• Seit einem Jahr arbeiten Sicherheitskräfte von BVG und Deutscher Bahn zusammen: Und die Zahl der Gewalttaten und von Vandalismus ist massiv gesunken. Doch wenn es brenzlig wird, muss die Polizei ran.
    Bahnhof Alexanderplatz an einem Vormittag im September: Reisende hasten schnellen Schrittes vorbei, damit sie die bereitstehende U-Bahn noch erreichen. Der Berufsverkehr klingt gerade langsam aus. Über die Sicherheit macht sich um diese Zeit kaum einer Gedanken. Am späten Abend sieht das schon anders aus. Oft hat sich das Publikum auf dem Bahnsteig dann gewandelt. Jugendliche ziehen johlend mit Bierkästen in der Hand zur nächsten Party-Location. Manch andere sind schon so stark alkoholisiert, dass sie lauthals miteinander streiten und schließlich handgreiflich werden. Wer in der Nähe ist, sucht spätestens jetzt das Weite.

    Es sind Szenen wie diese, die dafür sorgen, dass die Sicherheit auf Berliner S- und U-Bahnhöfen noch immer schlechte Noten von den Reisenden bekommt. Laut der zuletzt von der BVG veröffentlichten Umfrage unter Fahrgästen haben diese die Sicherheit "während der Wartezeit auf dem S- /U-Bahnhof" auf einer Skala von 1 bis 5 im Durchschnitt mit 3,4 bewertet. Auch die Sicherheit "während der Fahrt mit S-/U-Bahn" bekam eine ähnlich schlechte Note. Wesentlich sicherer fühlen sich die Fahrgäste bei der Mitfahrt im Bus oder auf dem Weg zum Bahnhof (Note 2,6). Auch wenn die Zahl der Vorfälle speziell bei der Gewaltkriminalität laut BVG Jahr für Jahr sinkt, fühlen sich viele ihrer Fahrgäste nicht immer sicher in den Zügen und auf den Bahnhöfen.

    Erstmals gemeinsame Patrouille in Deutschland

    Seit knapp einem Jahr gehen sie regelmäßig zusammen auf Streife. Ein Novum in Deutschland – denn normalerweise darf jeder Sicherheitsmitarbeiter nur dort tätig werden, wo sein Unternehmen auch das Hausrecht hat. Im Bahnhof Alexanderplatz sind die Stadtbahngleise und die Bahnhofshalle das Revier der DB, die Bahnsteige für die sich dort kreuzenden drei U-Bahnlinien sowie die Zwischengeschosse im Untergrund sind hingegen der Zuständigkeitsbereich der BVG. In der Praxis konnte das durchaus für Probleme sorgen: Hatte der Bahn-Mitarbeiter den einen Krawallmacher aus der Bahnhofshalle verscheucht, lärmte dieser dann in der U-Bahn unverfroren weiter.

    Um effektiver für mehr Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr zu sorgen, haben die BVG und die Deutsche Bahn (als Mutterkonzern der Berliner S-Bahn) im September vorigen Jahres eine Sicherheitspartnerschaft geschlossen. Erstmalig im deutschen Nahverkehr wurde dabei eine gegenseitige Hausrechtsabtretung vereinbart. Sie ist die juristische Grundlage dafür, dass die Sicherheitskräfte von BVG und Bahn auch in den Bahnhofsbereichen und in den Zügen des jeweils anderen Verkehrsunternehmens aktiv werden können.

    Konsequentes Vorgehen gegen Störer zahlt sich aus

    Mit Erfolg, wie die BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta und der Chef der DB-Sicherheit Gerd Neubeck jetzt nach Erfahrungen aus einem Jahr konstatieren. Regelmäßig gebe es jetzt gemeinsame Streifen, vor allem auf sogenannten "Misch-Bahnhöfen" wie dem S- und U-Bahnhof Alexanderplatz, dem Bahnhof Friedrichstraße oder dem Ostbahnhof. "Stärkere Präsenz und das konsequente Vorgehen gegen Störer zahlen sich aus. Die Ergebnisse der Kundenbefragung zeigen, dass sich die Fahrgäste bei uns wohlfühlen", sagte Bahn-Sicherheitschef Neubeck. "Die steigenden Fahrgastzahlen und die hohe Zufriedenheit unserer Fahrgäste sind Zeichen für das weiter gewachsene Vertrauen in unser Angebot, zu dem neben einem weitverzweigten Netz, dichten Takten und hoher Zuverlässigkeit eben auch Ordnung und Sicherheit gehören", konstatierte BVG-Chefin Nikutta.

    Nach Angaben von Deutscher Bahn und BVG ist etwa die Anzahl der festgestellten Verstöße gegen die Hausordnung – dazu gehören das Betteln, unerlaubtes Musizieren oder lautstarkes Herumpöbeln – von 103 im November 2013 auf 38 im Juni 2014 gesunken. Die Anzahl der Hausfriedensbrüche hat sich im gleichen Zeitraum von 67 auf 34 nahezu halbiert. Insgesamt hat DB Sicherheit in Berlin 319 Kräfte im Dreischichtdienst im Einsatz, die BVG setzt 250 eigene und 120 Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes ein.

    Doch dieser Einsatz hat Grenzen: So können die Sicherheitsleute zwar Hausverbote aussprechen, durchsetzen können sie sie aber nicht. Auch die Kontrolle verdächtigen Gepäcks ist ihnen nicht erlaubt. "Wenn da einer eine Tüte mit weißem Pulver dabei hat, müssen wir die Polizei rufen", sagte Frank Schneising, Einsatzleiter bei DB Sicherheit. BVG und Bahn betonen, dass die Zusammenarbeit mit der Bundespolizei und der Landespolizei gut funktioniert. Die Wiederaufnahme gemeinsamer Streifen mit der Polizei, wie sie der heutige Innensenator Frank Henkel (CDU) als Oppositionsführer forderte, gibt es allerdings noch immer nicht.

    Hier gehts zur Diskussion -> Diskussion: Gemeinsame Patrouillen von Bahn und BVG zeigen Wirkung (2014)

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