Fachkräftemangel in Deutschland - Mangel an Fachkräften oder Zahlungsbereitschaft ?

      Fachkräftemangel in Deutschland - Mangel an Fachkräften oder Zahlungsbereitschaft ?

      Fachkräfte gesucht wie nie! DIHK veröffentlicht Arbeitsmarktreport 2018

      "Die Fachkräfteengpässe in den Unternehmen in Deutschland weiten sich aus und werden zur Herausforderung für die gesamte Wirtschaft." So fasste Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), heute in Berlin die Ergebnisse des DIHK-Arbeitsmarktreports 2018 zusammen. Die Auswertung "Fachkräfte gesucht wie nie!" beruht auf knapp 24.000 Unternehmensantworten. Mittlerweile ist für 60 Prozent der deutschen Betriebe der Fachkräftemangel das Geschäftsrisiko Nummer eins, 2010 waren es lediglich 16 Prozent. Insgesamt rund 1,6 Millionen Stellen in Deutschland könnten nach DIHK-Hochrechnungen längerfristig nicht besetzt werden, erläuterte Dercks. Entsprechend fürchte fast die Hälfte aller Befragten um ihre Wachstumspotenziale, beinah ebenso viele rechneten mit Angebotseinschränkungen oder damit, Aufträge ablehnen zu müssen.

      Besonders betroffen ist der Erhebung zufolge die Baubranche, aber auch die Gesundheits- und Sozialdienstleister, Logistik- und Verkehrsunternehmen, die Bildungswirtschaft sowie das Gastgewerbe und die Sicherheitswirtschaft.

      Das Fehlen qualifizierter Mitarbeiter sei inzwischen ein "volkwirtschaftlicher Engpass", sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer, und verwies etwa auf die negativen Folgen für den Infrastruktur-Ausbau oder mangelnde Transportkapazitäten aufgrund von Fahrermangel. Dercks plädierte deshalb für eine umfassende Fachkräftesicherungsstrategie mit den wichtigsten Elementen Ausweitung der Beschäftigungspotenziale, Stärkung der Beruflichen Bildung und qualifizierte Zuwanderung.

      Fachkräfte gesucht wie nie! — Deutscher Industrie- und Handelskammertag



      Dieser Bericht bzw. die Daten wurde vom Wirtschaft- und Sozialwirtschaftlichen Institut der Hans-Böckler Stiftung analysiert (mit einem erstaunlichem Ergebnis).

      Report Nr. 41, August 2018

      Mangel an Fachkräften oder Zahlungsbereitschaft? Eine Analyse der Daten des DIHK

      p_wsi_report_41_2018.pdf

      Auszug aus dem Bericht (ist als PDF beigefügt) Seite 11-12:

      Sicherheitswirtschaft

      Am Beispiel der Sicherheitswirtschaft wird der DIHK (2018b, S. 18) recht deutlich, wie weit der Begriff der Fachkraft gefasst wird. So zeigt er sich besorgt, dass ein Mangel an „Doormen“ (im Einzelhandel) und Personal für die Personenkontrolle bei öffentlichen Veranstaltungen andere Wirtschaftszweige zu Einschränkungen ihres Angebots zwingen könnte. Mit anderen Worten, der DIHK betrachtet selbst Türsteher als Fachkräfte. Immerhin kommt der DIHK in seiner Umfrage zu dem Ergebnis, dass die Personalfluktuation ein wichtiges Motiv für die Suche nach Arbeitskräften in der Sicherheitswirtschaft darstellt. Außerdem räumt er ein, dass die schlechten Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen eine Rolle spielen dürften (DIHK 2018b, S. 11). Wie Abbildung 7 zeigt, sind auch in dieser Branche die Löhne niedrig. Die Lohnsteigerungen sind – zumindest prozentual – bei den Ungelernten und den Angelernten jedoch beachtlich. Im Gegensatz dazu entwickelte sich die Bezahlung der Fachkräfte sehr schwach. Ein Mangel an Fachkräften liegt somit nicht vor. Vielmehr hat es den Anschein, dass die ausgebildeten Fachkräfte in der Sicherheitswirtschaft einer Preiskonkurrenz mit Angelernten und Ungelernten ausgesetzt sind. Die Forderung (DIHK 2018b, S. 28) nach einer erleichterten Einwanderung von „Fachkräften“ aus Drittstaaten wird diese Konkurrenz weiter anheizen.

