Rechtskunde - § 127 StPO vorläufige Festnahme Ja oder Nein

  • [center]§ 127 StPO (Strafprozessordnung)[/center]
    [center]vorläufige Festnahme[/center]


    (1) Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen. Die Feststellung der Identität einer Person durch die Staatsanwaltschaft oder die Beamten des Polizeidienstes bestimmt sich nach § 163b Abs. 1.


    (2) Die Staatsanwaltschaft und die Beamten des Polizeidienstes sind bei Gefahr im Verzug auch dann zur vorläufigen Festnahme befugt, wenn die Voraussetzungen eines Haftbefehls oder eines Unterbringungsbefehls vorliegen.


    (3) Ist eine Straftat nur auf Antrag verfolgbar, so ist die vorläufige Festnahme auch dann zulässig, wenn ein Antrag noch nicht gestellt ist. Dies gilt entsprechend, wenn eine Straftat nur mit Ermächtigung oder auf Strafverlangen verfolgbar ist.

  • Lieber MDA,


    eigentlich hast Du ja alles gesagt. Genauso stehts im deutschen Gesetz, welches jeder Sicherheitsmann, aber auch jede Privatperson (Jedermannsrecht) sich zu Herzen nehmen sollte. Gerne macht es sich die Polizei leicht und versucht den Sicherheitsmann wegen Freiheitsberaubung dranzubekommen. Hat die Polizei bei mir probiert, ist aber hinten runtergefallen.

  • Quote from "Auslobi"

    Hat die Polizei bei mir probiert, ist aber hinten runtergefallen.


    Mal wieder Räubergeschichtchen über Rechtsmissbrauch?


    Aber ja, es gibt auch Grenzen in der Jedermannsfestnahme nach Abs. 1 des 127 StPO.
    Im Gegensatz zur Notwehr gibt es hier nämlich so etwas wie Verhältnismäßigkeit.
    Wenn man da überreagiert, kann es eben auch mal Probleme mit der Polizei geben.


    Zudem sollte man dann auch noch wissen, daß die Polizei hier nix probiert, sondern lediglich ihre Pflicht erfüllt. Die haben nämlich etwas, das nennt sich "Strafverfolgungszwang". Die können und dürfen nicht wegsehen, wenn es den Verdacht auf eine Straftat gibt. Die müssen das bei der StA anzeigen (selbst wenn klare Rechtfertigungsgründe vorliegen, es ist nicht Aufgabe der Polizei, das zu prüfen). Nur die StA kann das Verfahren einstellen.

  • notwehr kennt zwar keine güterabwägung , aber verhältnismäßigkeit der mittel gibt es schon , und zwar das geeigneteste mittel soll eingesetzt werden , was den angreifer am wenigsten schädigt (verhältnismäßigkeit der mittel !)
    totti

    Eingebildet und Arrogant, trotzdem Charmant und Hochinteressant

  • Der §127 StPO besagt:


    Quote

    (1) Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen. Die Feststellung der Identität einer Person durch die Staatsanwaltschaft oder die Beamten des Polizeidienstes bestimmt sich nach § 163b Abs. 1.


    (2) Die Staatsanwaltschaft und die Beamten des Polizeidienstes sind bei Gefahr im Verzug auch dann zur vorläufigen Festnahme befugt, wenn die Voraussetzungen eines Haftbefehls oder eines Unterbringungsbefehls vorliegen.


    (3) Ist eine Straftat nur auf Antrag verfolgbar, so ist die vorläufige Festnahme auch dann zulässig, wenn ein Antrag noch nicht gestellt ist. Dies gilt entsprechend, wenn eine Straftat nur mit Ermächtigung oder auf Strafverlangen verfolgbar ist.


    Vorallem handeln sich meine Fragen um Absatz 1.


    Hierzu mal einige Beispiele:
    Max Meier, Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, wurde von der Stadt mit seinen Kollegen "angeheuert" um für Sicherheit auf dem Sommerfest zu sorgen. Je später der Abend, desto höher der Alkoholpegel - wie üblich. Max Meier und seine Kollegen werden zu einer Schlägerei mit ca. 10 Beteiligten gerufen. Einer der Beteiligten zog ein Messer und hat jemanden damit im Gesicht verletzt. Der Täter ist schon lange über alle berge, was Max Meier aber nicht weiß. Aus der Maße sticht jemand herraus, der sich auffällig nervös zeigt und ein wenig Blut auf seinem weißen T-Shirt hat. Aussagen von Zeugen passen weitgehend auf die Person. Wir erinnern uns: Der eigentliche Täter ist schon lange weg. Darf man ihn dann festnehemen oder macht man sich dann der Freiheitsberaubung schuldig?


