• Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen, an denen Sicherheitsdienste beteiligt sind. Die Großen der Branche wollen das mit besserer Ausbildung verhindern. Doch das würde die Dienste verteuern.
    Die Ausbildung ist in einer Woche zu schaffen. 40 Unterrichtsstunden à 45 Minuten bei einer IHK und keine Abschlussprüfung. Nur die Anwesenheit zählt. Manche nennen es simpel Sitzschein. Danach kann es losgehen, als Arbeitnehmer in einer Sicherheitsfirma. Wer selbst eine eigene Firma in der Branche gründen will, hat es auch nicht viel schwerer. Das dauert dann 80 Stunden, plus Prüfung und Gewerbeschein.

    Es sind verhältnismäßig geringe Hürden, um im Milliardenmarkt der Sicherheitsbranche tätig zu werden. Obwohl Deutschland weltweit eines der sichersten Länder ist, floriert das Geschäft mit Schutz und Bewachung. 2013 dürfte der Umsatz der Sicherheitsdienstleister rund um das Thema Bewachung auf 5,15 Milliarden Euro geklettert sein – ein Plus von sieben Prozent seit 2011. Im Gesamtmarkt Sicherheit, vom Bodyguard über Alarmanlagen bis zur Brandmeldeanlage, werden aktuell etwa zwölf Milliarden Euro Umsatz erzielt.

    Doch die Mischung aus Wachstumsmarkt und geringen Eintrittsbarrieren sorgt im Geschäft mit der Sicherheit immer wieder für Schlagzeilen. Die jüngsten verheerenden Bilder über das Vorgehen von Bewachungspersonal in Flüchtlingsunterkünften in Nordrhein-Westfalen kommen für den Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) auch keineswegs überraschend. "Solche Vorfälle sind zu erwarten, solange es keine höheren Standards für die Branche gibt", sagt eine Sprecherin des Verbandes. In ihm sind knapp 900 Firmen zusammengeschlossen. Es sind die Großen des Gewerbes, die etwa 80 Prozent des Branchenumsatzes abdecken.

    Breitschultrige Ex-Kickboxer gründen Bewachungsfirmen

    Daneben gibt es aber noch etwa 3000 andere Anbieter. Teilweise gegründet von breitschultrigen Ex-Kickboxern oder Ex-Militärs oder es sind kleine Familienbetriebe. Vornehmlich aus den Reihen der Kleinen kamen in den vergangenen Jahren immer wieder Berichte über das Rambo-Auftreten von Bewachungspersonal. Auch die jetzt in den Skandal in Nordrhein-Westfalen verwickelte Nürnberger Sicherheitsfirma SKI Wach- und Sicherheitsgesellschaft mit etwa 150 Beschäftigten, die im Unterauftrag tätig war, gehört nicht dem Branchenverband an.

    Die Dachorganisation der Branche versucht gar nicht erst, die Übergriffe in den Flüchtlingsheimen als nicht zu verhindernde Einzelfälle darzustellen. Vielmehr fordert der Verband nunmehr endlich Konsequenzen. "Eine qualifizierte Sachkundeprüfung und kein Sitzschein für den Berufseinsteiger wäre das mindeste", sagt die Verbandssprecherin.

    Zudem sollte es jährliche strenge Überprüfungen aller Beschäftigten geben, ob sie straffällig geworden sind, fordert Verbands-Geschäftsführer Harald Olschok. "Der Schutz von sensiblen Aufnahmelagern von Asylanten kann nicht von Mindestlohnkräften gewährleistet werden", betont er. In Deutschland ist das Gewerbe an das Wirtschaftsministerium angebunden – in fast allen anderen europäischen Staaten aber an das Innenministerium, das die gewünschten strengeren Auflagen für die Branche erlassen könnte.

    Bundesverband fordert bessere Ausbildung


    Höhere Standards, mehr Qualifikation und mehr Kontrolle, lautet seit Längerem das Mantra des Verbands. Um als qualifizierte Fachkraft mit mehr Verdienst als dem Mindestlohn aufzusteigen, sollte der Beruf qualifiziert gelernt werden. So gibt es den dreijährige Ausbildungsberuf zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit oder die zweijährige Ausbildung als Servicekraft für Schutz und Sicherheit. Dabei sind auch Quereinsteiger aus anderen Berufen willkommen. "Ein Kindergärtner könnte Erfahrung aus der Deeskalation mitbringen", heißt es.

    Die Großen der Branche haben eigene Schulungs- und Qualifizierungseinrichtungen. Marktführer ist der börsennotierte, international tätige schwedische Konzern Securitas. Mit umgerechnet über sechs Milliarden Euro Umsatz und weltweit gut 310.000 Beschäftigten hat Securitas annähernd so viele Köpfe unter Vertrag wie Siemens. In der Deutschland-Tochter sind es allein gut 19.000. Securitas hat soeben ein weiteres neues Ausbildungszentrum in Schwerin in Betrieb genommen. "Qualifizierung ist ein wichtiger Wettbewerbsfaktor", heißt es bei Securitas.

    Doch es droht Gefahr. Unter der Hand bestätigen einige Branchenvertreter, dass die Kommunen vor dem Hintergrund leerer Kassen bei Ausschreibungen für das Sicherheitsgewerbe immer häufiger allein auf den Preis schauen. "Das ist eine ungute Entwicklung. Das fördert die Wildwest-Methoden, wo eigentlich Qualität gefragt wäre", sagt ein Manager.

Kommentare 2

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    Doph_Zügota -

    Zwar wurde das Bewachungsgewerbe noch nicht so angepasst, wie es eigentlich der Fall sein sollte aber ich beobachte, dass sich zahlreiche Unternehmen schon jetzt mehr um Fortbildung bemühen; d.h. die Fortbildung zur GSSK erhält immer mehr Einzug in die Unternehmen. Leider ist das kein ganzheitlicher Ansatz, weil der Gesetzgeber zunächst das Bewachungsgewerberecht novellieren muss.

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    Wachleiter -

    Die "Welt" gibt im wesentlichen BDSW Aussagen wieder. Und das es bei der 80-Stunden-Unterrichtung eine Prüfung gibt wäre mir neu!