Merkantilisten in der Sicherheitsbranche…

  • Angesichts ungelöster Probleme flammt im Sicherheitsdienstleistungsgewerbe der Befund auf, dass Unternehmer immer wieder versuchen, mit Tricks den Mindestlohn der Branche zu umgehen. In einem Artikel aus dem „SpiegelOnline“ konnte ich wiedermal entnehmen, wie Arbeitsgeber die gesetzlichen Regelungen umgehen. Zum einen wurde hier von einem Beschäftigten beschrieben, wie gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen wurde und zum anderen beschreibt der Kollege, wie er in Behelfsunterkünfte einquartiert wurde. Er spricht von Räumlichkeiten, die nicht verschlossen werden konnten und er gibt Auskunft darüber, dass er sich mit einem anderen Kollegen sogar eine Schlafstätte teilen musste.


    Was sind das für Unternehmer, die so am Markt agieren und damit auch noch durchkommen – jedenfalls so lange, wie z.B. eine Behörde keine Kontrollen durchführt? Ich bin immer wieder erschüttert, wenn ich derartige Berichte lese. Was sind das für Unternehmer, die nur den Profit im Sinn haben und keine „Nanosekunde“ darüber nachdenken, ihren Laden (und ich sage Bewusst nicht mehr Unternehmen) in Schuss zu halten, damit man sich langfristig am Markt behaupten kann und vor allem dem Begriff „Arbeitgeber“ gerecht wird?


    Wir sprechen immer wieder über die Anforderungen von Sicherheitsdienstleistungen unter der Flagge von Unternehmerverbänden, Zertifizierungsstellen und anderen zuständigen Stellen vom Staat. Aber man traut sich nicht ran, an diese Merkantilisten mit ihren Ideologien oder man hat nicht das Personal um solche katastrophalen Bedingungen zu unterbinden. Dazu kommt, dass viele Kunden selbst von Mandeville abgeschrieben haben und glauben, dass dies so weitergehen kann.


    Aber auch herrschende Politik hat seinerzeit unter der Regierung des damaligen Kanzlers aus Hannover von Mandeville abgeschrieben. Damit fing zwar nicht alles an, doch mit dem Satz „Kein Deutscher hat das Recht auf Faulheit“ wurde der Ball in diese Richtung gespielt. Das führt dann dazu, dass Jeder abhängig Beschäftigte immer wieder seine Arbeitskraft anzubieten hat, egal zu welchen Bedingungen!


    Im laufe der letzten Jahre schossen Sicherheitsdienstleister wie Pilze aus dem Boden und viele von denen haben es nicht verdient, ein Gewerbe zu betreiben. Da wurden dann am „Küchentisch“ zahlreiche Unternehmen (Sicherheitsdienstleistungsunternehmen) gegründet. Man glaubte etwas rumtelefonieren zu können und Reich zu werden. Leider klappt das mitunter auch in der heutigen Zeit!


    Aus meiner Sicht sind das im Übrigen auch keine „schwarzen Scharfe“ mehr; der Begriff dafür müsste eigentlich neu erfunden werden! Es ist eine Katastrohe das Unternehmen, die ihr Know-how einsetzen und richtiges Personalmanagement betreiben von solchen „Unternehmern“ (wie durch den anhängig Beschäftigten beschrieben) ausgebootet werden.


    Und öffentliche und private Auftraggeber machen dieses Spiel mit!


    Hier der Artikel aus dem SpiegelOnline...


    Zusatz: Ich habe einen gravierenden Fehler in meinem Text berichtigt. Ich hatte bezüglich des Merkantilismus doch tatsächlich Adam Smith genannt. Das ist natürlich falsch und der User „Nemere“ hat mich auf diesen Fehler hingewiesen. Gemeint war natürlich Mandeville und nicht Smith! Vielen Dank an „Nemere“ für diesen Hinweis.

    Freundliche Grüße


    Moderator Doph_Zügota



    Gerechtigkeit herrscht, wenn es in einem Volk weder übermäßig Reiche noch übermäßig Arme gibt.


    Thales von Milet (um 625 - 545 v. Chr.), griechischer Philosoph und Mathematiker, einer der Sieben Weisen

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  • Quote

    Im laufe der letzten Jahre schossen Sicherheitsdienstleister wie Pilze aus dem Boden und viele von denen haben es nicht verdient, ein Gewerbe zu betreiben.


    Kein Wachgewerbe.


    Habe selbst mal bei einem Unternehmen gearbeitet, das ursprüglich der Reinigungsbranche entstammt u. dessen Betätigungsfelder immer noch schwerpunktmäßig dort liegen.
    Irgendwann kam man scheinbar auf die Idee, daß man mit Sicherheitsdienstleistungen auch Kohle machen könne.
    Dieselben "Funktionsträger" in dieser Putzfirma waren dann plötzlich auch Fachleute in Bezug auf SD.


    Entsprechend ging es auf dem Objekt zu, in dem ich eingesetzt war...


    Jedenfalls hatte ich vom ersten bis zum letzten Tag das Gefühl (und andere Kollegen wohl auch), daß die kleine "Sparte" Sicherheitsdienst im Unternehmen mit ihren wenigen Mitarbeitern sträflich vernachlässigt wurde. Das lief einfach nebenher so mit.


    Und dem Kunden gegenüber ist es eigentlich schon glatter Betrug, möchte ich behaupten!

  • Soll ich Deinem Text entnehmen, dass Du Adam Smith für einen Merkantilisten hältst?


    Pardon; ich meinte natürlich Mandeville. Ich war so vertieft, dass ich doch tatsächlich Adam Smith als Merkantilisten bezeichnet habe. Ich bitte dieses Versehen höflichst zu entschuldigen.


    Vielen Dank für den Hinweis!

    Freundliche Grüße


    Moderator Doph_Zügota



    Gerechtigkeit herrscht, wenn es in einem Volk weder übermäßig Reiche noch übermäßig Arme gibt.


    Thales von Milet (um 625 - 545 v. Chr.), griechischer Philosoph und Mathematiker, einer der Sieben Weisen

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