• Er ist suspendiert, weil er in einem Streit Pfefferspray eingesetzt haben soll. Das Spray gilt als Waffe und ist im Bad verboten.
    Norderstedt. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes im Arriba-Bad griff zu Pfefferspray, um den Streit zu schlichten – nun ermittelt die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung, und der Mitarbeiter wurde von Dienst suspendiert. "Pfefferspray gilt als Waffe, und Waffen dürfen nicht mitgenommen werden ins Schwimmbad", sagte Oliver Weiß, Sprecher der Stadtwerke, die für den Betrieb des Bades zuständig sind. Die Suspendierung gilt zunächst für die Zeit der Ermittlungen.

    Der für die Sicherheit mitverantwortliche Beschäftigte des Sicherheitsdienstes Hauschildt & Blunck hatte das Pfefferspray eingesetzt, um einen Streit zu schlichten. Wie berichtet, stieg eine 34 Jahre alte Ägypterin, die mit einer Jeans bekleidet war, ins Kinderbecken. Sie wurde aufgefordert, Badekleidung anzuziehen oder das Becken zu verlassen. Der 31-jährige Mann der Frau mischt sich ein, zwei befreundete Familien und weitere Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes kamen hinzu, es kam zu Handgreiflichkeiten. Laut Polizei wurden mehrere Personen durch Pfefferspray verletzt.

    Der Sicherheitsdienst gab trotz mehrfacher Nachfrage bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme ab. Mit dem aktuellen Vorfall ist das Arriba-Bad erneut in die Schlagzeilen geraten. Erst vor drei Wochen hatten ein 14-Jähriger und ein 34-Jähriger am Ende der Wildwasserrutsche zwei Mädchen sexuell missbraucht. Die Verantwortlichen des Schwimmbades reagierten, sie wollten die Sicherheit im Bad durch weitere Maßnahmen erhöhen. "Das Sicherheitspersonal wurde durch drei Mann aufgestockt", sagte Stadtwerke-Sprecher Weiß. Wie viele Sicherheitskräfte im Arriba-Bad im Einsatz sind, will er nicht verraten. Allerdings wird ein Teil des Sicherheitspersonals in Badekleidung unterwegs sein. Potenzielle Täter sollen weder wissen, mit wie vielen Sicherheitsmitarbeitern sie es zu tun haben, noch sollen sie sie erkennen. "Die Badegäste sollen im Hinterkopf haben, dass jederzeit jemand vom Sicherheitspersonal neben ihnen sein kann", sagt Weiß.

    Auch die Zahl der Kameras soll von jetzt 48 erhöht werden. Diese Absicht ist allerdings noch nicht realisiert worden. "Wir prüfen zurzeit weitere Kamera-Standorte, danach wird sich auch die Zahl der zusätzlichen Kameras richten", sagt der Stadtwerke-Sprecher. Weitgehend Wirklichkeit geworden seien schon die Piktogramme, die zusätzlich zu den Texten die Badbesucher drauf hinweisen, wie sie sich zu verhalten haben, beispielsweise die durchgestrichene Hand, die das Angrapsch-Verbot symbolisiert.

    Verabschiedet haben sich die Badbetreiber von getrennten Rutschzeiten für Männer, Frauen und Kinder. Diese Maßnahme hatte die Stadt für die Wildwasserrutsche angekündigt, um zu verhindern, dass dort Mädchen angegrapscht werden. "Eine solche Regelung ist organisatorisch schwer umzusetzen", sagt Weiß. Nun ist eine Ampel im Gespräch, die, wie bei den anderen Rutschen, den Betrieb steuert und verhindert, dass die Nutzer in Kontakt kommen. "Bis wir eine technische Lösung gefunden haben, steuern Mitarbeiter den Betrieb auf der Wildwasserrutsche", sagt Weiß.

    Durch die Vorfälle der letzten Wochen und die Ankündigung, das Sicherheitskonzept verschärfen zu wollen, war das Arriba-Bad bundesweit Thema in den Medien. Die Folge war eine Fülle von Kommentaren in den sozialen Netzwerken. Und die sind zum Teil extrem ausländerfeindlich und kritisieren auch die ursprünglich geplante Geschlechtertrennung: "Wir als Deutsche werden dieses Bad nicht mehr betreten, solange sich dort diese grapschenden "Kulturbereicherer" aufhalten", lautet ein Eintrag bei Facebook, ein anderer: "Asylanten haben hier mehr Rechte als Deutsche. Man muss Angst haben, sein Kind hier allein herzuschicken." Und: "Wer meint das Problem mit Geschlechtertrennung à la Islam lösen zu müssen, der hat sie nicht alle."

    Schaden die Vorfälle der letzten Woche und solche Negativ-Kommentare dem Image des Arriba-Bades? "Zum einen handelt es sich um zwei Vorfälle, die sich zufällig zeitlich kurz hintereinander ereignet haben. Zum anderen ist die Zahl der Kommentare angesichts von jährlich 830.000 Besuchern letztlich verschwindend gering", sagt Oliver Weiß. Das bedeute nicht, dass die Badverantwortlichen die Einträge nicht lesen. Sachliche Hinweise seien sogar ausdrücklich erwünscht, damit die Angebote für die Badegäste kontinuierlich verbessert werden können. Dennoch wolle die Badleitung auf die Diskussion auf Facebook und Co. nicht reagieren und sich schon gar nicht an einer Flüchtlingsdebatte beteiligen.

    Die offene Grundhaltung gelte auch weiterhin: "Das Arriba ist und bleibt ein Bad für jedermann", gibt Oliver Weiß das Motto aus.

Kommentare 1

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    Josef -

    Schade, wo wir in diesem Land hin gekommen sind!