Ausbeutung in der Branche

  • Im Sicherheitsdienstleistungsgewerbe kann alles passieren, aber die Darstellung vom Kollegen „Neuling1986“ offenbart aus meiner Sicht mal wieder, eine desolate Personalplanung!


    Natürlich gibt es auch immer schwierige Bedingungen in den Betrieben! Wer aber nur das Mittel der Machtausübung für seine abhängig Beschäftigten bereithält ist schließlich selber absolut unfähig.


    So ein Unternehmen sollte am Tag noch den Laden schließen! Ich will mich jetzt nicht wieder aufregen und es ist auch immer mein Bestreben, unternehmerische Entscheidungen, gerade in der Krise mitzutragen; so kann ein Unternehmer dauerhaft den zunehmenden komplexen Herausforderungen allerdings nicht begegnen.

    Freundliche Grüße


    Moderator Doph_Zügota



    Gerechtigkeit herrscht, wenn es in einem Volk weder übermäßig Reiche noch übermäßig Arme gibt.


    Thales von Milet (um 625 - 545 v. Chr.), griechischer Philosoph und Mathematiker, einer der Sieben Weisen

  • In Arbeitsverträgen gibt es sehr viele Stolperfallen, zumal die meisten Firmen diese von ihren Superanwälten ausarbeiten lassen. Nachdem was du bislang geschildert hast, @Neuling1986, hast du mit einem Standard-Arbeitsvertrag deine Kündigungsschutzklage schon gewonnen:
    ... oder hast du etwa einen zeitlich befristeten Arbeitsvertrag?
    ... egal ... gehst zum Fachanwalt oder schaust bei verdi vorbei.
    Für die Einreichung der Klage beim Arbeitsgericht gilt eine Frist von drei Wochen.


  • Jedoch das Arbeitszeitgesätz besagt :"


    Zweiter Abschnitt
    Werktägliche Arbeitszeit und arbeitsfreie Zeiten


    § 3 Arbeitszeit der Arbeitnehmer


    Die werktägliche
    Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie
    kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von
    sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht
    Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

  • @Thief
    Lies dir bitte mal den § 7 des gleichen Gesetzes durch: Der begründet die allzu üblichen 12-Stunden-Schichten im Bewachungsgewerbe.


    §7 Absatz 4.a)
    "... regelmäßig und in erheblichem Umfang Arbeitsbereitschaft oder Bereitschaftsdienst ..." bedeutet, mindestens 1/3 der Gesamtarbeitszeit muss so gestaltet werden. Irgendwo gibt es Urteile dazu.


    Eigene Meinung:
    Diese vorgenannte Arbeitsbereitschaft besteht trotz vorhandener Rechtsprechung im Industriewerkschutz nur theoretisch! Kein Kunde bezahlt einen Werkschützer, der nur "faul" herumsitzt.

  • Wozu noch die Pausen kämen. Wenn man sich mit dem Gesetz befasst sollte man wissen dass die sog. "Öffnungsklausel" für Tarifverträge Ende 2006 ausgelaufen ist. Es soll Wachfirmen geben die ihren Leuten bzw. Bewerbern immer noch erzählen sie "dürfen" 250 Stunden monatlich verlangen weil eben das Gesetz dies erlaube.


    ArbZG - Einzelnorm

  • ...

    ... egal ... gehst zum Fachanwalt oder schaust bei verdi vorbei.


    Na, dann Gute Nacht!
    Die Wahrscheinlichkeit, einen sog. Fachanwalt ohne reale Ahnung bzw. ohne Besuch der vorgeschriebenen Veranstalungen zu treffen, ist ziemlich hoch. Noch höher ist die Gefahr einer eklatanten Falschberatung bei ver.di, wie mir widerfahren bei einer als Arbeits-Rechtsberaterin hochstapelnd auftretenden Tippse. Sie verleitete mich zur Klage, die ich mit Pauken und Tropeten verlor. Mehr noch: Bei meiner anschließenden Neuanmeldung als Wachperson gem. BewachV bekam der neue Arbeitgeber von der Gewerbebehörde den Hinweis, dass "ich mich mit Arbeitgebern anzulegen pflege und gegen diese vor Gericht ziehe!". Da hat dann einer kalte Füße bekommen.
    Wg. Falschberatung kündigte ich meine Mitgliedschaft frsitlos, dachte ich. Man beharrte jedoch auf eine odentliche Kündigung und bis zum Ablauf der Frist Weiterzahlung des Mitgliedbeitrags bei sonstiger Klageerhebung. .
    ...