    Zweites Beispiel, was sich hier bei uns mal wirklich so zugetragen hat - ich war sogar vor Gericht als Zeuge:


    Ein Opel-Club veranstaltet ein Opel-Treffen, abends gibt es eine Party wo jeder hingehen kann, der Lust hat. Drinnen fällt ein Mann auf, der viel getrunken hat und Streit sucht, vorallem mit Frauen. Nachdem sich mehrere frauen beim Sicherheitsdienst beschwert haben und der Mann nach einer direkten Ansprache und Verwarnung nicht aufhört, schmeißen sie ihn aus dem Zelt. Direkt vor dem Zelt steht ein Bierwagen, wo er jetzt seinen frust mit drei weitere Halbe runterspült. Auch hier fängt er jetzt an Stress zu machen, woraufhin der Sicherheitsdienst ihn jetzt komplett vom für dieses treffen gepachteten Platz schmeißt. pöbelnd zieht edr Mann von dannen und setzt sich sturzbetrunken ins ein Auto. Nach ca. 15 min. sieht man, wie ein Auto auf das Festzelt zuhält und keine Versuchungen macht, abzubremsen oder einen anderen Weg einzuschlagen. Mit irgendwas bei (schätzungsweise) 3 Promille kann er sein gefährt nicht mehr richtig manövrieren und kanllte volle Kanne gegen den Bierwagen. Dieser fällt halbwegs zusammen und mehrere Leute sind verletzt, zwei sogar schwer. Der Sicherheitsdienst will sofort zu dem Wagen rennen, dieser setzt aber in den Rückwärtsgang und versucht mits einem Schrotten Auto zu flüchten. das Auto nicht mehr richtig, aber es fuhr imerhin noch schnell, das die Securitys schon ordentlich sprinten mussten. Drei Securitys rennen dem Fahrer hinterher, weitere fünf kümmern sich um die Verletzten, bis der Rettungsdienst und die Polizei da ist.Die Securitys, die die Verfolgung aufgenommen haben, konnten den Fahrer nacher zu Füß über Felder verfolgen, da er den schrotten Wagen kurz nachdem er auf der straße war, stehen ließ und zu Fuß (versuchte) zu flüchten. Die Securitys legten ihn Einmalhandfesseln um, schleiften ihn über das feld zum platz, wo dann auch endlich mal die polizei eintraf und übergaben ihn der polizei.


    Meine Frage nun....rein rechtlich betrachtet lässt der Paragraph einen ja viel Interpretationsspielraum:


    Darf ich als Sicherheitsdienst jemanden handschellen/-fesseln umlegen oder ihn nur festhalten (ohne Fesselung), einsperren etc.pp. bis die Polizei kommt? wenn ja, darf ich auch bis zum eintreffen der Polizei an einen baum fesseln oder an einer laterne, wenn er sich sehr stark wehrt und versucht abzuhauen?


    Weiteres Beispiel:
    Johann Johannsen war vor einer Woche auf der Homepage des BKA´s. Dort hat er sich die Seiten der zur Fahndung ausgeschriebenen gesuchten straftäter angesehen. In seiner Stammkneipe entdeckt er dann den wegen eines Raubmords gesuchten Ali Youssef ibn-Hanjan al Moussab. Als dieser aufs Klo geht, beschließt Johann ihn zu folgen und nimmt sich seine Freunde Bernhard und Knut zur unterstützung mit. Nichtsahnend geht Ali dem Ruf der Natur nach, als Johann and friends ihn zu Boden reißen, fesseln, ins Auto schleppen und zur nächsten polizeidienststelle bringen. Wäre das erlaubt? Wenn ja, wäre das ja schon fast eine Art Kopfgeldjagd.


