Wallraff stellt Hamburger Sicherheitsdienst an den Pranger

Köln/Hamburg. Diese Reportage könnte auch für Hamburg Zündstoff bergen: Für die letzte Folge seines RTL-Formats "Reporter Undercover" nahm Enthüllungsjournalist Günter Wallraff unter anderem einen Hamburger Sicherheitsdienst unter die Lupe.


In der am Montag ausgestrahlten Sendung zeigte der 71-Jährige mit Hilfe seines Teams angebliche Missstände bei der Firma Weko auf. Der in Sülldorf ansässige Sicherheitsdienst ist in Hamburg mit der Betreuung der zentralen Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Groß-Borstel beauftragt.


Für seine Recherchen drehte RTL mit versteckter Kamera in der Einrichtung an der Sportallee. Dabei wurde ein mitunter schroffer Umgang der Sicherheitskräfte mit den Flüchtlingen augenscheinlich.


Ein Mitarbeiter gab an, dass sich eine linke Gesinnung in den meisten Fällen nach wenigen Tagen im Einsatz in eine rechte Einstellung umwandeln würde. Wallraff selbst wertete das Verhalten als "massive Fremdenfeindlichkeit".


Die Reportage sparte auch eindeutige Drohungen nicht aus. So kündigte ein Security-Mitarbeiter an, was er tun würde, wenn ein Asyl-Suchender sich den Anweisungen widersetzen sollte: "Dann gibt es sofort im Rahmen der Notwehr auf die Fresse."


Mitschuld an der Aggressivität einiger Sicherheitsleute trügen laut Wallraff auch die Vorgesetzten, die teilweise großen Druck auf ihre Angestellten ausübten. Ein Undercover-Reporter durfte im Rahmen der Dreharbeiten noch nicht einmal ohne Abmeldung auf die Toilette, dazu existierten sogenannte "Abschusslisten" für die Mitarbeiter.


Letztlich müssten sich auch die Sicherheitskräfte selbst für einen Stundenlohn von 8,50 Euro und 270 zum Teil 270 Arbeitsstunden im Monat schikanieren lassen. "Da sind Opfer mit Opfern zusammen", fasste Wallraff die Situation in dem Hamburger Flüchtlingsheim zusammen. Weko bestritt die Vorwürfe in einer Stellungnahme.


In der dritten und vorerst letzten Folge von "Team Wallraff – Reporter Undercover" beleuchtete das RTL-Team außerdem Sicherheitsdienste auf dem Oktoberfest in München sowie eine Geld- und Werttransportfirma in Berlin.


Mit 3,81 Millionen Zuschauern erreichte das Format einen Marktanteil von 12,7 Prozent und die drittbeste Einschaltquote am Montag. In den ersten beiden Folgen hatte Wallraff mit Undercover-Reportagen über Burger King und Pflegeeinrichtungen für Aufsehen gesorgt.

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