• Der Chef der ungarischen Bertelsmann-Tochter, RTL-KLUB, Dirk Gerkens, ist, nach eigenen Angaben, in Ungarn so massiven Bedrohungen ausgesetzt, dass er seine Familie ins Ausland in Sicherheit gebracht habe und selbst professionellen Personenschutz in Anspruch nimmt.
    Das sagte er gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Businessweek - Business News, Stock market & Financial Advice (Bloomberg), das dem Aufstieg, der Politik und den Geschäften von "Europas starkem Mann" einen längeren Beitrag widmete. Darin wird auch die gezielt auf RTL zugeschnittene Werbesteuer angesprochen, die zu einer "aggressiveren und kritischeren Berichterstattung" seitens des Senders über die Regierungspolitik geführt habe. Fidesz-Politiker verweigerten daraufhin Antworten auf Fragen des Senders oder "greifen Journalisten auf Pressekonferenzen an".

    "Sie tun so, als seien unsere Nachrichten Oppositionsnachrichten", sagte Gerkens gegenüber Businessweek, "aber das ist nicht Fall. Unsere Nachrichten sind unabhängig. Wir werden nicht über die Leute in der Opposition sprechen, die praktisch untätig sind.".

    RTL Klub hat sich nun an die EU-Kommission gewandt, wird weiter berichtet, denn sein Sender solle 90% des Steueraufkommens aus der neuen Abgabe bezahlen, obwohl man gerade 15% (Werbe)Marktanteil habe, die Steuerquote beträgt 50% auf alle Nettowerbeeinnahmen. Bleibt diese Steuer, könne RTL im kommenden Jahr keinen Gewinn mehr erwirtschaften. RTL plädiert also auf massive Wettbewerbsverzerrung.

    Gerkens berichtet weiter, dass er "Gewaltandrohungen" per Email oder ausgerichtet über Freunde erhalten haben. Daher habe er seine Familie "aus dem Land gebracht". Er selbst bezog ein "Apartment in einem Luxushotel in Budapest und engagierte Body Guards". Ungarn sei noch nicht "Russland oder Mexiko". Aber er sei lieber vorsichtig als dass er dann den Schaden habe.

    Bei aller Solidarität für Kollegen: Über die "Krokodilstränen" RTL´s in punkto Pressefreiheit und dem Umgang damit, damals, als das Mediengesetz etabliert wurde, berichteten wir bereits (hier mehr zum Orbánschen Medienkrieg um RTL) und erinnern daran, dass sich viele regellmäßig bedrohte Journalisten keine Bodyguards oder Suiten in Luxushotels oder gar den Umzug der Familie ins sichere Ausland leisten können. RTL und deren Mutter hätte vielleicht früher daran denken sollen, was Presse- und Medienfreiheit bedeutet und was ihr Fehlen für Konsequenzen haben muss.

    Premier Orbán hat unmissverständlich klar gemacht, dass "RTL so oder so irgendwann ungarisch sein wird". Zwischenzeitlich sprach er von denkbaren "Lösungen" im Streit um die Werbesteuer, davon ist aber derzeit keine Rede mehr.

Kommentare 2

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    Doph_Zügota -

    Damit ist wahrscheinlich gemeint, dass dieser Personenkreis seine Tätigkeiten beruflich ausübt und über besondere Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt!

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    Wachleiter -

    Wie wird denn professioneller Personenschutz genau definiert? Und was gehört da alles dazu?