• Die Staatsanwaltschaft Köln, Bereich Wirtschaftskriminalität, ermittelt gegen das in Hürth ansässige Sicherheitsunternehmen BSS. Zwei leitende Mitarbeiter sind bei einer Durchsuchung der Firmenräume in Hürth-Kalscheuren vor etwa einer Woche festgenommen worden. Sie sollen Flugtickets nach Mexiko für eine Urlaubsreise gehabt haben.
    Am vergangenen Samstag wollten sie ins Flugzeug steigen. Dazu kam es nicht mehr. Die Männer sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Für kommenden Mittwoch soll ein Haftprüfungstermin anberaumt sein.

    Den leitenden Mitarbeitern wird Bestechung, Steuerhinterziehung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt vorgeworfen. Staatsanwalt Dr. René Seppi bestätigt auf Anfrage dieser Zeitung die Durchsuchung sowie die Festnahme zweier Personen.

    Aufträge in Flüchtlingsheimen

    Offenbar gibt es auch einen Zusammenhang zu der Durchsuchung vor neun Tagen im Frechener Rathaus. Da wurde das Büro eines Mitarbeiters sowie dessen Privatwohnung unter die Lupe genommen. Der städtische Mitarbeiter steht unter Verdacht, Schmiergeld angenommen zu haben – offenbar von BSS oder von einem Mitarbeiter des Unternehmens. Dabei soll es um die Vergabe von Aufträgen in Flüchtlingsunterkünften gehen.

    Seppi: „Gegen den Mitarbeiter der Stadt Frechen besteht ein Anfangsverdacht, Bargeldzahlungen von einem Unternehmen im Zusammenhang mit der Vergabe von Aufträgen angenommen zu haben.“ Nicht bestätigen wollte der Staatsanwalt, dass dabei mehrere Tausend Euro geflossen sein sollen.

    Ein Auftrag für den Objektschutz eines Flüchtlingsheimes gilt in der Branche als sehr lukrativ. Dabei werden meist Jahresverträge abgeschlossen. Ein Insider: „Bei einer Rundumbewachung von 24 Stunden mit zwei Personen kommen im Jahr schnell zwischen 360 000 und 380 000 Euro zusammen. Da sind 4000 bis 5000 Euro »Vermittlungsprovision« schon mal drin.“

    In Frechen bewachte BSS mindestens zwei Flüchtlingsunterkünfte. Ob derzeit noch eine Geschäftsbeziehung zum Unternehmen besteht, war gestern in der Stadtverwaltung nicht in Erfahrung zu bringen.

    Hart umkämpfter Markt

    Der Bereich Sicherheitsdienste in ein hart umkämpfter Markt. Die großen Firmen arbeiten in der Regel mit einer Vielzahl von kleinen Subunternehmen, die fünf, sechs oder auch mehr Leute beschäftigen, zusammen. „Jeder will dabei mitverdienen – der erste Auftragnehmer, der Subunternehmer. Von etwa 20 Euro Stundenlohn bleibt für den Mitarbeiter mal gerade die Hälfte übrig“, berichtet ein Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte und selbst als Subunternehmer tätig ist. Er vermutet, dass jetzt BSS viele Aufträge verliert und der Kuchen neu verteilt wird.Nico Siefen, Projektmanager bei BSS, gestern zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft auf Anfrage: „Wir sagen derzeit nichts – kein Kommentar.“

    BSS war dieses Jahr auch im Kölner Karneval aktiv. Seit Jahren würden deren Sicherheitskräfte an den Aufstellflächen des Rosenmontagszugs und als Wagen-Begleiter eingesetzt, so Michael Kramp vom Festkomitee-Vorstand. In diesem Jahr seien 60 bis 70 BSS-Kräfte im Einsatz gewesen. Auch die Willi-Ostermann-Gesellschaft, zuständig für die Sessionseröffnung auf dem Heumarkt, beauftragte 2016 und 2017 die Firma BSS. „Die Mitarbeiter haben sich um Straßensperren gekümmert“, so Präsident Ralf Schlegelmilch, der von einer Geschäftsbeziehung spricht, „die in unserem Fall funktioniert hat“. Die aktuellen Ermittlungen wollte er nicht kommentieren. Laut eigenem Internetauftritt sorgte BSS auch bei TV-Produktionen für Sicherheit.

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