sachkundeprüfung mit einem bisschen Zubehör als "Super-Top-Ausbildung" verkaufen gehört eingeschränkt = stimmt.



    Gedanken für die Zukunft:

    • Ausschließlich Zertifizierte Werkschutzschulen zuzulassen wäre diesbezüglich ein Ansatz.
    • Jede durchführende Schule hat ihr Programm für die Lehrgänge bei der IHK einzureichen, die prüfen das und erteilen Freigabe. Erst mit der Freigabe gibt es Bildungsgutscheingage.
    • Die vorherige Unterrichtung entfällt, es gibt nur noch Sachkundeprüfung aufwärts.
    • Für Gewerbetreibende gilt das vorgenannte genau so, zusätzlich ist ein Befähigungsnachweis für kaufmännisches Wissen erforderlich.
  • Als ich im Bewachungsgewerbe angefangen habe, zeichnete sich mir nicht sofort ab, worum es eigentlich geht. Und deshalb habe ich die letzte große Änderung des § 34a GewO vom 27. Juni 2002, die im Bundesgesetzblatt Teil I verkündet wurde, auch nicht holistisch betrachtet.


    Heute stellen sich die beteiligten Kreise aus (Wach- und Sicherheitsgewerbe, Auftraggeber, Versicherungswirtschaft, Verwaltung, Berufsgenossenschaften, Gewerkschaften) immer wieder die Frage, ob der staatlich-gewerbliche Normenkomplex des Bewachungsgewerberechts durch einen (oder den) privatrechtlichen Normenkomplex ergänzt oder teilweise ersetzt werden kann?


    Die vorgenannte Änderung hat dabei aus rechtspolitischer Sicht in erster Linie die Qualifikation durch Schaffung eines Sachkundenachweises bzw. Modifikation der Unterrichtungsnachweises der im Bewachungsgewerbe Tätigen gerichtet. So wurde es in § 34a der GewO legaldefiniert. Dieser Ansatz war auch ein richtiger, weil Befugnisse der Gewerbetreibenden und deren Beschäftigten und die Zuverlässigkeitsprüfung verschärft wurden, die Unterrichtung verlängert, die Sachkundeprüfung eingeführt und der Umgang mit Waffen neu geregelt wurde.


    Auch Aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung des privaten Sicherheitsgewerbes mit allen Implikationen, die damit verbunden sind und somit der erreichten entsprechenden Nachfrage, hat sich für die Anbieter privater Sicherheitsdienstleistungen eine Forderung zur Neuausrichtung gestellt. Demnach sollte man sich vom Nachtwächter zum Allround-Sicherheitsdienstleister entwickeln! Hätte man „nur“ die gewerbsmäßig angebotenen aktiven personellen Obhutstätigkeiten zum Schutz von Leben , Freiheit und Eigentum Dritter zu erbringen, wäre sicherlich der Begriff „Nachtwächter“ länger in aller Munde geblieben, nur erbringen die Sicherheitsdienstleister zunehmend solche sicherheitsrelevanten Servicedienstleistungen, die keine Bewachung im Rechtssinne darstellen, wenn auch der überwiegende Umsatz der Branche mit „klassischen Bewachungsaufträgen“ erbracht wird.


    Als „klassisch“ kann man dann solche Tätigkeiten nennen, für die das „Unterrichtungsverfahren“ als ausreichend bezeichnet werden könnte. Der Anstieg an Bewachungsaufträgen im öffentlichen bzw. öffentlich zugänglichem Raum, der dann durch den unmittelbaren Bürgerkontakt ein erhöhtes Konfliktrisiko beinhalten muss, muss sich dann auch hinsichtlich der Qualifizierung vom „Unterrichtungsverfahren“ abgrenzen. Um hinsichtlich dieser Aufgaben eine Qualifikation definieren zu können, wurde als Berufszulassungsvoraussetzung, die von der IHK erfolgreich abgelegte Sachkundeprüfung erforderlich.


