Aufstocken auf 173 Stunden im Monat

      Aufstocken auf 173 Stunden im Monat

      Guten Tag, ich arbeite seit 2008 in der Sicherheitsbranche und habe eine Frage zur Auslegung des Mantelrahmentarifvertrages für den Geltungsbereich Bundesrepublik Deutschland. Mein Chef ist aber der Ansicht, dass er nur noch einmal im Quartal auf 173 Stunden aufstocken muss, wenn der Mitarbeiter im Durchschnitt dieses Quartals nicht auf diese Mindeststunden kommt. Dies ist bei mir der Fall seit Januar, obwohl ich meine Arbeitskraft mehr als einmal angeboten habe. Er bezieht sich dabei auf §6 3. Des Tarifvertrags mit dem Wortlaut: Vollzeitbeschäftigte haben einen Anspruch auf eine monatliche Arbeitszeit von mindestens 173 Stunden, bei Regeldienst in 24-Stunden-Schichten auf mindestens 208 Stunden, im Durchschnitt eines Quartals. Bei Eintritt oder Ausscheiden innerhalb des Quartals gilt als Bezugszeitraum die Zeit der Beschäftigung innerhalb dieses Quartals

      Meine Frage, muss er jeden Monat auf die im Arbeitsvertrag vereinbarten 173 Stunden aufstocken, oder muss er dies tatsächlich nur einmal im Quartal tun. Im Arbeitsvertrag ist eine monatliche Arbeitszeit von 173 Stunden vereinbart.

      Mit freundlichen Grüßen
      Initial :)
      Anspruch auf eine monatliche Arbeitszeit von mindestens 173 Stunden im Durchschnitt eines Quartals


      Dass bedeutet, dass Du innerhalb von drei Monaten im Schnitt 173 Stunden arbeiten können musst, also insgesamt 519 Stunden (auch wenn die nicht perfekt anteilig auf die drei Monate fallen, daher "im Durchschnitt").


      Letztenendes weiss der Chef erst am Ende des Quartals, ob er diesen Durchschnitt hinbekommt (eigentlich weiss er es natürlich schon vorher, wenn er die Grundsätze betriebswirtschaftlichen Handelns beherrscht), schliesslich kann ein Auftrag vor Quartalsende mit entsprechend hoher Stundenzahl ja helfen, den Durchschnitt zu erreichen. Dann müsste er Dir die Differenz zwischen den 519 tarifvertraglichen Anspruchsstunden (173 x 3) und den tatsächlich geleisteten Stunden in diesen 3 Monaten bezahlen.

      Mit "einmal im Quartal" von x auf 173 Stunden aufstocken erfüllt er aus meiner Sicht zumindest nicht die Vorgaben des MTV.

      Der Abrechnungsintervall ist aber tatsächlich das Quartal und eben nicht "monatlich".
      Hallo Martin,

      Meine Auslegung des Paragraf 6 Ziffer 3 das Mantelrahmentarifvertrag ist folgende: Durch diesen Wortlaut, werden den Mitarbeitern mindestrens 173 Stunden im Monat eines Quartals garantiert. Dann ergibt folgende Rechnung einen Sinn. 173×3=519. Wenn wir jetzt den monatlichen Durchschnitt errechnen wollen, müssen wir die 519 Stunden durch drei teilen. 519÷3=173 Stunden. Diese müssen uns monatlich bezahlt werden.

      Auch steht im 2. Zusatzprotokoll des MRTV, dass ein Vollzeitarbeitnehmer einen Anspruch auf monatlich mindestens 173 Stunden hat, diese müssen auch vergütet werden. Dieser Passus bezieht sich auf ein Arbeitszeitkonto. Mein Chef ist der Meinung, dass wir kein betrieblich vereinbartes Arbeitszeitkonto haben. Wie erfolgt aber dann die Abrechnung? Wir haben kein Festgehalt und kein Arbeitszeitkonto,also wie wird unser Lohn berechnet? Laut Definition von Wikipedia: Hierbei wird auf schriftliche oder elektronische Weise die tatsächlich geleistete Arbeit (inklusive Urlaub, Krankheit, Überstunden etc.) des Mitarbeiters mit der arbeitsvertraglich oder tarifvertraglich zu leistenden Arbeitszeit abgeglichen und verrechnet. Wie man das Kind auch immer nennen möchte, es ändert nichts daran was es ist, jedenfalls nach meiner Meinung.

      Auch hat das Bundesarbeitsgericht in seinem Urteil vom 24.06.2017 festgestellt, dass das 2. Zusatzprotokoll des MRTV einen monatlichen verstetigen Einkommen Rechnung trägt, da der Arbeitgeber im Paragraf 6 des MRTV einen enormen Spielraum hat, was die Mindeststunden betrifft.