  • Also um auf Deine Frage zu antworten, 80Std die Woche ist nicht normal.
    Alle geleisteten Stunden werden normalerweise bezahlt (oder hast Du Gehalt?)
    Allerdings gab es 2014 die Regelung das bis 240Std/Monat keine 25% Mehrarbeitszuschlag gezahlt wird, ab diesem Jahr liegt die Grenze glaube ich bei 232Std. Deshalb flüchteten sich viele Arbeitgeber ins Aufstellen von Arbeitszeitkonten wo die über 240 Stunden geleisteten Stunden angesammelt und ´´schlechte´´ Monate damit aufgefüllt werden. Zwar auch nicht zulässig aber fast normal.
    Übrigens Schichtpläne kopieren kann nach hinten losgehen. Bei uns (Bw-Bewachung) ist es generell untersagt wegen der Sicherheit und auch sonst wäre ich damit vorsichtig (Datenschutz).


    MfG Biker

  • Also mich würde zunächst mal interessieren, ob diese 80 Stunden in der Woche ein dauerhafter Zustand sind und wie dahingehend, ein Ausgleich geschaffen wurde?

    Freundliche Grüße


    Moderator Doph_Zügota



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    Thales von Milet (um 625 - 545 v. Chr.), griechischer Philosoph und Mathematiker, einer der Sieben Weisen

  • 80Std die Woche sind nicht nur nicht normal, sondern grundsätzlich nicht erlaubt.


    Stimmt!
    Nicht "normal", jedoch durchaus möglich; kam selber schon mehrfach auf diese Stundenzahl.


    Aber alles "freiwillig", um den lieben Geldes wegen.
    Da gibt es noch ganz andere Kaliber. Einmal merkte der Auftraggeber dies und forderte eine Begrenzung auf max. 60 Stunden/Woche.
    Dadurch musste eine weitere Stelle geschaffen werden. Der neue Kollege, das war ich, hatte gegen eine Wand von Ablehnung zu kämpfen und musste sich alleine im Objekt zurecht finden und nach nicht dokumentierten Kontrollstellen fahnden. Auf eine Beschwerde hin "verteidgte" sich der Rädelsführ damit, dass ich alleine durch meine Neueinstellung sein Monateineinkommen gefährde und seine Ratenzahlungen für ein Wohnmobil behindere...


    Zwangsweise angeordnete Stunden-Exzesse erlebte ich in 10 Jahren und in über 20 Objekten jedoch noch nie.
    Unfreiwillige -und nicht verrechnebare Mehrarbeit- jedoch immer wieder, wenn man auf die Ablösung durch "kollegiale" Gewohnheits-Penner warten musste, die routinemäßig stets "im Verkehr stecken bleiben" - oft eine Stunde und mehr.

  • Natürlich ist es möglch und bei uns in der Branche auch nicht selten.... ändert aber nichts daran das es grundsätzlich nicht erlaubt ist, erst wenn man einige Kniffe zum Aushebeln des AZG nutzt...


    Ich hatte früher selber viele Kollegen aus den neuen BL die 2-3 Wochen gearbeitet haben und dann eine Woche nach Hause sind... der AZG Verstoß war schon oft in der ersten vollendet... aber jede andere Lösung hätte sich nicht gelohnt und zur Arbeitslosigkeit zu Hause geführt......

  • Das AZG wurde ja selbst durch die LTVge "ausgehebelt" - wo sonst sind 240 Stunden und mehr erlaubt?
    M:E. ist jedoch das heutzutage viel häufiger auftretende Problem eine viel zu geringe Auslastung.


