DB Sicherheit: Wandelndes Auskunftsbüro

Bei der Einfahrt in den Bahnhof Bad Cannstatt hat Nicole T. aus den Augenwinkeln heraus die Situation sofort erfasst. Eine Frau mittleren Alters steht im abgesperrten Bereich des Bahnsteigs und telefoniert. "Das stört mich", sagt Nicole T. Sie verlässt mit ihrem Kollegen Maik H. die S-Bahn und versucht der Frau klar zu machen, dass sie sich an dieser Stelle nicht aufhalten darf. Die Frau spricht kein Deutsch, doch als Maik H. auf das Verbotsschild deutet, kommt sie der Bitte nach.


Nicole T. (26) und Maik H. (33) - ihre vollen Namen wollen sie lieber nicht in der Zeitung lesen - gehören dem unternehmenseigenen Sicherheits- und Ordnungsdienst der Deutschen Bahn (DB) an. Stationiert in Stuttgart, gehen sie seit drei Jahren gemeinsam auf Streife. Immer in Uniform, bestehend aus einer dunkelblauen Multifunktionshose, einer Strickjacke und einer Schirmmütze.


Seit sechs Uhr sind die beiden unterwegs - da beginnt die Tagschicht. An diesem Vormittag haben Nicole T. und Maik H. vor, mit der S-Bahn Richtung Waiblingen zu fahren. Sie gehen von der Halle des Hauptbahnhofs in Richtung S-Bahn-Station, kommen aber nur langsam voran. Denn immer wieder sprechen Passanten die beiden Sicherheitsangestellten an. Ein Mann mit Aktentasche fragt nach einer Straße in der City, ein anderer mit Trolley nach dem Bahnsteig, an dem sein Zug abfährt.


Das sind die beiden auch - ein wandelndes Auskunftsbüro. "Das machen wir gern", sagt Nicole T., "es ist schön, wenn wir Infos geben können." Ihr Chef Ralf Philipp, Leiter Produktion Baden-Württemberg der DB, sagt: "Wenn wir das nicht machten, wären wir fehl am Platz." Philipp zeigt auf das DB-Logo der beiden Sicherheitsangestellten. Kunden unterscheiden nicht zwischen Fahr- und Sicherheitspersonal und erwarten einfach, dass ihnen geholfen wird.
Doch Hauptaufgabe der Beschäftigten ist, für die Sicherheit der Fahrgäste zu sorgen. Die Bahn sagt zwar, dass der Aufenthalt an Bahnhöfen und in den Zügen sicherer sei als der Aufenthalt im übrigen öffentlichen Raum. Doch viele Menschen haben, gerade nachts, an Bahnhöfen ein mulmiges Gefühl. Manche fühlen sich beruhigt, wenn Amtspersonen in der Nähe sind. Dabei haben die DB-eigenen Sicherheitskräfte keine Polizeibefugnisse. Aber ihre Uniform und ihr bestimmtes Auftreten verleihen ihnen Autorität. "Sehr oft erhalten wir allein durch unsere Präsenz ein positives Feedback von den Fahrgästen", sagt Nicole T.


Sie und ihre Kollegen mischen sich ein, wenn sich Fahrgäste ungebührlich verhalten, gar andere Passagiere belästigen. Sie setzen die Hausordnung der Bahn durch. Beispielsweise sorgen sie dafür, dass in den Zügen nicht gebettelt und nicht laut musiziert wird. Oder dass die Fahrgäste in den Abteilen und an den Bahnsteigen das Rauchverbot einhalten.


Am Bahnhof Waiblingen ertappt Maik H. tatsächlich zwei Bahnwerker, wie sie, angelehnt an ihren Pritschenwagen, eine Zigarette schmauchen. Der Sicherheitsmann verbannt sie auf den Raucherplatz und sagt hinterher: "Da bin ich schon etwas strenger geworden. Weil sie als DB-Mitarbeiter wissen, dass sie das nicht dürfen."


Über Polizeibefugnisse verfügen die DB-eigenen Sicherheitskräfte zwar nicht. Aber sie können wie jeder Bürger einen möglichen Straftäter festhalten, bis Beamte der Bundespolizei oder der Landespolizei kommen. Für solche Zwecke verfügen Nicole T. und Maik H. über Handschließen. Er habe sie bisher zwei Mal benötigt, sagt der Sicherheitsmann. Das eine Mal nach einem Angriff auf sich selbst, das andere Mal, als ein Fahrgast ohne Ticket dem Kontrolleur einen Faustschlag verpasste.
Zum Selbstschutz haben die Sicherheitskräfte einen Einsatzstock und eine Spraydose. Als "Ultima Ratio", sagt Ralf Philipp. Nicole T. hat Stock und Dose nie gebraucht.

Comments 0