Mindestlohn in Deutschland: Das sind die Gewinner und Verlierer

Bis 2017 wird es eine Übergangszeit geben, für die die Tarifpartner (Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände) auch Stundenlöhne unter 8,50 Euro für die jeweiligen Branchen vereinbaren können. So liegen die tariflichen Mindestlöhne in Niedriglohnbranchen wie Wach und Sicherheitsgewerbe, Wäschereidienstleistungen oder Friseure derzeit bei 7,50 Euro. Auch in der Systemgastronomie liegen die Tarifverträge derzeit nur knapp drüber.


Ab 2017 soll der Mindestlohn für alle Arbeitnehmern gelten. Allerdings wird es auch hier Ausnahmen geben.


Mindestlohn: Ausnahmen für Praktikanten, Jugendliche und Langzeitarbeitslose


Praktikanten: Freiwillige Praktika während Ausbildung und Studium zur Berufsfindung dürfen drei Monate dauern, ohne dass ein Mindestlohn anfällt. Ursprünglich waren sechs Wochen vorgesehen. Auch Pflicht-Praktika im Rahmen von Schule, Ausbildung oder Studium bleiben Mindestlohn-frei. Wer nach Ausbildung und Studium ein Praktikum anfängt, hat dagegen Anspruch auf den Mindestlohn.


Jugendliche: Der Mindestlohn gilt nicht für Jugendliche unter 18 Jahren. Ein Grund ist das Jugendarbeitsschutzgesetz.


Lehrlinge: Keinen Anspruch auf den Mindestlohn haben auch Auszubildende sowie Ehrenamtliche.


Langzeitarbeitslose: Wer mehr als zwölf Monate arbeitslos war, soll in den ersten sechs Monaten des neuen Jobs nicht unter den Mindestlohn fallen. Derzeit gibt es rund eine Million Langzeitarbeitslose. Zuletzt fanden bis zu 180.000 aus eigener Kraft und ohne Zuschüsse einen Job im ersten Arbeitsmarkt.


Saisonarbeiter: Saisonarbeiter, wie etwa Erntehelfer, sollen ab dem nächsten Jahr prinzipiell den Mindestlohn gezahlt bekommen. Allerdings ist eine Dienstanweisung geplant, wonach die Landwirte Kosten für Kost und Logis davon abziehen dürfen. Die Jobs für die Saisonkräfte sollen zudem 70 statt wie ursprünglich geplant 50 Arbeitstage sozialabgabenfrei sein.


Zeitungsausträger: Den Zeitungsverlagen soll die Umsetzung des Mindestlohns erleichtert werden, indem sie 8,50 Euro erst ab dem 1. Januar 2017 an ihre etwa 160.000 Zusteller zahlen müssen. 2015 dürfen sie nach bisherigem Stand der Verhandlungen den Mindestlohn etwa um 25 und 2016 um 15 Prozent unterschreiten. Ursprünglich sollten die Verlage für fünf Jahre geringere Sozialabgaben für Minijobber entrichten, womit sie deutlich günstiger gefahren wären. Diese ursprünglich von Arbeitsministerin Andrea Nahles mit den Verlegern ausgehandelte Regelung wurde in der Koalition jedoch verworfen.


Selbständige und Freiberufler
Jeder Mensch soll von seiner Arbeit leben können, lautet das Leitmotiv für den Mindestlohn. Darunter fallen aber nicht die Menschen, die als Selbständige oder Freiberufler ihr Auskommen verdienen. Laut einer Untersuchung des Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) haben 25 Prozent aller 4,4 Millionen Selbständigen in Deutschland Stundenlöhne von weniger als 8,50 Euro. Das betrifft eine bunte Mischung, darunter viele Friseure, Kioskbesitzer, Wirte, Betreiber kleiner Läden und Pflegekräfte, aber auch Anwälte, freischaffende Künstler oder Dozenten. Bekannt sind auch die Fälle von Paketzustellern, die als Sub-Sub-Sub-Unternehmer für große Konzerne Pakete ausfahren und noch nicht einmal auf 6 Euro die Stunde kommen.


Lies mehr über Mindestlohn in Deutschland: Das sind die Gewinner und Verlierer - RTL.de bei http://www.rtl.de

Comments 6

  • Wird zwangsläufig im Crash und Krieg enden...Die Geschichte macht es vor und sie wiederholt sich. Menschen sind die intelligentesten Wesen auf der Erde...sagt man. Ich halte den Menschen für das dümmste Lebewesen auf der Erde, eines welches seine Triebe nach Macht und Gier nicht unter Kontrolle hat. Und das endet immer in Gewalt...

  • Dann stelle ich mal die Frage: Wie es ein weiteres Wachstum geben soll? Das Wachstum, was wir in der Bundesrepublik Deutschland erzielt haben, wurde ausschließlich durch Lohndrückerei und in den Krisenjahren zudem, durch Kreditfinanzierung erzielt. Schaut man sich die Wachstumsraten vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2012 an, dann wird das schnell deutlich: Jahr 2000 (+3,1%), 2001 (+1,5%), 2002 (0,0%), 2003 (-0,4%), 2004 (+1,2%), 2005 (+0,7%), 2006 (+3,7%), 2007 (+3,3%), 2008 (1,1%), 2009 (-5,1%), 2010 (+4,2%), 2011 (+3,0%), 2012 (+0,7%); (Quelle: Statistisches Bundesamt, Herbstgutachten 2012). Da der Aufholprozess aus Kreditfinanzierung abgeschlossen ist und Politik jetzt genau das Falsche macht, nämlich keine Neuverschuldung mehr zuzulassen, wird nur noch Lohndrückerei für die Unternehmen bleiben.

  • man wird sich wohl bald darauf einstellen, dass praktikanten und langzeitarbeitslose verstärkt die arbeit machen. diese 8,50 sind trotzdem ein lacher....

  • Natürlich haben sie Ökonomie verstanden. In unserer Konsumgesellschaft geht es immer nur um Wirtschaftswachstum. Jeder Teil unserer Gesellschaft ist darauf ausgelegt. Man gaukelt uns vor, dass es uns gut geht, wenn es der Wirtschaft gut geht. Nur einigen Leuten geht das mittlerweile gegen den Strich, dass immer nur die Wirtschaft gefördert wird und der kleine Mann nichts vom Kuchen abbekommt, weshalb man nun das Konstrukt "Mindestlohn" auf den Weg bringt. Vorausgesetzt, der Arbeitgeber hält sich an das Arbeitszeitgesetz komm ich da bei 172h/Monat auf knapp 1400€ BRUTTO raus. Das sind für den Single 1077€ Netto. Rechnet man jetzt eine adäquate Wohnung hinzu (50m², 1 Zimmer, 450€), dann sieht man deutlich, dass dieser Mindestlohn ein Scherz ist. Es soll dem Bürger zeigen, dass sich die Politik doch für den kleinen Mann interessiert. Nichts als Augenwischerei.

  • Ein Gesetz dass mehr Ausnahmen als Regeln vorsieht! Mal wieder einen Herzlichen Dank an die Kompetenz unserer Regierung.

  • Dieser Mindestlohn ist ein Armmutslohn! Und wenn man dann doch die Inflationsrate berücksichtigt, dann kann man dieser „Neoliberalen Regierung, den Unternehmerverbänden und den Gewerkschaften“ nur die Note „SECHS“ geben. Diese verantwortlichen Menschen haben nicht einmal Spurenelemente der Ökonomie verstanden!