18-Jähriger wird nach Leichenfund in Erfurt Haftrichter vorgeführt

Der Mann soll am Montagnachmittag dem Haftrichter vorgeführt werden. Es wird von einem vorsätzlichen Verbrechen ausgegangen. Der Richter entscheidet, ob der Mann in Untersuchungshaft kommt.


Das Gästehaus am Südpark musste am Sonntag nach dem Verbrechen abgesperrt werden. Staatsanwaltschaft und Kripo ermitteln in der "Alten Parteischule". Die Obduktion des Opfers wird in der Jenaer Rechtsmedizin vorgenommen. Ein Tatverdächtiger wurde am Sonntag festgenommen.


Wegen eines Tötungsverbrechens musste die Polizei am Sonntag um 8.30 Uhr die "Alte Parteischule" in der Werner-Seelenbinder-Straße in Erfurt absperren.


Ein Wachmann hatte zur Ablösung seinen Kollegen nicht kontaktieren und finden können. Der 63-Jährige lag tot im Gebäude.


"Dass mit dem Wachmann kann ich so nicht bestätigen", sagte Hannes Grünseisen, der als Sprecher der Staatsanwaltschaft mit am Tatort war. "Aber: Es ist auch nicht falsch."


Die Ermittlungen übernahmen die Kriminalinspektion Erfurt und die Tatortgruppe des Landeskriminalamtes. Auch die Rechtsmediziner aus Jena waren gekommen. Die Obduktion des Opfers sollte noch am Sonntag stattfinden. Es wird von einem vorsätzlichen Tötungsverbrechen ausgegangen, sagte Hannes Grünseisen. Ein Tatverdächtiger wurde gestern bereits festgenommen. Ob er aus dem Umfeld des Hauses stammt, war nicht bekannt.


Die ehemalige Bezirksparteischule der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) war 1972 in Betrieb genommen und 1989 geschlossen worden. Im Volksmund hieß sie das "Rote Kloster", aufgrund der Abgeschlossenheit des Geländes, das alle Bedingungen für Schulung wie Freizeit bot.


Der als DDR-Denkmal anerkannte Gebäudekomplex wurde 2011 an einen Investor verkauft. Die 260 Appartements im Stil der 1970er-Jahre können lang- wie kurzfristig gemietet werden, dienen auch als Gästehaus. Im April wohnte hier die Delegation aus der Partnerstadt Lille.


Es können Tagungs- und Schulungsräume genutzt werden. Und da die Inneneinrichtung im DDR-Stil erhalten wurde, ist die "Alte Parteischule" mehrfach als Filmkulisse genutzt worden, unter anderem für "Sushi in Suhl".


Die Rezeption im Haus ist rund um die Uhr besetzt. Von dort informierte ein Mitarbeiter des Empfangs Sonntagmorgen die Polizei über den nicht zur Übergabe erschienenen Kollegen. Nun werden Hausgäste und Veranstaltungsbesucher zum Teil einer Mordermittlung.


Tötungsverbrechen in Erfurt in den vergangenen Jahren


Oktober 1995: Ein 26-jähriger Bordellbesitzer in Erfurt wird beim sogenannten Rotlicht-Mord erschossen.


April 2002: Ein Amokläufer erschießt am Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen: zwölf Lehrer, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten.


Ostern 2004: Mit 40 Fußtritten töten eine Mutter und ihre Lebensgefährte genervt den kleinen Jonny-Lee.


November 2006: Als Liegestuhl-Mord wurde die Tötung einer 25-Jährigen in Erfurtbekannt, die an den schweren Verletzungen durch Vergewaltigung und Folter starb.


Weihnachten 2006: Am Roten Berg tötete eine Mutter ihren fünfjährigen Marvin nach einem Ehestreit.


Juni 2007: Ein Zusteller der Thüringer Allgemeine wird auf seiner morgendlichen Tour getötet.


April 2007: In einer Tiefkühltruhe in der Tschaikowskistraße werden die Leichen zweier getöteter Babys von ihrem 15-jährigen Bruder gefunden.


November 2012: Am Erfurter Güterbahnhof wurde ein 50-jähriger Obdachloser tot in einem Kabelschacht gefunden. Er wurde gewaltsam getötet, angeklagt wegen gewaltsamer Tötung wurde ein anderer Obdachloser in Tateinheit mit einem zweiten Verdächtigen.


29. Juni 2014: Sonntagmorgen wurde auf dem Gelände der "Alten Parteischule", Werner-Seelenbinder-Straße, ein Mann tot aufgefunden. Ein Verdächtiger sei vorläufig festgenommen.

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