    Extremeres beispiel:
    Miroslav Wlotkowski war auch auf der Seite des BKA´s. Dort sah er durch zufall das Bild des wegen dreifachen Mordes gesuchten Heinzi Nothdurft-Hintergruber. In der Disco erkent Miro den Heinzi dann wieder. Als dieser gehen will und sich seine jacke holen will, verfolgt Miro ihn, bewaffnet mit einen Aschenbecher aus Mamor und schlägt ihn damit K.O.! Miro liebt das Abendteuer und hat deswegen zufälligerweise Handschellen in behördenqualität dabei. Damit fesselt er ihn, schleift ihn aus die Disco und weil er bemerkt, das Heinzi langsam wieder wach wird, kettet er ihn an eine laterne fest um zu verhindern, das er, der als Marathonläufer schon so einige Erfolge verbuchen konnte, versucht abzuhauen. Nachdem er ihn an der laterne angebunden hat, ruft er die Polizei, die nach deren eintrefen dann den rettungsdienst hinzuruft, da Heinzi eine ziemlich große Platzwunde am hinterkopf hat. Gerechtfertigtes vorgehen im Sinne des jedermann-Rechts oder Straftatbestände der Freiheitsberaubung und gefährlicher/schwerer Körperverletzung?


    In dem Paragraph steht ja nichts über die Art und Weise wie jemand festzunehmen ist. Deswegen kann ich, meinetwegen als beruflicher Kartonöffner bei Aldi, sojemanden handschellen anlegen, dann zur polizeidienststelle fahren oder irgendwo anbinden und die poliezi rufen, damit er nicht stiften geht?


    Ich hoffe auf eine rege Diskusion :no:

  • Der §127 StPO besagt:


    Quote

    (1) Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen. Die Feststellung der Identität einer Person durch die Staatsanwaltschaft oder die Beamten des Polizeidienstes bestimmt sich nach § 163b Abs. 1.


    (2) Die Staatsanwaltschaft und die Beamten des Polizeidienstes sind bei Gefahr im Verzug auch dann zur vorläufigen Festnahme befugt, wenn die Voraussetzungen eines Haftbefehls oder eines Unterbringungsbefehls vorliegen.


    (3) Ist eine Straftat nur auf Antrag verfolgbar, so ist die vorläufige Festnahme auch dann zulässig, wenn ein Antrag noch nicht gestellt ist. Dies gilt entsprechend, wenn eine Straftat nur mit Ermächtigung oder auf Strafverlangen verfolgbar ist.




    Hierzu mal einige Beispiele:
    Max Meier, Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, wurde von der Stadt mit seinen Kollegen "angeheuert" um für Sicherheit auf dem Sommerfest zu sorgen. Je später der Abend, desto höher der Alkoholpegel - wie üblich. Max Meier und seine Kollegen werden zu einer Schlägerei mit ca. 10 Beteiligten gerufen. Einer der Beteiligten zog ein Messer und hat jemanden damit im Gesicht verletzt. Der Täter ist schon lange über alle berge, was Max Meier aber nicht weiß. Aus der Maße sticht jemand herraus, der sich auffällig nervös zeigt und ein wenig Blut auf seinem weißen T-Shirt hat. Aussagen von Zeugen passen weitgehend auf die Person. Wir erinnern uns: Der eigentliche Täter ist schon lange weg. Darf man ihn dann festnehemen oder macht man sich dann der Freiheitsberaubung schuldig?


    Hier kann ein Festhalten erfolgen, bis die Polizei vor Ort ist. Hier kann nicht klar erkannt werden, ob es sich nicht tatsächlich um den Täter handelt.
    Da Fluchtgefahr besteht, wird der Mann nach dem Personalausweis gefragt, sollte er diesen nicht dabei haben,
    besteht bis zur Idenditätsfeststellung nach den Jedermannsrechten das Recht des Festhaltens.

    Zweites Beispiel, was sich hier bei uns mal wirklich so zugetragen hat - ich war sogar vor Gericht als Zeuge:


