Deutschlands Gold Fort Knox am Main

Zu der folgenden kleinen Geschichte werden dem ein oder anderen zwei Stichworte einfallen: Fort Knox und der große Postzugraub im England des Jahres 1963. Zwar geht es weder direkt um die berühmte Lagerstätte amerikanischer Goldreserven in Kentucky noch um den sagenumwobenen Überfall auf einen Postzug der britischen Royal Mail bei Ledburn in der Grafschaft Buckinghamshire, bei dem Anfang der sechziger Jahre umgerechnet rund fünfzig Millionen Euro erbeutet wurden. Indirekt aber schon. Denn zu berichten ist über die Sicherheit des Goldschatzes der Bundesrepublik Deutschland und seine Rückkehr aus dem Ausland.


Deutschland besitzt nach den Vereinigten Staaten die größten Goldreserven der Welt, etwa 3400 Tonnen, was ungefähr 270.000 Barren oder knapp 110 Millionen Feinunzen sind. Ein Wert von deutlich über 120 Milliarden Euro. Derzeit liegt nur etwa ein Drittel davon auf deutschem Boden, und zwar bei der Bundesbank in Frankfurt.


Doch auch das will gut bewacht sein. Wer nun glaubt, das Sichern des deutschen Goldes sei seit jeher eine Angelegenheit der Polizei, der irrt. Vielmehr kümmert sich ein privates Unternehmen, der Pond Security Service, um die Bundesbank und das Gold.


Damit soll jetzt Schluss sein. Als Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) kürzlich den Haushaltsentwurf 2015 für sein Ressort vorstellte, wartete er mit einem interessanten Detail auf. Die Bundespolizei bekommt mehr als 400 neue Stellen.


Das ist jedoch noch nicht das Entscheidende, denn die Truppe, die unter anderem für die Sicherheit auf Flughäfen, in Zügen und bei Fußballspielen zuständig ist, kämpft schon lange für mehr Personal. Doch mehr als die Hälfte der Posten ist für eine vollkommen neue Aufgabe vorgesehen. 206 Stellen sind der Bundespolizei für die Sicherung der Bundesbank zugesprochen worden – einschließlich ihres Goldschatzes.


Die Beteiligten halten sich bedeckt, was die Gründe für den Wechsel der Wachmannschaft angeht. Die Firma Pond will sich gar nicht äußern. Dem Vernehmen nach gab es keinen Anlass zur Klage über die Arbeit des privaten Sicherheitsdienstes.


Rücktransport des deutschen Goldes
Die Bundespolizei teilt lediglich mit, dass sie damit einer Bitte des Bundesinnenministeriums entspricht, die neue Aufgabe zu übernehmen. Jedenfalls wurde das Sicherheitskonzept der Bank im Zuge des neuen „Lagerstellenkonzeptes“ überprüft.


Das sieht vor, dass ein Gutteil des deutschen Goldes aus dem Ausland zurückgeholt wird. Manche Politiker fordern das schon lange, gerade diejenigen, die im Zusammenhang mit der Krise im Euroland um die Sicherheit des deutschen Geldes besorgt sind. Die eurokritische AfD hat sogar einen eigenen Goldhandel aufgemacht, allerdings in erster Linie, um mehr staatliche Zuwendung zu bekommen.


Der Transport hat schon begonnen, allerdings nur in kleinem Umfang. Die 35.000 Barren, die in London liegen, sollen dort bleiben. Die 45 Prozent der deutschen Reserven, die in New York gebunkert sind, werden auf 37 Prozent verringert. Knapp 30.000 Barren aus Paris werden komplett an den Main geholt. Bis zum Ende des Jahres 2020 soll dann die Hälfte der deutschen Goldreserven in Frankfurt lagern.


Der Grund für die Unterbringung eines großen Teils des Goldschatzes im Ausland stammte noch aus der Zeit des Kalten Krieges. Nicht nur, dass man das Edelmetall im Fall eines abermaligen Krieges auf deutschem Boden an einem sicheren Ort wissen wollte.


Auch sollte (und soll) für den Krisenfall die Möglichkeit bestehen, das Gold in eine Fremdwährung einzutauschen. Für New York und London gilt das Argument noch, seit in Deutschland und Frankreich mit dem Euro bezahlt wird, entfällt es jedoch für Paris.


Wo sich die Goldmenge in Frankfurt so deutlich erhöht, hält es die Politik für angemessen, diejenigen mit der Bewachung zu betrauen, die das Recht haben, hoheitliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen, falls gefordert. Welche das im einzelnen sind und was eine Privatfirma nicht leisten kann, wird nicht verraten.


Grüne kritisieren Bewachung durch Polizei
Die Grünen finden es „unverständlich“, dass nicht alles bleibt wie bisher. „Flüchtlingsheime werden von privaten Sicherheitsdiensten bewacht. Da muss man schon die Frage stellen, ob die Sicherheit der Bundesbank als wertvolleres Gut betrachtet wird“, kritisiert Irene Mihalic, Innenpolitikerin der Grünen im Bundestag.


Jedenfalls dürften der Bundespolizei keinerlei finanzielle und organisatorische Zusatzlasten entstehen, verlangt sie. Immerhin wird die Bundesbank die Kosten für die 206 Stellen der Bundespolizei übernehmen.


Diese hat mit den Vorbereitungen auf die neue Aufgabe schon begonnen. Ob dazu auch die Sicherung der Rückholaktionen aus New York und Paris gehört, bleibt ein weiteres Geheimnis. Überhaupt berichtet die Bundesbank immer erst im Jahr nach einem Transport, dass er stattgefunden hat. Soll keiner denken, er könne einen Postzug überfallen.

Comments 4

  • Hoffentlich ist das Gold überhaupt noch dort!!!

  • eher die schnauze voll von der privatisierung

  • Ein seltener Fall von Insourcing: http://de.wikipedia.org/wiki/Insourcing

  • Da hat wohl jemand Angst das Gold kommt weg wenn der Staat es nicht sichert!!