      Du sagtest, dass der Abrechnungszeitraum das Quartal ist? Das ist mitnichten der Fall. In Paragraf 8 Ziffer 2 des MRTV steht im Wortlaut:
      Die Abrechnung erfolgt monatlich. Die Entgeltperiode ist der Kalendermonat.
      Die Abrechnung und Auszahlung ist regelmäßig unbar spätestens bis zum 15.
      des Folgemonats vorzunehmen. Abweichende Regelungen gemäß § 6 Ziffer 5
      MRTV oder für den Arbeitnehmer günstigere Regelungen bleiben davon
      unberührt.

      MfG
      Inital

      Initial84 schrieb:

      Du sagtest, dass der Abrechnungszeitraum das Quartal ist? Das ist mitnichten der Fall.


      Nein, das sagte ich nicht.

      Ich habe vom Abrechnungsintervall für den im MTV beschriebenen Quartalsdurchschnitt gesprochen.

      Ihr bekommt monatlich das Geld, was ihr tatsächlich erarbeitet habt. Ergibt sich in einem Quartal eine Differenz zu den 519 Mindeststunden nach unten, muss diese Differenz gem. MTV quartalsweise aufgestockt werden. Aber eben nicht monatlich, denn die Differenz ist vor Ende des Quartals ja scheinbar nicht vorhersehbar.

      Ein besserer Arbeitsvertrag mit klarer geregeltem Gehalt und Gehaltszusammensetzung würde das Problem beseitigen. Aber das ist halt theoretisch eine zweiseitige, in der Praxis dann aber eher eine recht einseitige Sache.

      Aber wenn Du meinst, es sei anders: Verargumentiere das bei Deinem Chef und setze Dich durch.
      Danke für die Antwort. Es ist ja nicht so, dass ich es nicht versucht habe mit meinen Chef zu besprechen. Allerdings behaart er auf seine Meinung und weicht davon nicht ab. Ich habe mittlerweile den Betriebsrat hinzugezogen.

      Ergo bedeutet das für mich, dass mein Arbeitsvertrag, in den 173 Stunden im Monat vereinbart wurden, nicht mal das Papier wert ist, auf dem er gedruckt wurde. Im überigens ist meine Firma die einzige Firma, die eine solche kreative Auslegung des MRTV hat. Bei Gesprächen mit anderen Firmen, auch größere in der Branche wurde mir immer gesagt, dass ist Unsinn.

      Für mich bedeutet das aber auch, dass man in der Sicherheitsbranche kein Anrecht auf vierseitiges Einkommen hat. Da kann man ja jeden nur raten, nicht in dieser Branche zu arbeiten. Selbst als Harzt IV Empfänger weiß man, was man mindestens im Monat zur Verfügung hat.

      hmoerser schrieb:

      Frage: wird im Arbeitsvertrag auf den MRTV bezug genommen? Meines Wissens ist dieser nicht allgemeinverbindlich.


      Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube nicht. Aber mein Chef sagte mir, ich habe mit meiner Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag auch den MRTV unterschrieben. Natürlich ist das Unsinn. Zumal mir keine weitere Firma bekannt ist, die diese Auslegung umsetzt.

      Initial84 schrieb:

      Für mich bedeutet das aber auch, dass man in der Sicherheitsbranche kein Anrecht auf vierseitiges Einkommen hat. Da kann man ja jeden nur raten, nicht in dieser Branche zu arbeiten.


      Wenn Dich die Bezahlung bei Deinem jetzigen Arbeitgeber stört, dann such' Dir einen neuen Arbeitgeber.

      Wenn Du sowieso weniger Stunden als vertraglich vereinbart zugeteilt bekommst, hast Du auch genügend Zeit, um Dich z.B. weiterzuqualifizieren und so in Verbindung mit einer entsprechenden neuen Tätigkeit auch ein höheres Gehalt zu rechtfertigen.

      Ich kann in dieser Branche ziemlich gut mit einem sehr zuverlässigen Einkommen bei einem guten und zuverlässigen Arbeitgeber leben, der sich - so wie ich - an die Inhalte im Arbeitsvertrag hält. Ich habe mich aber auch durch entsprechende Qualifikation selber darum gekümmert, dass das so ist. Wäre es anders, würde ich den Arbeitgeber eben wechseln. Dafür bilde ich mich auch jetzt noch regelmäßig weiter, um entsprechend einen Plan B und einen Plan C zur Verfügung zu haben, auch wenn ich gar keine Wechselabsichten habe.