• Das Fehlverhalten mancher Security-Leute hat eine Debatte über ihre Qualifikation ausgelöst. Verband und Polizei fordern höhere Standards. Die hätten auch dem Regierungspräsidium Freiburg genützt.
    Bin gespannt wann das Bashing beendet wird..... oder die Presse sich einfach mal mit Zahlen auseinandersetzt, z.B. Anzahl Mitarbeiter Branche ggü Vorfälle, oder Anzahl Firmen ggü. schwarze Schafe....

    Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen mit Mitarbeitern privater Sicherheitsdienste in Flüchtlingsunterkünften. Die Vorwürfe sind unterschiedlicher Art: Mal rutscht einem
    Wachmann die Hand aus, mal gibt es handfeste Prügeleien mit Flüchtlingen, mal geht es um sexuelle Übergriffe wie jüngst in Köln, auch von Misshandlungen war schon die Rede.

    Zahlreiche Wachleute seien für den Einsatz in Flüchtlingsheimen schlicht nicht geeignet – dieser Vorwurf kommt nicht nur von Kriminalbeamten, sondern auch vom Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) selbst. "Private Sicherheitsdienste schießen zurzeit wie Pilze aus dem Boden", sagt Michael Böhl, stellvertretender Bundesvorsitzender vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK). Im Sicherheitsbereich lässt sich eben viel Geld verdienen. Dabei gibt es offensichtlich auch Grauzonen, die in die Halbwelt reichen. Die Verteilungskämpfe, die man aus den Bereichen Prostitution, Drogen und Schutzgelderpressung kenne, dehne sich gerade auf das Feld der Sicherheitsdienste aus, sagt Böhl.

    Dabei gebe es regionale Unterschiede und Besonderheiten. "In Berlin etwa werden Leute aus der Grauzone arabischer Großfamilien rekrutiert", sagt der Kripobeamte. "Es besteht die Sorge, dass jeder auf die Schnelle von der Straße genommen wird." Neben den schwarzen Schafen in der Branche gibt es natürlich auch viele seriöse Sicherheitsdienste. Die Securitas etwa, die teilweise auch vom Regierungspräsidium Freiburg eingesetzt wird, schicke Leute zur Weiterbildung auf die Kripo-Akademie des BDK, sagt Böhl.

    Die Kriminalbeamten fordern eine bundesweit einheitliche Zertifizierung von Sicherheitsleuten. "Sie müssen über Rechtsmittel Bescheid wissen, sollen sich soziale und interkulturelle Kompetenzen aneignen und müssen psychologisch geschult werden", fordert Böhl. Silke Wollmann, Sprecherin des BDSW, sieht das ähnlich. "Vor allem braucht es ein massives Deeskalationstraining", sagt sie.

    Viele Wachmänner haben im Gegensatz zu Polizisten keine Erfahrungen im Umgang mit Aggressionen anderer und wissen oft nicht, wie sie damit umgehen sollen. "Da liegt die Reizschwelle manchmal sehr niedrig", sagt Böhl. Eine Beleidigung kann – wie etwa im Umgang mit Flüchtlingen geschehen – leicht zu einer Überreaktion und körperlicher Gewalt führen. "Eine Baustelle zu bewachen, ist eben ein anderes Arbeiten als in einem Flüchtlingsheim", sagt Wollmann.Böhl kann sich vorstellen, dass es je nach Einsatzgebieten abgestufte Zertifizierungen für private Wachleute gibt. Nicht jeder sollte alles machen dürfen – und das ohne jegliche Ausbildung, wie es im Moment der Fall ist. Die Qualifizierung müsse für jeden sichtbar sein, etwa durch einheitliche Uniformen oder bestimmte Abzeichen. Der BDK fordert auch einen bundesweit gültigen Ausweis für private Sicherheitsleute.
    Davon hält Wollmann nicht so viel. Sie plädiert für eine bundesweite Kartei, in der alle Mitarbeiter privater Sicherheitsdienste erfasst werden. "Was uns noch wichtig ist, ist eine regelmäßige Überprüfung", sagt Wollmann. Bisher müssen Wachleute lediglich beim Eintritt in ein Sicherheitsunternehmen ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. "Sinnvoll wäre aber eine jährliche Überprüfung", sagt Wollmann. Das sei zwar organisatorisch nicht leicht umzusetzen. Realistisch wäre aber zumindest eine alle drei Jahre stattfindende Überprüfung.

    Uneinig über Abfragen beim Verfassungsschutz


    Wollmann gibt für das Fehlverhalten mancher Sicherheitsdienste in Flüchtlingsunterkünften Kommunen und Regierungsbezirken eine gewisse Mitverantwortung. Nicht wenige geben bei den öffentlichen Ausschreibungen den billigen Anbietern den Vorzug vor den qualitativ besseren. "Wenn einer 80 Stunden bei der IHK absitzt, den Gewerbeschein kriegt und dann seine zehn Freunde anstellt, kommt natürlich ein anderer Preis heraus als bei einer Firma, die ihre Mitarbeiter weiterbildet."Außerdem gebe es bei jenen auch die meisten Probleme. Allmählich werden die Defizite in der Sicherheitsbranche auch von der Politik erkannt. Ein Arbeitskreis des Bund-Länder-Ausschusses beschäftigt sich mit dem Gewerberecht bei Sicherheitsdiensten und will bis Sommer Veränderungen vornehmen.

    Keine Springerstiefel beim Bewerbungsgespräch

    Auch ein anderer Aspekt beschäftigt zunehmend die Politik: Soll es bei der Einstellung von Security-Leuten eine Regelabfrage beim Verfassungsschutz geben, um rechtsradikale oder islamistische Bewerber herauszufiltern? Der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer hat die Frage vor dem Hintergrund, dass der Verfassungsschutz beim abgesagten Länderspiel in Hannover einen gewaltbereiten Islamisten unter den vom DFB angeheuerten Sicherheitsdienst identifiziert hat, klar bejaht."Wir als Verband haben kein Problem damit", sagt Wollmann. Schließlich komme ja keiner mit Springerstiefeln zum Bewerbungsgespräch. Die Kriminalbeamten jedoch halten Abfragen beim Inlandsgeheimdienst für problematisch – zumal wenn es nicht um Einsätze im Hochsicherheitsbereich gehe. "Der Verfassungsschutz ist das schärftste Mittel, das wir haben", sagt Böhl und rät deshalb zur
    Zurückhaltung.

Kommentare 2

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    Fump -

    so einfach leider auch nicht mehr....

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    Sergeant7 -

    Die Polizei ist das im übrigen auch oft, nur können die über Funk einfach Personal nachordern.