    Nach Auffassung des Gesetzgebers muss das Bewachungspersonal in besonderem Maße die Grenzen der ihm zustehenden Rechte kennen, sowie auch über Techniken und Maßnahmen zur vorbeugenden Konfliktbewältigung informiert werden. Kurz gesagt: Wegen des Gefährdungspotentials wurde eine Unterrichtung als nicht ausreichend angesehen und deshalb musste oder muss das Personal seine erworbenen Kenntnisse durch eine Prüfung nachweisen.


    Für weitere Tätigkeitsbereiche, die nicht im § 34a GewO aufgezählt werden könnten sicherlich Abgrenzungsfragen aufgeführt werden, die dann, zu verfassungsrechtlichen Folgeproblemen führen könnten. Hier gibt es natürlich spezielle Rechtgrundlagen wie z.B. für die Wahrnehmung von Hoheitsaufgaben aufgrund gesetzlicher Beleihungstatbestände, die dann mit ihrer spezialgesetzlichen Aufgabenzuweisung und deren Ermächtigungsgrundlage zu begründen sind.


    Zieht man, um die Steuerzahler zu entlasten, den Gedanken vom Eingangsthread hinzu, wäre es eine weitere Katastrophe für die Arbeitsmärkte und der oder die Steuerzahler würden ohnehin nicht entlastet werden. Obwohl die Bundesagentur für Arbeit oftmals mit problematischen Methoden aufwartet, ist sie doch nicht für den Arbeitsmarkt direkt verantwortlich zu machen. Und ich mache dem einzelnen Sachbearbeiter der Bundesagentur für Arbeit auch keinen Vorwurf, weil wir es allenthalben mit einer Systemkrise zu tun haben und der Einzelne (Sachbearbeiter) ist darin nur Teil des Systems.


    Man kann jetzt betriebswirtschaftlich argumentieren und sagen: „Angebot und Nachfrage bestimmen die Märkte“! Eine Ware in diesem Kreislauf ist die Ware „Arbeitskraft“, sodass für die Bundesagentur für Arbeit klar ist, wenn sie denn erkennt, dass eine Nachfrage im Bewachungsgewerbe vorliegt, eine entsprechende Förderung für die Arbeitssuchenden (Bildungsgutschein) eine vielversprechende Möglichkeit ist, um den Arbeitssuchenden wieder ein Arbeitseinkommen verschaffen zu können.


    Und wenn ich bedenke, dass diese Menschen auch teilweise „schlechte Produktivitäten“ haben, dann sind die Kosten im Verhältnis zum zu erwartendem Nutzen marginal. Wann kann denn sonst ein Mensch mit weniger Aufwand ein Beschäftigungsverhältnis eingehen und dann die Möglichkeit erhalten, ein einigermaßen planbares Leben führen zu können? Das gilt dann sowohl für die Kolleginnen und Kollegen mit dem Unterrichtungsverfahren als Eingangsvoraussetzung, als auch für die Kolleginnen und Kollegen mit der Sachkundeprüfung. Wenn demnach diese Menschen wieder ein Arbeitsverhältnis eingehen können, dann würden sie auch für den Staat mehr Steuereinnahmen (einschl. Rentenversicherungsbeiträge) generieren und somit dem Staat nicht weiter zur Last fallen und die Arbeitslosenquote verringern.


    Es ist offensichtlich, wenn man das weiterdenkt, dass der Preis der Ware Arbeitskraft (Löhne) auch weiter verfällt, wenn es zu einem Überangebot (Arbeitslose) kommt und gleichzeitig die Nachfrage (offene Stellen) ausfällt. Dann kommt es sogar zu einer anormalen Angebotsreaktion der abhängig Beschäftigten: mit dem daraus folgenden sinkenden Lohn, weiten die abhängig Beschäftigten ihr Arbeitsangebot sogar aus, sodass das Angebot an Arbeit weiter steigt. Die Folge ist dann immer ein stärkerer Lohnverfall, wie bei jeder Ware. Und wie sollen dann produktivitätsorientierte Reallohnsteigerungen jemals durchgesetzt werden? Im Befund führt Arbeitslosigkeit also zu einem Lohnverfall und deswegen ist die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit u.a. auch so wichtig.