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      Ja das ist in der Tat alles sehr traurig. ich bin seit 1992 im Sicherheitsdienst beschäftigt. Im jahr 2007 habe ich erfolgreich die Prüfung zur Fachkraft SuS abgelegt. Nun bin ich im Endspurt zum Meister. Noch nie habe ich den Stundenlohn der Fachkraft angeboten bekommen. Natürlich freut sich der AG über den super ausgebildeten AN, aber einen gerechten Stundenlohn zahlt keiner. Ich mache nun den Meister fertig und dann werde ich mich in einer anderen Branche umsehen. Wenn sich nichts ändert geht die ganze Sicherheitsbranche den Bach runter.

      bertino schrieb:

      Ja das ist in der Tat alles sehr traurig. ich bin seit 1992 im Sicherheitsdienst beschäftigt. Im jahr 2007 habe ich erfolgreich die Prüfung zur Fachkraft SuS abgelegt. Nun bin ich im Endspurt zum Meister. Noch nie habe ich den Stundenlohn der Fachkraft angeboten bekommen. Natürlich freut sich der AG über den super ausgebildeten AN, aber einen gerechten Stundenlohn zahlt keiner. Ich mache nun den Meister fertig und dann werde ich mich in einer anderen Branche umsehen. Wenn sich nichts ändert geht die ganze Sicherheitsbranche den Bach runter.

      Ich kann Ihren Antworten zustimmen. Dankeschön

      bertino schrieb:

      Ja das ist in der Tat alles sehr traurig. ich bin seit 1992 im Sicherheitsdienst beschäftigt. Im jahr 2007 habe ich erfolgreich die Prüfung zur Fachkraft SuS abgelegt. Nun bin ich im Endspurt zum Meister. Noch nie habe ich den Stundenlohn der Fachkraft angeboten bekommen. Natürlich freut sich der AG über den super ausgebildeten AN, aber einen gerechten Stundenlohn zahlt keiner. Ich mache nun den Meister fertig und dann werde ich mich in einer anderen Branche umsehen. Wenn sich nichts ändert geht die ganze Sicherheitsbranche den Bach runter.


      Mit Reisebereitschaft ist guter Lohn gerade für FaSuSi kein Problem... Gerade im Südwesten und im Süden..... man sollte sich einfach mal am Markt umschauen. dem aktuellen AG fehlen meist die entsprechend dotierten Aufträge.

      Wie oft habe ich schon gelesen das die Branche den Bach runtergeht.... wir müssten schon lange im Meer schwimmen...
      Wer macht eine Weiterbildung zum Meister und wechselt dann die Branche?

      Ziemlich unwahrscheinlich oder weltfremd. Wenn ich die Branche wechseln will dann investiere ich in meinen angestrebten neuen Beruf und nicht in den "alten" Beruf, den ich verlassen will.

      @ Bertino: Welcher Stundenlohn/Gehalt ist denn "angemessen" ?
      Ich z. B. auch.

      Es ist immer die Frage, wofür hat man eine Zulassung und wie Argumentiert man danach.

      Da die BQ bei fast allen Industriemeistern und IHK-Fachmeistern identisch ist, kann man gut argumentieren, man hätte eine gute bekannte Basis. Außerdem kann man die BQ innerhalb von fünf Jahren auch für einen zweiten Meister verwenden in der neuen Branche, was Geld, Zeit und Nerven sparen kann.