    Ein Opel-Club veranstaltet ein Opel-Treffen, abends gibt es eine Party wo jeder hingehen kann, der Lust hat. Drinnen fällt ein Mann auf, der viel getrunken hat und Streit sucht, vorallem mit Frauen. Nachdem sich mehrere frauen beim Sicherheitsdienst beschwert haben und der Mann nach einer direkten Ansprache und Verwarnung nicht aufhört, schmeißen sie ihn aus dem Zelt. Direkt vor dem Zelt steht ein Bierwagen, wo er jetzt seinen frust mit drei weitere Halbe runterspült. Auch hier fängt er jetzt an Stress zu machen, woraufhin der Sicherheitsdienst ihn jetzt komplett vom für dieses treffen gepachteten Platz schmeißt. pöbelnd zieht edr Mann von dannen und setzt sich sturzbetrunken ins ein Auto. Nach ca. 15 min. sieht man, wie ein Auto auf das Festzelt zuhält und keine Versuchungen macht, abzubremsen oder einen anderen Weg einzuschlagen. Mit irgendwas bei (schätzungsweise) 3 Promille kann er sein gefährt nicht mehr richtig manövrieren und kanllte volle Kanne gegen den Bierwagen. Dieser fällt halbwegs zusammen und mehrere Leute sind verletzt, zwei sogar schwer. Der Sicherheitsdienst will sofort zu dem Wagen rennen, dieser setzt aber in den Rückwärtsgang und versucht mits einem Schrotten Auto zu flüchten. das Auto nicht mehr richtig, aber es fuhr imerhin noch schnell, das die Securitys schon ordentlich sprinten mussten. Drei Securitys rennen dem Fahrer hinterher, weitere fünf kümmern sich um die Verletzten, bis der Rettungsdienst und die Polizei da ist.Die Securitys, die die Verfolgung aufgenommen haben, konnten den Fahrer nacher zu Füß über Felder verfolgen, da er den schrotten Wagen kurz nachdem er auf der straße war, stehen ließ und zu Fuß (versuchte) zu flüchten. Die Securitys legten ihn Einmalhandfesseln um, schleiften ihn über das feld zum platz, wo dann auch endlich mal die polizei eintraf und übergaben ihn der polizei.


    Meine Frage nun....rein rechtlich betrachtet lässt der Paragraph einen ja viel Interpretationsspielraum:


    Darf ich als Sicherheitsdienst jemanden handschellen/-fesseln umlegen oder ihn nur festhalten (ohne Fesselung), einsperren etc.pp. bis die Polizei kommt? wenn ja, darf ich auch bis zum eintreffen der Polizei an einen baum fesseln oder an einer laterne, wenn er sich sehr stark wehrt und versucht abzuhauen?


    Hier kann/muss man davon ausgehen, dass der Beschuldigte versuchen wird, zu Flüchten.
    Dies hat sein beschriebnes Verhalten gezeigt.
    Hier kann der Mann zum Schutz der anderen Personen an einen Mast/Baum gefesselt werden, oder in einen geschlossenen Raum, der es ermöglicht, den Mann ständig zu beobachten.
    Es muss immer jemand zur Aufsicht abgestellt werden, da hier Führsorgepflicht seitens der Person besteht, die ihn Festhält/Festnimmt.


    Weiteres Beispiel:
    Johann Johannsen war vor einer Woche auf der Homepage des BKA´s. Dort hat er sich die Seiten der zur Fahndung ausgeschriebenen gesuchten straftäter angesehen. In seiner Stammkneipe entdeckt er dann den wegen eines Raubmords gesuchten Ali Youssef ibn-Hanjan al Moussab. Als dieser aufs Klo geht, beschließt Johann ihn zu folgen und nimmt sich seine Freunde Bernhard und Knut zur unterstützung mit. Nichtsahnend geht Ali dem Ruf der Natur nach, als Johann and friends ihn zu Boden reißen, fesseln, ins Auto schleppen und zur nächsten polizeidienststelle bringen. Wäre das erlaubt? Wenn ja, wäre das ja schon fast eine Art Kopfgeldjagd.


    Wie im Ersten Satz beschrieben, wurde der Mann nicht auf frischter Tat angetroffen. Hier besteht kein Anrecht auf die Vorläufige Festnahme.
    Einzig die Meldung bei der Polizei mit dem Hinweis, dass sich ein gesuchter Straftäter der BKA Liste dort befindet, sollte erfolgen und eine weitere Beobachtung ausreichen.
    Im Normalfall sollte die Polizei binnen weniger Minuten vor Ort sein.