    Dabei müssen natürlich auch die in Folge der Kürzungspolitik bestehenden Besetzungsprobleme der öffentlichen Auftraggeber betrachtet werden. Wie soll also ohne die Voraussetzung „Sachkundeprüfung“ ein öffentlicher Auftraggeber bei einem Sicherheitsdienstleister Personal nachfragen können, wenn „nur“ oder „vorwiegend“ Beschäftigte mit dem Unterrichtungsverfahren zur Verfügung stehen?


    Schaut man sich das bestehende und damit immer noch hohe Gefährdungspotenzial in den Hausrechtsbereichen mit tatsächlich öffentlichem Verkehr (vgl. Ladendiebstahl in der PKS 2013, Seite 4, 2012=361.759, 2013=356.152 erfasste Straftaten) an, dann ist trotz des leichten Rückgangs die Forderung nach qualifiziertem Bewachungspersonal gegeben. Wir können zwar nicht bei allen Straftaten einen Rückgang verbuchen, aber dort wo Sicherheitspersonal im Sinne des § 34a eine Sachkundeprüfung hat oder haben muss, zeigt sich (auch wegen der guten Zusammenarbeit mit den Behörden) die Notwendigkeit. Wie schon erwähnt, muss dabei ein Nachweis von Kenntnissen in besonderem Maße vorliegen und ich kann nicht erkennen, wie das ohne eine Prüfung nachgewiesen werden könnte.


    Man könnte das jetzt Stundenlang weiter ausführen, aber für mich steht fest, dass eine erneute Novellierung des Bewachungsgewerberechts zunächst den Standard nach der Erbringung der Sachkundeprüfung beinhalten sollte und somit der Wegfall des Unterrichtungsverfahrens anzustreben sein sollte.


    Aus meiner Sicht ist man mit der Sachkundeprüfung für die drei genannten Bereiche, die eine Sachkundeprüfung erforderlich machen, gut aufgestellt. Natürlich wäre es erstrebenswert zusätzliche Qualifikationen zu schaffen, die die dort tätigen Kolleginnen und Kollegen spezialisieren.


    Freundliche Grüße


    Moderator Doph_Zügota



    Gerechtigkeit herrscht, wenn es in einem Volk weder übermäßig Reiche noch übermäßig Arme gibt.


    Thales von Milet (um 625 - 545 v. Chr.), griechischer Philosoph und Mathematiker, einer der Sieben Weisen

  • Vielleicht sollten Beschäftigte im SD überhaupt erst mal einen Beruf haben. Das sagt dann nämlich schon was aus, finde ich. Etliche haben nur die SKP vorzuweisen, sonst nix. Und damit wird dann "getrommelt".


    Ich weiß, ich bin böse. Aber mir war gerade so..........

  • Vielleicht sollten Beschäftigte im SD überhaupt erst mal einen Beruf haben.


    Stimmt auch wieder, aber anderseits für einige Tätigkeiten wie 12 Stunden sinnlos rumsitzen/rumstehen?


    Erfahrungsgemäß sind solche Leute ohne jegliche Berufsausbildung in vielen Firmen Goldwert..... die lassen sich besser ausbeuten.

  • In meinen Augen ist die Unterweisung längst überholt. Einige Tätigkeitsfelder, die mit einer Unterweisung durchgeführt werden dürfen, sind in den letzten Jahren anspruchsvoller geworden. Die Unterweisung gehört angeschafft. Die Sachkundeprüfung sollte als min. Qualifikation eingesetzt werden. Wobei ich die Sachkunde erweitern würde. Pflicht könnte die 40-stündige Unterweisung sein. Erst dann Zulassung zur Schriftlichen und danach zur mündlichen Prüfung. Alles in einem Paket.