Fallbeispiel MSS

  • Kleine Frage:
    Aufgabe im Kurs MSS
    Ein LKW steht an einer abschüssigen Straße es besteht die Gefahr, dass er wegrollt und in ein Restaurant rast. Es sind außer Sachschäden auch mit Personenschäden zu rechnen. Eine anwesende Person sah diesen Vorgang und warf einen vorhandenen Roller unter den LKW um in zu stoppen. Kläre die Rechtslage?
    Meine Antwort war § 34 StGB leider falsch, da es §§ 228 BGB und 904 BGB sein muss.
    Meine zweite Antwort beim 904 bin ich ja zum Schadensersatz verpflichtet darum den § 34 STGB.
    Nun meine Unsicherheit was ist der Unterschied zwischen §§ 228 BGB, 904 BGB und § 34 STGB auf diesen Fall bezogen außer der Schadensersatz der beim §904 explizit drinsteht.
    Is vielleicht eine blöde Frage aber momentan hänge ich da :kotz:
    Danke für die Antworten. :pein:

  • Hallo Hunter,


    ich werde mal versuchen, dir die Sache etwas aufzuhellen.


    Der Unterschied


    Beim §34 StGB Rechtfertigender Notstand, geht der rechtswidrige Angriff von einem Menschen aus.
    Als Beispiel hier der " Einbrecher ", der gerade versucht, die Scheibe einzuschlagen,
    und du ihn davon abhältst.


    Quote

    §34 StGB Rechfertigender Notstand
    Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden.


    Beim 228 BGB Notstand geht der Angriff von einer Sache aus.
    Hier als Bsp. der LKW, der gerade die Straße runterrollt.


    Quote


    §228 BGB Notstand
    Wer eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, um eine durch sie drohende Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht widerrechtlich, wenn die Beschädigung oder die Zerstörung zur Abwendung der Gefahr erforderlich ist und der Schaden nicht außer Verhältnis zu der Gefahr steht. Hat der Handelnde die Gefahr verschuldet, so ist er zum Schadensersatz verpflichtet.




    §904 BGB Notstand sagt aus, das der Eigentümer, wenn er z.B. sieht, dass du gerade seinen Roller entwendest,
    dich nicht aufhalten darf, sonder dieses erdulden muss.
    Schadensersatzpflicht besteht dann immer vom Verursacher.


    Quote


    §904 BGB Notstand
    Der Eigentümer einer Sache ist nicht berechtigt, die Einwirkung eines anderen auf die Sache zu verbieten, wenn die Einwirkung zur Abwendung einer gegenwärtigen Gefahr notwendig und der drohende Schaden gegenüber dem aus der Einwirkung dem Eigentümer entstehenden Schaden unverhältnismäßig groß ist. Der Eigentümer kann Ersatz des ihm entstehenden Schadens verlangen.


    Der Paragraph ist eigentlich selbsterklärend. :eng:


    Da hier das Verursacherprinzip gilt, ist der Fahrer/Besitzer zum Schadensersatz verpflichtet, da der Ausführende mit Rechtfertigungsgründen entlastet wird.


    Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen.


    Gruß 2m02cm-Mann



    Ich glaube fest daran, dass die schönste Stunde eines jeden Mannes - die erfüllung all seiner Sehnsüchte... der Augenblick ist wenn er sich für eine Gute Sache ganz verausgabt hat und erschöpft auf dem Schlachtfeld liegt - als Sieger.
    Vince Lombardi (1913-1970)

  • Hei 2m02cm Mann,
    das war ja schon Perfekt, wie aus dem Lehrbuch oder schon anhand des weiteren Beispiel's der Schule.


    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen! :ok: , darauf :bier:

  • Denke wenn ein Angriff von einem Menschen aus geht dann ist es der § 32 Notwehr ? Bei der Notwehr wird auch die Sache geschützt nicht nur das Leben Leib usw.
    Hab mir eine Eselsbrücke so ausgedacht .Wenn ein Gefahr von einer nicht greifbaren Sache aus geht dann ist es der § 34 denn bei § 228 und § 904 brache immer eine Gefahr die von einer greifbaren Sache aus geht. Und der Schadensersatz drin ist. Oder liege ich da falsch? :pein:

  • an hunter


    ich versuche es mal kurz und knapp zu erklären


    Bei 228 BGB Verteidigungsnotstand auch defensiver Notstand genannt >wird auf die Sache(Gegenstand , Tier) eingwirkt , von der der die Gefahr ausgeht .