    So werden laufend Teilzeit- bzw. 400-EUR-Minijobs abgeboten, die nicht selten auf nur 50 Stunden/Monat kommen.
    Es ist eine dreiste Lügenmasche, Bewerbern glauben zu machen, sie würden dabei wenigstens 400 EUR monatlich verdienen.
    Ein mir gut Bekannter brachte es einmal sogar auf nur 38 (achtunddreißig) EUR im Monat trotz geforderter Abrufbereitsschaft.
    Alles war "legal", Auftraggeber eine Landeshauptstadt, Sklavenhändler ein "namhaftes, führendes Unternehmen" (mit sogar einen Polizeipräsidenten a.D. im "Beirat" sowie hauptberuflichen "Betriebsrat"...


    Ein Münchner Bewachungs-Unternehmer schreibt z.B. heute im "Merkur" eine "Schließdienst-Stelle" aus, MO-SA täglich einmal auf- und zuschließen, monatlich "200-300 EUR brutto". Dazu verlangt er nicht unbedingt wenigstens eine Unterrichtung, was alleine schon das Gewerbeamt aufwachen lassen sollte.


    Es fehlt nur noch eine Angabe für den Wegzeitaufwand, der (selbstverständlöich und branchenüblich) keine Berücksichtigung findet.
    So kann man also auch Menschen heran ziehen, die bei 2-3 "Arbeitgebern" zugleich jobben (müssen) und/oder sich als Aufstocker über die Runden quälen.. - und beim Träger des Jobcenters nur teilzeitbeschäftigt Dienst tun dürfen, wo sie dann um die Aufstockung ansuchen müssen. Linke Tasche, rechte Tasche, und alle politisch Verantwortlichen quer durch die Parteien mit ihren gemästeteten Mulit-Funktionären einschließlich feiste Interessenvertreter gucken dämlich zu....
    .

  • Und dann sprechen neoliberale Protagonisten von einer guten Entwicklung auf den Arbeitsmärkten und von einem Fachkräftemangel in Deutschland!

    Freundliche Grüße


    Moderator Doph_Zügota



    Gerechtigkeit herrscht, wenn es in einem Volk weder übermäßig Reiche noch übermäßig Arme gibt.


    Thales von Milet (um 625 - 545 v. Chr.), griechischer Philosoph und Mathematiker, einer der Sieben Weisen



  • Nunja, das "Aushebeln" lässt §7 des ArbZG zu. Also nicht zwingend die Tarifverträge aus dem Bewachungsgewerbe. Die können das nur, weil ihnen das ArbZG alle Türen dazu öffnet....


    Die 400 bzw 450 Euro monatlich. Bei Teilzeit vielleicht nicht immer ganz möglich, bei einem Geringverdiener allerdings doch ziemlich zutreffend. Bei dem neu eingeführten Mindestlohn von 8,50 Euro reichen mir 50 Stunden, um auf 425,00 Euro zu kommen - bei einem Minijobber netto !!!
    Wie kann das mit den 38,00 Euro zustande kommen? Wenn man sich einen Job genauer ansieht und etwas durchrechnet, sieht man doch ziemlich schnell, ob sich dieser finanziell lohnt oder ob man lieber Abstand davon nehmen sollte, oder?
    Zumal mir das auch bei einem unrentablen Job als sehr unwahrscheinlich vorkommt - auch wenn man geringfügig gegen den Mindestlohn verstoßen sollte - aber in diesem Fall wäre das ja nicht mal 1 Euro / Stunde !?!?!?
    Oder habe ich einen Denkfehler bzw etwas nicht ganz verstanden? Dann bitte ich um Aufklärung :)


    Bei dem Schließdienst eigentlich nochmal ähnlicher Fall. Ich überlege mir wie viel Aufwand ich habe, wie die Stunden verteilt sind, wie weit mein Wohnort vom Arbeitsort entfernt ist, wie flexibel ich bin, etc...


    Mit etwas Glück ist der AG noch in einem großen Verband und ich in einer passenden Gewerkschaft, dann könnte man u.U. immer mind 4 Stunden abrechnen, auch wenn weniger gearbeitet wurde (hier bin ich mir allerdings nicht 100% sicher, allerdings handelt es sich GLAUBE ich um Bayern für Mitglieder von ver.di und AG, die im BDSW verteten sind. Bedeutet: 20 Min Fahrt, 20 Min Arbeit, 20 Min heimfahrt = 1 h, bezahlt werden aber 4 h).



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