• Düsseldorf. Désirée Werner (23) ist angehende Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Sie patrouilliert durch Züge und Bahnhöfe und greift in brenzligen Situationen ein und darf sogar Platzverweise erteilen.
    Der Betrieb Die Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit ist wie das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, DB Sicherheit, noch sehr jung. "Der Beruf ist vor zehn Jahren aus einer Notwendigkeit heraus entstanden, damit sich der Reisende sicher fühlt", sagt Ausbildungskoordinatorin Gabriele Glienke. Inzwischen sind rund 3700 Mitarbeiter bei der DB Sicherheit beschäftigt, darunter auch Désirée Werner, die im zweiten Lehrjahr ist. Mit ihren Kollegen patrouilliert sie durch Bahnhöfe und Züge, außerdem überwacht die DB Sicherheit Abstellanlagen, "und in München übernehmen wir sogar Personenschutz", sagt Glienke. Der Unterschied zur Bundespolizei, die ebenfalls in Bahnhöfen eingesetzt ist, ist die Rechtslage. "Die Bundespolizei darf zum Beispiel Personen durchsuchen und vernehmen. Fachkräfte für Schutz und Sicherheit dagegen haben Jedermannsrechte", sagt die Ausbildungskoordinatorin. Heißt: Mitarbeiter der DB Sicherheit dürfen Platzverweise erteilen, Personen festnehmen und diese an die Polizei übergeben.

    Die Bewerbung Mindestens einen sehr guten Hauptschulabschluss erwartet Gabriele Glienke von den Bewerbern und gute Deutschnoten. "Schließlich werden sie sich in der Ausbildung häufig mit Rechtstexten beschäftigen", sagt sie. Es gebe aber auch Kandidaten, die sich mit einem Abitur bewerben. Zum Einstellungstest gehört auch ein Besuch beim Bahnarzt. "Unsere Mitarbeiter dürfen keine Rot-Grün-Sehschwäche haben", sagt Glienke. Außerdem erwartet die Ausbilderin ein gewisses Maß an Persönlichkeit und Durchsetzungskraft. "Wir stellen keine Minderjährigen ein, wegen der Gefahr."

    Désirée Werner ist durch eine Freundin auf die Ausbildung aufmerksam geworden. "Ich bin irgendwie der Kümmerertyp", sagt sie. Außerdem wollte sie schon immer im Bereich Schutz arbeiten.

    Die Ausbildung Bevor die 23-Jährige in ihrer Uniform einen Bahnhof von innen gesehen hat, musste sie erst einmal eine Sachkundeprüfung ablegen. Themen wie Recht, Verhalten in Konfliktsituationen, Unfallverhütung und Sicherheitstechnik wurden abgefragt. "Danach haben wir an einem Selbstbehauptungstraining teilgenommen und mussten einen Erste-Hilfe-Kurs belegen", sagt Werner.

    Im ersten Lehrjahr laufen die angehenden Fachkräfte für Schutz und Sicherheit mit einem Team mit. "Damit wir lernen, Situationen richtig einzuschätzen", sagt Werner. Wenn sie selbst mal eingegriffen hat, dann nur in Absprache mit ihren Kollegen. Inzwischen übernimmt die 23-Jährige selbst Verantwortung, ist sogar im Schichtdienst eingesetzt. Die meiste Zeit verbringt Désirée Werner am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Dort hat sie täglich mit Betrunkenen zu tun. "Viele kennen wir schon, da reicht meistens schon ein Kopfnicken, damit sie den Bahnhof verlassen." Sollte eine Situation mal außer Kontrolle geraten, ist Werner vorbereitet. Handschellen, Pfefferspray und einen Einsatzstock trägt sie immer bei sich. "Zum Glück musste ich den aber noch nie benutzen", sagt Désirée Werner.

    Die Berufsschule In der Schule werden angehende Fachkräfte für Schutz und Sicherheit vor allem im Fach Recht unterrichtet. "Es gibt aber auch betrieblichen Unterricht", sagt Gabriele Glienke. Dort lernen die Azubis konzeptionelles Denken: "Wie sie zum Beispiel einen Bahnhof evakuieren - und in welchen Sprachen."

    Die Zukunft Weil Désirée Werner ein Fachabitur mitgebracht hat und ihre Noten stimmen, kann sie ihre Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen. Bewerbungen schreiben muss die 23-Jährige nach ihrem Abschluss nicht. "Wir geben bei einem guten Abschluss eine Übernahmegarantie", sagt Glienke. Außerdem unterstützt DB Sicherheit Weiterbildungsmaßnahmen. "Man kann den Meister machen oder den Techniker. Inzwischen gibt es auch ein Studium im Sicherheitswesen", sagt sie. In welchen Bereich Désirée Werner nach der Ausbildung gehen will, das weiß sie noch nicht. "Ich könnte mir alles vorstellen."

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