    Bei 904 BGB Angriffsnotstand auch aggresiver Notstand genannt > wird auf die Sache eingwirkt , von der KEINE Gefahr ausgeht , diese Einwirkung ist aber notwendig , um eine ANDERE Gefahr abzuwenden


    Notwehr 32 StGB/227 BGB > die Gefahr(Angriff) geht VON EINEM MENSCHEN aus und ALLE Rechtgüter sind geschützt wie z.b Leben , Freiheit EIGENTUM ;EHRE usw..



    ich hoffe ,ich konnte dir ein bißchen die unterschiede näher erläutern , ich sage nur SHAKA :ok: :ok:

    Eingebildet und Arrogant, trotzdem Charmant und Hochinteressant

  • noch was


    Bei 228 BGB > kein Schadenersatz , bei SELBSTVERSCHULDEN darfst du auf die Sache einwirken (beschädigen , zerstören )MUSS ABER DEN SCHADEN ERSETZEN



    Bein 904 BGB > der Eigentümer darf dich nicht daran hindern auf die Sache einzuwirken , aber er hat ein ANSPRUCH AUF SCHADENERSATZ ; du kannst es dir aber dann z.b oben genannten Beispiel von dem Lkw -Halter der vom LKW-Fahrer WIEDERHOLEN ,


    Bei BGB 227 Notwehr> schützt den Verteidiger vor zivilrechtlicher Anspüchen , wie z.b Schadenersatz , Schmerzensgeld



    hunter ich hoffe das ist jetzt klar oder ?

    Eingebildet und Arrogant, trotzdem Charmant und Hochinteressant

  • Hallo Jungs danke für die Antworten mal schaun ob ich sie umsetzen kann wird sich in der Schule schon rausstellen bei den Fallbeispielen :ok:

  • AN HUNTER
    Hunter falls du noch irgendwelche fragen hast , dann sag mir bescheid wir können im Chat dann zusammen üben ,
    kein Thema , denk dran wir sagen immer SHAKA :ok:

    Eingebildet und Arrogant, trotzdem Charmant und Hochinteressant

  • Quote from "hunter45"

    Hab mir eine Eselsbrücke so ausgedacht...


    Hi Wolfgang,


    ich kann den Ausführungen von Uli und totti nichts weiter hinzufügen. Aber grundsätzlich - lass' es lieber bleiben, Dir im Bereich Recht (egal welches Gebiet), irgendetwas "auszudenken" (auch keine Eselsbrücken). Dabei kann - wenn auch unbeabsichtigt - zuviel in die Hose gehen und Dich zusätzlich verwirren. Gesetzestexte sind Gesetzestexte, sie lassen sich wohl kommentieren, aber kaum interpretieren.


    Gruss, Andy.

  • Quote from "cujo"

    Gesetzestexte sind Gesetzestexte, sie lassen sich wohl kommentieren, aber kaum interpretieren.


    Habe das schon ganz anders gelesen.


    Quote

    jurispedia
    Gesetzesinterpretation oder Auslegung soll den maßgebenden Sinn eines Gesetzes im Namen der Wahrheit und Gerechtigkeit ermitteln. Diese Sinnermittlung ist in manchen Fällen schwierig, da Gesetze nicht jeden vorkommenden Praxisfall wortgetreu abbilden können. Der gute Jurist sollte zwar immer vom Wortlaut des Gesetzes (grammatikalische Auslegung) ausgehen, dann aber auch Sprach- und Rechtstraditionen (historische Auslegung), rechtssystematische Zusammenhänge (systematische Auslegung) und den eigentlichen Gesetzeszweck (teleologische Auslegung) bei seiner Urteilsfindung beachten.

  • Hi Siegfried,


    ich habe ja auch nicht gesagt, dass Gesetzestexte sich nicht interpretieren lassen, sondern nur kaum (vielleicht hätte ich "schwerlich" sagen sollen).


    Jurispedia sagt zudem, das der "gute Jurist" Gesetzestexte grammatikalisch, historisch, systematisch, teleologisch, ergänzend und einschränkend auslegen (interpretieren) sollte. Richtig - nur ihnen sollte das vorbehalten sein (egal ob Rechtsanwalt, Staatsanwalt oder Richter). Nur: sind wir Juristen?


    Ich bin der Meinung, dass wir als "kleine Lichter" der privaten Sicherheitsdienstleistungsbranche, die Finger vom Versuch der Gesetzestextinterpretation lassen sollten. Es führt einfach nur zu Verwirrungen...


    Gruss, cujo :zw: .