    Extremeres beispiel:
    Miroslav Wlotkowski war auch auf der Seite des BKA´s. Dort sah er durch zufall das Bild des wegen dreifachen Mordes gesuchten Heinzi Nothdurft-Hintergruber. In der Disco erkent Miro den Heinzi dann wieder. Als dieser gehen will und sich seine jacke holen will, verfolgt Miro ihn, bewaffnet mit einen Aschenbecher aus Mamor und schlägt ihn damit K.O.! Miro liebt das Abendteuer und hat deswegen zufälligerweise Handschellen in behördenqualität dabei. Damit fesselt er ihn, schleift ihn aus die Disco und weil er bemerkt, das Heinzi langsam wieder wach wird, kettet er ihn an eine laterne fest um zu verhindern, das er, der als Marathonläufer schon so einige Erfolge verbuchen konnte, versucht abzuhauen. Nachdem er ihn an der laterne angebunden hat, ruft er die Polizei, die nach deren eintrefen dann den rettungsdienst hinzuruft, da Heinzi eine ziemlich große Platzwunde am hinterkopf hat. Gerechtfertigtes vorgehen im Sinne des jedermann-Rechts oder Straftatbestände der Freiheitsberaubung und gefährlicher/schwerer Körperverletzung?


    Absolut überzogen und nicht zu Rechtfertigen. Hier nochmals der Verweis auf Absatz 1.
    Hier wäre die Verhältnismäßigkeit der Mittel nicht gegeben.
    Auf reine Mutmaßung jemanden zu Überwältigen, der vielleicht nicht diejenige Person ist, ist nicht angebrach
    .


    In dem Paragraph steht ja nichts über die Art und Weise wie jemand festzunehmen ist. Deswegen kann ich, meinetwegen als beruflicher Kartonöffner bei Aldi, sojemanden handschellen anlegen, dann zur polizeidienststelle fahren oder irgendwo anbinden und die poliezi rufen, damit er nicht stiften geht?


    Hier ist immer zu bedenken, dass man hier immer von Verhältnismäßigkeit der Mittel Spricht, also nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.
    Man sollte immer überlegen, ob dieses anbringen von Handschellen/Kabelbinder im Verhältnis steht.
    Sollte der Personalausweis nach einer Strafbaren Handlung herausgegeben werden, muss der Mann/die Frau wieder frei gelassen werden.
    Eine sofortige Meldung ist dann an die Polizei weiterzugeben und wird dann von dieser Verfolgt.


    Gruß 2m02cm-Mann




    Ich hoffe auf eine rege Diskusion :no:



    Ich glaube fest daran, dass die schönste Stunde eines jeden Mannes - die erfüllung all seiner Sehnsüchte... der Augenblick ist wenn er sich für eine Gute Sache ganz verausgabt hat und erschöpft auf dem Schlachtfeld liegt - als Sieger.
    Vince Lombardi (1913-1970)

  • Quote

    Hier kann ein Festhalten erfolgen, bis die Polizei vor Ort ist. Hier kann nicht klar erkannt werden, ob es sich nicht tatsächlich um den Täter handelt.


    So? Hast Du oder irgend jemand den Herrn im durchbluteten T-Shirt auf frischer Tat gestellt oder verfolgt? Dass er eventuell der Flucht verdächtig ist, sagt alleine gar nichts aus. Eines der beiden anderen Merkmale muß zwangsläufig auch zutreffen, um ihn vorläufig fest zu nehmen.

  • Ohne jetzt auf alle Fragen bis ins kleinste zu beantworten:


    Wenn man den Täter nicht auf frischer Tat erwischt oder verfolgt hat, scheidet die Jedermannsfestnahme nach Absatz 1 des §127 StPO aus. Das ist eine zwingende Voraussetzung.



    Eine Person, die auf der Fahndungsliste der Polizei steht und irgendwo erkannt wird, darf auch nicht von Jedermann festgenommen werden. Es gibt dazu keinerlei Rechtsgrundlage.
    Notruf wählen, Sachverhalt schildern. Vielleicht noch unauffällig verfolgen und der Polizei die aktuellen Standorte mitteilen, so daß eine Festnahme durch die Polizei erfolgen kann.



    Das Thema Handfesseln ist auch immer wieder beliebt. Hier kann es unter Umständen bei Gebrauch durch Privatleute (zu denen ein Sicherheitsmitarbeiter gehört) zu strafbaren Handlungen kommen, die durch keine Rechtsgrundlage gedeckt ist.
    Hier gilt also ein besonderes Augenmerk!

  • Das mit den Handschellen finde ich jedoch übertreiben. Wenn jemand total abdreht und um sich haut, mich oder andere massivst gefährdet und vieleicht so odr unter Pfeffersprayeinsatz etc.pp. nicht ruhig zu stellen ist, reiße ich ihn zu Boden und fessel ihn.


