Welcher Tarifvertrag ist maßgeblich?

      Welcher Tarifvertrag ist maßgeblich?

      Hallo zusammen

      Da im Sicherheitsgewerbe ja vieles irgendwie anders läuft als anderswo, bin ich im Hinblick auf den anzuwendenden Tarifvertrag doch etwas überfragt.
      Vielleicht könnt Ihr mir ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

      Ich bin eigentlich der Meinung, dass immer der Tarifvertrag anzuwenden ist, in dessen Bundesland sich der ständige Arbeits-/Einsatzort des Arbeitnehmers befindet.
      Kann man aber so pauschal offensichtlich wohl nicht sagen.

      Mein Mann hat in seinem Arbeitsvertrag stehen, dass immer der jeweils aktuell gültige Tarifvertrag anzuwenden ist.
      Der Hauptsitz der Sicherheitsfirma befindet sich in NRW, die für ihn zuständige Niederlassung jedoch in Niedersachsen
      Der Hauptsitz des Kunden, bei dem er dauerhaft im Einsatz ist, liegt in Niedersachsen, zu betreuen hat er jedoch die beiden Werke in NRW
      Ab und an macht er auch mal Schichten im Hauptsitz des Kunden; aufs Jahr gesehen sind das vielleicht 10%

      Bezahlt wird er schon von Beginn an nach dem Nds.-TV

      Letztes Jahr hat sein Arbeitgeber nun eine seiner in NRW liegenden Niederlassungen geschlossen und dessen Mitarbeiter der Niederlassung Niedersachsen zugeordnet.
      Da diese Mitarbeiter allesamt ihre dauerhaften Einsatzorte in NRW haben und dementsprechend auch nach NRW-TV bezahlt werden, hieß es seitens des Arbeitgebers, die Werkschutzkräfte bei diesem Kunden würden zukünftig auch nach NRW-Tarif bezahlt werden, wenn sie denn in den NRW-Werken im Einsatz wären. Schichten, die im Hauptsitz des Kunden abgeleistet werden, würden weiterhin nach Nds.-TV bezahlt.
      Soweit, so gut.

      Da dieses "Versprechen" nur mündlich abgegeben wurde, kann man sich darauf ja leider nicht berufen, so wurde der Wechsel von Nds.- zu NRW-TV dann immer wieder verschoben (teilweise mit der Begründung, der Kunde müsse dem erst zustimmen).
      Ende letzten Jahres wurde dann - im Beisein des Betriebsrates - nochmal mündlich mitgeteilt, dass der Wechsel jetzt dann aber zum 01.01.2019 stattfinden würde, sodass die fraglichen Mitarbeiter erstmals mit der Januar-Abrechnung NRW-Tariflohn bekommen würden.

      Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass dies natürlich nicht der Fall war. Nun hat wohl ein Kollege meines Mannes vor ein paar Tagen nochmal bei einem Revierleiter (oder was auch immer der Kontrolletti für eine Position hat) nachgefragt und dieser teilte ihm mit:
      "Dass natürlich kein NRW-Tarif gezahlt werden würde, weil der Hauptsitz des Kunden schließlich in Niedersachsen läge."

      Ich blicke da gerade nicht mehr durch. Was stimmt denn nun? Worauf bezieht man sich da, was ist maßgeblich?
      LG Chrissy :thumbsup:
      Im Manteltarifvertrag NRW steht im § 10 Erfüllungsortprinzip: "Die Ansprüche aus den tariflichen Bestimmungen dieses Manteltarifvertrages und des jeweils gültigen Lohntarifvertrages richten sich nach dem Ort der Erbringung der Arbeitsleistung".

      Damit ist das recht eindeutig und schnell geklärt.

      Allerdings wundert es mich, dass der Betriebsrat anscheinend nicht viel unternimmt. Er hat nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 BetrVG ein Mitbestimmungsrecht bei der Ausgestaltung, dazu zählt natürlich auch die Auswahl des zuständigen Tarifes. Und wenn der BR eine andere Meinung hat als der AG, dann muss man halt zum Arbeitsgericht gehen (also der BR, nicht der Mitarbeiter). Das zieht dann meist auch recht schnell, weil das kostet denen richtig Geld...
      Ja, das habe ich auch so gelesen und mir das schon so gedacht.
      Ne Handhabe hat man damit aber wahrscheinlich trotzdem nicht, oder?
      Bzw. muss man sich dann wohl an die Gewerkschaft wenden. Und was das dann so nach sich zieht ...

      *pfft* Betriebsrat ...
      Nachdem was ich in den letzten Jahren so mitbekommen habe, kümmern die sich um kaum was. Bzw. kann man das eher Interessenvertretung des Arbeitgebers nennen. :thumbdown:
      Die sitzen während ihrer Versammlungen im Prinzip nur zusammen und schlagen die Zeit tot, spielen Karten oder was weiß ich.
      Jedenfalls ist der Senf, den der BR dann mal zu dem ein oder anderen dazugibt, nicht gerade arbeitnehmerfreundlich.
      Von daher macht das nicht wirklich viel Sinn, sich an mit dieser Sache an den Betriebsrat zu wenden. Der zuckt dann ohnehin nur die Schultern und sagt, dass es dann halt so ist.
      LG Chrissy :thumbsup: