Vorfall Werkschutz der nachdenklich macht

      Vorfall Werkschutz der nachdenklich macht

      Hallo zusammen,

      ich bin im Werkschutz tätig (Pfortendienst), eigentlich nix weltbewegendes und ein Dienstbereich wo man gewisse Vorfälle niemals vermuten würde.

      Dennoch stand ich kürzlich einen Bruchteil einer Sekunde kurz vor einer Notwehrsituation.

      Kurzbeschreibung Vorfall:
      3 Personen (die auf Ihre LKW Abfertigung warteten blockierten das Drehkreuz zum Personal Ein- und Ausgang).
      Die Personen wurden 4x freundlich darum gebeten den Bereich Frei zu halten.
      Verletzte Person in der Pforte Anwesend RTW gerufen.
      Die 3 Personen blockierten wieder und wurden erneut freundlich gebeten den Bereich frei zu halten weil Rettungsweg und RTW...
      Nach Erstversorgung der verletzten Person blockierten die 3 Personen erneut den Bereich.
      Dann wurde ich auch mal etwas lauter und bestimmender jetzt sofort diesen Bereich frei zu machen.

      Dann gieng der Terz los:
      Eine der 3 Personen bewegte sich brüllenden und zornig auf mich zu, ich begab mich in eine defensive Körperstellung und nahm hinter meinem Rücken ein Tierabwehrspray in die Hand (behielt es aber weiterhin um Provokation zu vermeiden hinter meinem Rücken).
      Die Person bemerkte dass ich irgendetwas hinter meinem Rücken gemacht habe und blieb nach meiner Ansicht nach aus "Ach du scheiße der hat da was hinter seinem Rücken" stehen.
      Die Person stänkerte und schimpfte weiter verließ aber dann den Bereich.

      Da sich solche Vorfälle gerade nahezu häufen (auch bei dort Dienst tuenden Kollegen) sind wir nun am überlegen was wir denn tun können um nicht (eine aufs Maul zu bekommen oder gar abgestochen zu werden.......) da aus meiner militärischen Erfahrung heraus solche Situationen schnell eskalieren können.

      1. Stichschutzunterziehwesete besorgen und verdeckt tragen (Kann das der Dienstherr verbieten ? )
      2. Aufstocken der legalen Abwehrmittel Tierabwehrspray 1x Fog und einmal Jet (Kann das der Dienstherr verbieten ? ) In der Dienstanweisung ist hierrüber nichts vermerkt, lediglich die während der Dienstzeit zu Tragende Art der vom Dienstherrn gestellte Dienstkleidung (Sicherheitsschuhe S2, Einsatzhose usw.
      3. Schnittschutzhandschuhe evtl. Schnittschutz Unterzierkleidung (Kann das der Dienstherr verbieten ? )

      Zum Verständnis der mir vorliegenden Informationen:
      Ein Tierabwehrspray als solches welches per Aufschrift eindeutig erkennbar deklariert ist benötigt lediglich ein Mindestalter von 14 Jahren zum Erwerb und darf getragen werden. Es ist lediglich das einbringen bei öffentlichen Veranstaltungen durch den jeweiligen Hausrechtsbesitzer i.d.r. untersagt.
      Weiter:
      Um es im Dienst am Mann zu tragen benötigt man lediglich einen Rechtfertigungsgrund. = Die Wahrscheinlichkeit (und wenn sie noch so gering ist) von einem Tier angegriffen zu werden muss gegeben sein. Bei uns befinden sich nun mal Tiere auf dem Werk die Ausbrechen können und dann auch gefährlich werden können.
      Ein Pfefferspray welches als Tierabwehrspray deklariert ist fällt nicht unter das Waffengesetz. Es ist lediglich als gefährlicher Gegenstand einzustufen. Der Umgang / das Handling sowie die Erste Hilfe nach dem Einsatz gegen Menschen sollte jedem bewusst sein (Training) RTW rufen. Die Folge nach dem Einsatz gegen einen Menschen sollte jedem klar sein = Ein Tatbestand einer "Gefährlichen Körperverletzung". = Polizei rufen und selbst anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung vor nehmen mit der Einzelfallprüfung der gerechtfertigten Notwehr / Nothilfe.

      Generell ist das Pfefferspray als Tierabwehrspray für den Einsatz gegen Menschen verboten.
      Wenn man es dennoch gegen einen Menschen einsetzt muss folgendes beachtet werden:
      ist Notwehr / Nothilfe gegeben: Tatbestand prüfen.
      Ist der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit erfüllt und der Einsatz vom Tierabwehrspray gegen einen Menschen das geringste zur Verfügung stehende Mittel.
      Den Notwehr § sollte jeder kennen:
      Notwehrgewalt ist diejenige Gewalt, welche einen rechtswidrigen unmittelbar bevorstehenden, gegenwärtigen oder noch andauernden Angriff gegen sich selbst, andere Personen unter der Voraussetzung der Verhältnismäßigkeit abwehrt oder verhindert insofern obrigkeitliche Hilfe nicht unmittelbar zu erlangen ist.

      Den Nothilfe § sollte auch jeder kennen:
      = fast das selbe wie Notwehr nur von einer dritten Person ausgehend die feststellt, dass sich das Opfer nicht selbst aus Notwehr wehren kann.

      Ich bedanke mich schonmal im Vorraus für eure Kommentare hierzu
      Wie steht der Auftraggeber dazu? Ist er über die Sachverhalte informiert? Oft wirkt ein Hausverbot für einen LKW-Fahrer wunder. Das spricht sich rum. Als ich bei einem großen bayerischen Autohersteller im Tordienst tätig war wurden LKW-Fahrer die unsere Anweisungen nicht befolgten erst abgefertigt wenn die Anweisungen ausgeführt waren. Zeit ist für LKW-Fahrer sehr wertvoll, daher hat das immer gewirkt.
      Ich bin da ehrlich: Wenn der Arbeitgeber, Dienstherr oder was auch immer nicht dazu in der Lage oder gewillt ist, euch angemessen auszurüsten, dann würde ich den Arbeitgeber wechseln oder gucken ob ich mir einige Teile selber zulegen werde.

      Zum Thema Pfefferspray habe ich folgendes zu sagen:
      Hochaggressive Personen und Junkys können nach dem Einsatz von Pfefferspray noch aggressiver und damit noch gefährlicher werden. Ich habe damals in der Altenpflege auf einer geschlossenen Psychiatrie gearbeitet und habe zB mal erlebt, wie einer Handschellen zerrissen hat. Eine falsche Bewegung und die Polizei hätte ihn erschossen! Ich habe es aber auch mal erlebt, dass sich Leute die Augen ausgekratzt haben oder eingemauerte Waschbecken aus der Wand gerissen haben. Aber um jetzt beim Thema zu bleiben: im Sommer 2012 wurde ein junger Mann bei uns zwangsweise eingeliefert. Er war äußerst aggressiv. Plötzlich rastete er aus und wollte uns angreifen. Ein Polizist benutzte sein Pfefferspray und das Ende vom Lied war, dass einer der beiden Polizisten mit den Kopf voran durch die Fensterscheibe flog (und auf der Intensivstation landete) und wir uns dann, nachdem wir im ganzen Haus Alarm geklingelt haben, mit sieben Leuten von anderen Stationen auf den Typen warfen und ihn kaum bändigen konnten, bis weitere Streifen eintrafen. Das sind Extremfälle, aber diese sind auch äußerst gefährlich. Einw eiteres Problem ist, dass die handelsüblichen Größen der Pfefferspray-Sprühdosen relativ klein sind und in wenigen Sekunden aufgebraucht sind. Was will man also tun, wenn es zwei oder drei Störenfriede sind, die Stress machen? Was, wenn man nicht richtig trifft oder einen hochaggressiven Typen vor sich hat? Wenn Pfefferspray dann meiner Meinung nach nur mit 500ml Inhalt, diese sind wiederum nicht unauffällig zu tragen. Ist eine blöde Situation.

      Thema Schutzwesten:
      Ich persönliche würde immer mindestens eine Stichschutzweste tragen, egal ob der Auftraggeber oder Vorgesetzte das will oder nicht. Letztendlich geht es um meine Sicherheit und Gesundheit und wo Sicherheit produziert wird besteht immer ein erhöhtes Risiko für denjenigen der sie produziert! Daher werde ich mir, sobald ich einen Arbeitsplatz gefunden habe, eine stich- und schnitthemmende ballistische Unterziehweste in der SK 1 kaufen und auch tragen.Vergesse beim kauf einer Weste, egal ob ballistisch oder nur Stichschutz, dass Stichschutz nicht gleich Schnittschutz und Schnittschutz nicht gleich Stichschutz ist.
      Ja der Kunde / Auftraggeber wurde informiert und steht auch voll und ganz hinter seinem Werkschutz.
      Dem Speditör des Fahrers wurde auch schon dementsprechend vom Betriebsleiter des Kunden darauf angesprochen (via E-Mail mit dem Werkschutz in CC ).
      Im Klartext steht die Betriebsleitung und Geschäftsführung voll und ganz hinter den Jungs und Mädels von seinem Werkschutzpersonal.
      Auch unsere Vorgesetzten (vom Arbeitgeber) stehen voll und ganz hinter uns.
      Ich wollte auch wissen wie mein Arbeitgeber zu mir steht und sagte ehrlich, dass ich das Pfefferspray schon gezogen hatte aber noch nicht in Anschlag / Vorhalte damit stand. Die Reaktion war unerwartet überraschend positiv mit einem Hinweis, dass ich damit ja aufpassen muss wie und wann ich das einsetze. Als ich sagte, dass ich mich sehr gut informiert und trainiert habe und zudem immer das Erste Hilfe Spray dabei habe wurde nichts verboten oder schlecht geredet.

      Problem:
      manche wissen nicht wirklich wie Menschen sein können.
      Ein Hausverbot oder ein Platzverweis hindert keinen daran zum Feierabend aufm Parkplatz auf jemanden zu "warten".
      Und wenn von dieser Spedition täglich 10-25 LKW eintrudeln (die Fahrer kennen sich ja alle) und man dann plötzlich alleine oder zu zweit vor einer kleinen Gruppe mit 1-2 Aggressoren steht kann es schnell brenzlig werden.
      Muss nicht sein, die Wahrscheinlichkeit ist gering. Aber wenn es dann doch anders kommt.... Menschen flippen schon wegen weit weniger aus, die Hemmschwelle gegenüber Sicherheitsdiensten und Polizei sinkt immer mehr.

      Und natürlich weiß ich, dass gemäß DGUV mein Arbeitgeber die PSA stellen muss.
      Polizisten kaufen sich auch privat eigene PSA für den dienst... weil die gestellten Westen scheiße sind.
      Berufssoldaten das selbe Spielchen.
      Und ganz ehrlich möchte ich nicht in eine Weste schlüpfen wo schon 30 andere ihren Schweißerguss drin erlassen haben.
      Warum sollte ich dann deswegen den Arbeitgeber wechseln ? wenn ansonsten alles passt.

      Nenne mir mal einen Arbeitgeber im Sicherheitsdienst der vernünftige Taschenlampen zur Verfügung stellt.
      Deswegen den Arbeitgeber wechseln ?!

      Das Stichschutz und Schnittschutz 2 paar stiefel sind sagt ja schon der Name:
      Stichschutz schützt vor Stechen / Stichen / Tritten und Schlägen
      Schnitschutz vor Schneideattacken

      Stichschutzweste SK1 brauch ich nicht ich sitze 80% des Dienstes vorm PC
      Meine Intension geht in eine leichte Schutzweste mit einem vertretbaren und angemessenen Stichschutz den man verdeckt tragen kann.
      Derzeit tendiere ich zur TW 19 die is zertifiziert nach K3 (um die lebenswichtigen Organe im Oberkörper und Bauchbereich zu schützen).
      Parallel dazu Schnittschutz Unterzierwäsche Oberkörper, Hals, Arme, Unterleib und Beine die vor Schneideattacken die Hauptschlagadern schützen.
      Ich kann mir schon vorstellen: "was will denn der, der macht ja nur Pforten Dienst".

      -Werkschutz, Pförtner wird in die Betriebskantine gerufen weil ein Koch ausflippt und eine Küchendame mit einem Küchenmesser bedroht.
      -Werkschutz, Pförtner spricht rasenden PKW Fahrer an der fast eine Gruppe Angestellte überfahren hätte dass auf dem Betriebsgelände 10 Km/h gelten. PKW Fahrer zieht ein Taschenmesser und sagt "ja und was willst jetzt machen".
      -Werkschutz Metzgereibetrieb, Pförtner bemerkt das mehrere Angestellte (die außer "Hallo" kein Wort deutsch können) mit Betriebseigentum an Messern den Betrieb verlassen (was verboten ist).
      -Werkschutz, PKW fährt mit quietschenden Reifen in Richtung Betriebseinfahrt, steigt aus und geht wütend mit einem Schraubenschlüssel / Radkreuz in Richtung LKW Fahrer der kurz vorher eingefahren ist, Pförtner geht dazwischen.
      -Werkschutz, Pförtner wird in die Produktion gerufen. Angestellter geht auf einen anderen Angestellten mit einem Messer los. Gründe: Religion / Nationalität

      Aber Pforten Dienst ist ja nur Knöpfe für Schranken drücken, paar Besucherausweise ausstellen und am Laptop Filme gucken oder zocken^^

      Wir tragen jetzt Schutzanzüge vom Bombenräumkommando, haben einen Scharfschützen und 2 MG-Schützen im Dienst und vor der Einfahrts- und Ausfahrtswaage Panzersperren.
      Stop-Sticks / Krähenfüße sind dadurch überflüssig.
      Abrufbereit im Aufenthaltsraum nebenan haben wir 24h KSK, SEK, GSG9 und ZUZ
      Sämtliche Beispiele sind in dem vorliegenden Fall in der Gefährdungsbeurteilung wahrscheinlich unter „eintrittswahrscheinlichkeit sehr gering“ eingeordnet. Daraus eine Bewaffnung und Ausrüstung der Pförtner mit schutzwesten abzuleiten ist schlicht absurd. Dann müsste man jede Person mit Kundenkontakt (und ohne auch noch, es könnte ja jemand Amok laufen...) entsprechend ausrüsten..
      zu deinem letzten Teil lass ich mich nicht aus, der TE bewacht keine polizeikaserne oder Bundeswehrgebäude, die Sachlage ist also eine völlig andere.