    Schonmal jemanden gesehen der aggressiv war, Pfefferspray abgekriegt hat und dann so dermaßen ausgerastet ist, das er durch massive Holztüren geht, geschmiedete Gitter von der Wand reißt oder selbst mit fünf Leuten nicht mehr zu halten ist? ;-) Ich ahbe sowas mal gesehen und auch selber mal ähnliches erlebt, von daher weiß ich, was für eine enorme Kraft hinter nicht mehr kontrollierbaren Aggressionen steckt - kann schon fast unmenschlichh sein. Einige Drogenabhängige mutieren auf ´nen Trip auch zu "Übermenschen" und selbst die abgemagertsten Strichmännchen werden zum Tier. Wenn man denn an solche Leute ran kommt, ist es wirklich das beste, sie zu fesseln. Ich weiß nicht wies bei euch ist, aber wnen man hier die Polizei ruft, dauert es ewig bis diee kommen. Meistens sind die erst da, wenn alles schon gewesen ist und die Täter über alle Berge sind. Das längste was ich mal auf Polizisten gewartet habe, war fast eine Stunde und da ging es auch nicht um eine lapalie.


    Naja, die meisten Polzisten haben eh mehr Angst als alles andere.

  • Eigene Erfahrungen und Beobachtungen.


    Ich kann heute noch da drüber lachen, wie ein Polizist mir hektisch mein Pfefferspray vom Gürtel riss. Ich war grade dabei im Kofferraum den verbandskasten zu suchen und als ich mich nach vorne beugte, sahen die das. Es bestand keine Gefahr und trotzdem war der typ richtig hektisch. Wenn ich mir schon wegen solchen Sachen wie Pfefferspray ins Hemd mache, bin ich in diesen Beruf falsch. Wenn man mit einem Messer vor der Polizei steht udn die dich icht alleine unter Kontrolle kriegen, kommt schon fast ein sondereinsatzkommando, zumindest aber eine Handvoll weiterer Polizisten. In vielen anderen Ländern gehen Polizisten sogar alleine/einzelnd auf Streife und das auch in Ländern, wo die Kiminalität sehr viel höher ist als hier. Da geht auch ein Polizist mal aleine auf zwei oder drei aufmüpfige Leute los - hier nicht. Vor sowas habe ich Respekt, alles andere belächel ich nur.


    Aber das ist ja nicht das thema, also tief durchatmen und weiter im Tet....äm Thema :cool:

  • Quote from "Rex_Noire"

    Wenn man mit einem Messer vor der Polizei steht udn die dich icht alleine unter Kontrolle kriegen, kommt schon fast ein sondereinsatzkommando, zumindest aber eine Handvoll weiterer Polizisten.


    Andere Variante: Es kommt kein Spezialeinsatzkommando (so heißt das wirklich, und nicht "Sonder-") und keine Handvoll weiterer Polizisten.
    Dafür kommt eine Handvoll Kügelchen, im Durchmesser 9mm, mit einer Geschwindigkeit von ca. 350 Meter pro Sekunde auf dich zugeflogen.
    Und zwar genau dann, wenn du nicht genau das tust, was die Herren und Damen Polizisten vor dir sagen.


    Quote from "Rex_Noire"

    In vielen anderen Ländern gehen Polizisten sogar alleine/einzelnd auf Streife und das auch in Ländern, wo die Kiminalität sehr viel höher ist als hier. Da geht auch ein Polizist mal aleine auf zwei oder drei aufmüpfige Leute los - hier nicht. Vor sowas habe ich Respekt, alles andere belächel ich nur.


    Dann solltest du dich auch mal bei denen umhören. Ich kenne da ein paar aus den USA. Die IPA macht so was möglich.
    Die machen das nicht freiwillig. Es fehlt denen schlicht an Personal. Auch alles eine Kostenfrage. Diejenigen, die alleine auf Streife müssen beneiden ihre Kollegen in den Städten, die zu zweit fahren (nebenbei, das NYPD fährt grundsätzlich nicht mehr alleine - warum nur?).

  • Im Gegensatz zu dir habe ich auch vor einem Polizisten Respekt, nicht nur weil er Polizist ist, sondern weil er ein Mensch ist.
    Hätte dich vielleicht öfter vor Ärger bewahrt.


