Private Sicherheitsdienste wachen am See

Welche privaten Sicherheitsdienste gibt es in der Region und was tun sie hier?


Jacken mit Abzeichen, Funkgerät und auch mal eine schicke Sonnenbrille - so sind auch am Bodensee Mitarbeiter privater Sicherheitsdienste zu erkennen. Ein gutes Dutzend kleinerer und größerer Anbieter gibt es hier. Dazu kommen landesweit tätige Unternehmen wie der größte deutsche Anbieter „Securitas“. Das Arbeitsfeld der Branche ist sehr vielseitig: Auf den klassischen Disko-Türsteher haben sich mittlerweile einige Anbieter spezialisiert. Daneben sichern Firmen wie das Häfler Unternehmen BSG oft Großveranstaltungen ab - zum Beispiel die Oberschwabenschau, das Seenachtsfest Konstanz oder die Auftritte von Revolverheld oder Lionel Richie in der Region. Dazu kommen Wach- und Schließdienste für Unternehmen, Kaufhausdetektive und Türsteher, Personenschützer, Geldtransporte und vereinzelt Streifendienste - zum Beispiel zur Überwachung öffentlicher Uferbereiche - um Ruhestörungen und Vandalismus zu verhindern.


Was dürfen private Sicherheitsleute - und was nicht?


„Der Sicherheitsdienst hat die Rechte, die jedermann hat. Das fängt an bei der Notwehr und endet bei der vorläufigen Festnahme“, sagt Nermin Ramic, Geschäftsführer von BSG Security in Friedrichshafen. Im Klartext bedeutet das: Nur unter ganz engen Voraussetzungen dürfen private Sicherheitsdienste körperliche Gewalt anwenden, etwa um Menschen nach einer Straftat an der Flucht zu hindern oder um sie festzuhalten, bis die Polizei eintrifft. Waffengebrauch, echte Festnahmen und weiteres sind dagegen ausschließlich der Polizei vorbehalten, die in Deutschland das sogenannte Gewaltmonopol hält. Doch meist sind die Sicherheitsdienste vor Ort, um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Ramic: „Ein Sicherheitsmann darf kein aggressiver Mensch sein. Die Arbeitsweise muss deeskalierend sein.“ Statt Bomberjacke, verschränkter Arme und bösem Blick müssten Sicherheitsleute heute versuchen, Auseinandersetzungen zu entschärfen. „Es heißt nicht: Rechter Oberarm, linker Oberarm. Psychologie ist viel wichtiger. Wer bei uns aggressiv gegenüber irgendeinem Gast sein sollte, der hat die längste Zeit hier gearbeitet“, sagt Ramic weiter und ergänzt: „Wenn ich zuschlage habe ich verloren. Ich darf nämlich nicht zuschlagen.“


Wer arbeitet bei den Sicherheitsdiensten?


Im Prinzip kann jedermann einen Sicherheitsdienst eröffnen. Vorgeschrieben ist mindestens eine Ausbildung von 40 Mal 45 Minuten. Etablierte Sicherheitsdienste fordern darüber hinaus eine nicht vorgeschriebene Sachkundeprüfung von ihrem Personal. Dennoch sagen Kritiker, dass die Ausbildungsmaßstäbe der Branche zu schwach sind.


Woher hat die Branche ihr schlechtes Image?


Schlechte Bezahlung, unkundiges Personal und zahlreiche Zwischenfälle - unlängst bei Übergriffen auf Asylbewerber in Nordrhein-Westfalen - haben die Sicherheitsbranche in Verruf gebracht. Noch heute gibt es schwarze Schafe unter den ungezählten Unternehmen - aber auch solche, die Wert auf gute Ausbildung und Professionalisierung legen. „Beim Konzert sind die Sicherheitsleute das erste was Sie sehen und das letzte, was Sie sehen, wenn Sie gehen“, sagt Nermin Ramic. Da sei kein Platz für verwahrloste Gestalten.


Was hält die hiesige Polizei von privaten Sicherheitsdiensten?


„Die Zusammenarbeit gestaltet sich überwiegend problemlos. Negativbeispiele, bei denen Kompetenzen überschritten wurden oder die Arbeit der Polizei erschwert wurde, sind nicht bekannt“, sagt Markus Sauter, Sprecher der Polizeidirektion in Konstanz zum Verhältnis von Polizei und Sicherheitsdiensten. Den Einsatz der Männer und Frauen in Schwarz bei Veranstaltungen, im Objektschutz oder als Türsteher sieht sie unkrititsch. Sicherheitsstreifen in privater Hand sieht die Polizei aber „grundsätzlich kritisch“. Auch eine engere Kooperation kann sie sich nicht vorstellen. Die Polizei räumt aber mit Blick auf Großveranstaltungen ein: „Dort erfolgt eine durchaus erkennbare Entlastung der Polizei.“


Warum wächst der Markt der Sicherheitsdienstleistungen ?


„Der Mensch neigt dazu, sich abzusichern. Das sichere Gefühl gibt einem ein Sicherheitsdienst“, sagt BSG-Chef Nermin Ramic. Doch neben der Gefühlslage der Bürger dürften auch zunehmende Einbruchszahlen in der Region und verschärfte gesetzliche Bestimmungen, die für zahlreiche Veranstaltungen Sicherheitsdienste erfordern, der Branche einen lang anhaltenden Aufwind bescheren.

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