    Ich kenne mich ja bei/mit der Polizei nicht so genau aus, denke aber, dass sie auch auf Eigensicherung bedacht sind, es vielleicht sogar müssen.
    Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um, und wer stirbt schon gern?
    Wenn eine Messer schwingende Person vor ihm steht, warum sollte er sich nicht kollegialer Hilfe versichern?
    Und hierzulande sind nun einmal die Polizisten selten allein unterwegs, die einzigen die mir so einfallen wären die Kontaktbeamten. (heißen die so)?

  • Quote from "Franz"

    So? Hast Du oder irgend jemand den Herrn im durchbluteten T-Shirt auf frischer Tat gestellt oder verfolgt? Dass er eventuell der Flucht verdächtig ist, sagt alleine gar nichts aus. Eines der beiden anderen Merkmale muß zwangsläufig auch zutreffen, um ihn vorläufig fest zu nehmen.

    0



    Hallo Franz,


    wie ich aus dem Text herausgelesen habe, war der Mann nervös, hat sich auffällig benommen und ist von mehreren Leuten
    als evtl. Täter bestätigt worden.0
    Hier kann ein festhalten grundsätzlich erfolgen, bis der Sachverhalt von einer Polizeistreife geklärt wird.


    Da er sich zu diesem Zeitpunkt in/ an diesem Pulk befunden hat, kann man davon ausgehen, dass er auf frischer Tat angetroffen wurde.
    Kann mir nicht vorstellen, dass derjenige seit neuestem blutverschmierte T-Shirts durch die Gegend trägt.


    Hierbei handelt es sich zunächst um eine angenommene/erzählte Tat, bei dem niemand dabei war.
    Natürlich könnte man hier vom 100stel ins 1000stel gehen. Ist hier aber nicht nötig.


    Gruß 2m02cm-Mann



    Ich glaube fest daran, dass die schönste Stunde eines jeden Mannes - die erfüllung all seiner Sehnsüchte... der Augenblick ist wenn er sich für eine Gute Sache ganz verausgabt hat und erschöpft auf dem Schlachtfeld liegt - als Sieger.
    Vince Lombardi (1913-1970)

  • Hallo 2m02cm-Mann !


    Werde mal meine Auffassung zu dem Punkt darstellen:


    Ich könnte mir vorstellen, dass Du mit dieser Rechtsauffassung ganz gehörige Probleme bekommen könntest. Aber ist ja Dein Anwalt, der das dann ordnen muß und nicht meiner.


    Es sind vier Merkmale benannt, von denen aus meiner Sicht auch nicht Eines in Erwägung gezogen werden kann.
    Es bleibt überig:


    Quote

    Wird jemand auf frischer Tat betroffen


    entfällt, er wurde nicht auf frischer Tat betroffen


    Quote

    oder verfolgt


    entfällt, er wurde ja auch nicht verfolgt, er hielt sich ja noch am Tatort auf.


    Quote

    wenn er der Flucht verdächtig ist


    Ist jemand, der sich am Tatort aufhält, der Flucht verdächtig? Ich denke nicht. Dieser, wie auch der letzte Punkt, werden sowieso erst relevant, wenn einer der ersten Beiden definitiv zutreffen:


    Quote

    oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann


    Der Versuch der Identitätsfeststellung wurde ja nach dem geschilderten Vorfall nicht einmal unternommen.


    Ich könnte mir vorstellen, dass Du da riesige Probleme bekommen würdest, wenn Du in der geschilderten Situation z.B. mich vorläufig festnehmen würdest

  • Hallo Deputy,


    hier eine schwierige Konstellation, wäre mir da einfach nicht sicher.
    Leider ist das festhalten oder zumindest davon abhalten, dass er weglaufen würde, schon Problematisch.
    Hier wie gesagt sei noch erwähnt, dass mehrere Personen den Mann mit dem blutverschmierten T-Shirt als Täter erkannt haben.


    Hier das volle Programm mit Handschellen und zu Boden ringen wäre hier nicht angebracht,
    aber das erfragen der Personalien wäre hier durchaus denkbar und nachvollziehbar.
    Schlußendlich würde ich in diesem Fall die Polizei heranziehen, wenn sie nicht schon vor Ort ist.


    Gruß 2m02cm-Mann



    Ich glaube fest daran, dass die schönste Stunde eines jeden Mannes - die erfüllung all seiner Sehnsüchte... der Augenblick ist wenn er sich für eine Gute Sache ganz verausgabt hat und erschöpft auf dem Schlachtfeld liegt - als Sieger.
    Vince Lombardi (1913-1970)

  • Quote from "2m02cm-Mann"

    hier eine schwierige Konstellation, wäre mir da einfach nicht sicher.
    Leider ist das festhalten oder zumindest davon abhalten, dass er weglaufen würde, schon Problematisch.
    Hier wie gesagt sei noch erwähnt, dass mehrere Personen den Mann mit dem blutverschmierten T-Shirt als Täter erkannt haben.


    Nein, der sich verdächtig benehmende Mann wurde nicht von mehreren Personen als Täter erkannt. Lediglich die Beschreibung könnte passen.
    Hier nochmal die Fallbeschreibung:

    Quote

    Einer der Beteiligten zog ein Messer und hat jemanden damit im Gesicht verletzt. Der Täter ist schon lange über alle berge, was Max Meier aber nicht weiß. Aus der Maße sticht jemand herraus, der sich auffällig nervös zeigt und ein wenig Blut auf seinem weißen T-Shirt hat. Aussagen von Zeugen passen weitgehend auf die Person. Wir erinnern uns: Der eigentliche Täter ist schon lange weg. Darf man ihn dann festnehemen oder macht man sich dann der Freiheitsberaubung schuldig?


    Auf die Frage "darf man ihn dann festnehmen oder nicht" bleibt hier nur die eine Antwort:


    Nein, man darf nicht.


    Hier wäre man auf keinen Fall durch den §127 (1) StPO gedeckt, da niemand den Mann mit dem blutverschmierten Shirt auf frischer Tat betroffen oder verfolgt haben kann. Der eigentliche Täter ist ja schon weg.
    Als Security-Mitarbeiter sollte man sich in derartigen Situationen auch auf keinen Fall auf "Hörensagen" verlassen, sondern nur dann jemanden festnehmen wenn man ihn selbst auch mit eigenen Augen "auf frischer Tat betroffen oder verfolgt" hat.




    Quote from "2m02cm-Mann"

    Hier das volle Programm mit Handschellen und zu Boden ringen wäre hier nicht angebracht,
    aber das erfragen der Personalien wäre hier durchaus denkbar und nachvollziehbar.
    Schlußendlich würde ich in diesem Fall die Polizei heranziehen, wenn sie nicht schon vor Ort ist.


    Und was machst du, wenn der Typ frecherweise (dennoch rechtmäßig) sagt "du kannst mich mal, von mir bekommst du keine Personalien", sich abwendet und aufmacht zu gehen?
    Polizei noch nicht vor Ort, die wurde gerade erst gerufen...

  • Quote from "haifisch"

    Und was machst du, wenn der Typ frecherweise (dennoch rechtmäßig) sagt "du kannst mich mal, von mir bekommst du keine Personalien", sich abwendet und aufmacht zu gehen?
    Polizei noch nicht vor Ort, die wurde gerade erst gerufen...


    dann makst du krasse kickbokss...:))))

  • Hallo Haifisch,


    wie ich schon geschrieben habe, könnt man nach den Personalien fragen,
    mehr aber auch nicht.
    Hier noch das heranziehen der Polizei, wenn sie dann da ist.
    Ich gebe dir Recht, wenn du sagst, Tatbestandsmerkmale sind nicht alle zutreffend.


    Hatte dies mit dem flüchtenden Täter leider nicht mehr im Kopf, als ich den Beitrag geschrieben habe.
    Da muss ich mein Argument zurückziehen.
    Bin froh, dass man hier immer wieder auf diesem Niveau disskutieren kann,
    da man solche Situationen nicht jeden Tag hat.
    Werde mir die genannten Beispiele nochmals genau durchlesen und dann nochmals die Antworten damit vergleichen.


    Bedanke mich.


    Gruß 2m02cm-Mann


    PS: Kickboxtricks, ich weiß net, bin ich zu unbeweglich :zw:



    Ich glaube fest daran, dass die schönste Stunde eines jeden Mannes - die erfüllung all seiner Sehnsüchte... der Augenblick ist wenn er sich für eine Gute Sache ganz verausgabt hat und erschöpft auf dem Schlachtfeld liegt - als Sieger.
    Vince Lombardi (1913-1970)