Schutzweste

      Guten Abend zusammen,
      ich habe vor demnächst beruflich in den Sicherheitsdienst zu wechseln.

      Im Moment beschäftigt mich das Thema Schutzweste.

      Die frage ist was ihr meint das sinnvoll ist???

      Also einfach nur Stichschutz oder Sk1 mit Stichschutz oder gleich nen plate carrier mit Sk4 stand alone Platten.

      Bevor jemand sagt Sk4 tragen nur möchtegern Rambos, ich bin der Meinung das auch das seine Daseinsberechtigung hat.
      Zwar unwahrscheinlich das mans braucht, aber falls doch ist es schön zu haben ;)


      Grüße Ragnar

      Ragnar schrieb:


      Die frage ist was ihr meint das sinnvoll ist???


      Erstmal rausbekommen, wo man künftig als was und wie arbeitet und womit man dort vom Dienstherren ausgestattet wird und was erlaubt/gewünscht ist.

      "Den Sicherheitsdienst" gibt es nunmal nicht.

      Abhängig davon, was man wo tut, ist dann welche Schutzweste ggf. benötigt wird.
      Alles andere ist Kaffeesatzleserei.

      Ragnar schrieb:


      Bevor jemand sagt Sk4 tragen nur möchtegern Rambos, ich bin der Meinung das auch das seine Daseinsberechtigung hat.


      Hat es durchaus, nur zu 98% nicht in Deutschland. Zumal diese Dinger nicht nur Vor- sondern eben auch eine ganze Reihe Nachteile haben.
      Das merkt man dann aber selber, wenn man ein wenig damit zu tun (und nicht nur eine wie auch immer zu Stande gekommene Meinung) hat.
      Das hängt dann aber davon ab, was man wo unter welchen Rahmenbedingungen tut. Aber darauf habe ich glaube ich schon hingewiesen... :whistling:
      Hey Martin
      danke für deine Antwort

      Hauptsächlich werde ich an Flüchtlingsheimen und Veranstaltungen(Fasching etc.) eingesetzt.
      Eine Weste ist selbst zu besorgen und meines Wissens gibts keine Beschränkungen.
      Werd ich aber auf jedenfall nochmal abklären.

      Was für Nachteile bei Sk4 Westen bzw. plate carrier meinst du?
      Klar Gewicht.... was gibts noch?

      Ich bin deswegen der meinung weil ich glaube es ist besser mehr wie weniger schutz zu haben.
      Wenn das Quatsch ist sags mir bitte.
      Ich frag hier ja weil ich was lernen möchte.


      Gruß Ragnar

      Ragnar schrieb:



      Was für Nachteile bei Sk4 Westen bzw. plate carrier meinst du?
      Klar Gewicht.... was gibts noch?


      Mehr Volumen (Thema "Sitzen im Fahrzeug"), weniger Beweglichkeit, bei alleiniger Verwendung von Standalone-Platten deutlich weniger geschützte Fläche, deutlich höhere Kosten, bei SK4 die Problematik des Umgangs mit dem Keramikmaterial (ist bei SK3-HPPE-Platten nicht so problematisch), etc...

      Ragnar schrieb:



      Ich bin deswegen der meinung weil ich glaube es ist besser mehr wie weniger schutz zu haben.
      Wenn das Quatsch ist sags mir bitte.
      Ich frag hier ja weil ich was lernen möchte.

      Gruß Ragnar


      Das ist eben der Punkt:

      Was ist die Bedrohung, der Du ausgesetzt bist?

      Stichwaffen? Hiebwaffen? Schnitte? Kanülen/Spritzen? Küchenutensilien?
      Oder Schusswaffen? Wenn ja eher Lang- oder eher Kurzwaffen? Erwartest Du, dass Dein Gegenüber mit Hartkernmunition schiesst?

      Wenn Du SK4-Standalone-Platten nutzt, hast Du ausschliesslich Schutz im Bereich der Platten, und der ist nicht besonders groß und schützt grade die Stellen wenig, die von Messerkämpfern gerne als Zielfläche genutzt werden.
      Daher ist eine gut geschnittene (und ggf. angepasste) Schnittschutzweste oder Weichballistikweste mit Schnittschutz vielleicht die bessere Wahl.
      Als Nächstes darfst Du überlegen, ob Du willst, dass man die Weste leicht sehen kann oder sie eher nicht so leicht erkennen soll.
      Wenn man sie kaum erkennen soll, wird's dann schon ziemlich teuer und die Thematik Schnittschutz nimmt einen besonderen Stellenwert ein, wenn man eine Kombiweste benötigt. Wenn man sie nicht benötigt, hat man wiederum mehr Optionen.

      Kurzum: Das Thema ist nicht ganz trivial und bei einem Billiganbieter sollte man ebenfalls nicht kaufen. Für eine richtig dimensionierte, an den eigenen Körperbau angepasste Weste muss man zwischen 1.000 und 2.000 Euro veranschlagen. Billiger geht natürlich auch, ist dann aber an irgend einem Punkt mehr oder weniger scheiße, weil man Kompromisse eingeht. Je nach Größe des Kompromisses kann man sich den Westenkauf dann ggf. lieber gleich sparen.
      Stichschutzweste reicht normalerweise aus bzw dürfte die wichtigste Überlegung im sicherheitsdienst sein.
      Die hatte ich mal, ist sehr angenehm zu tragen, was auch ein nicht zu unterschätzendes Kriterium darstellen sollte (man trägt die recht lange).http://polizeibedarf-dagdas.de/artikeldetails/kategorie/polizei-stichschutzwesten/artikel/stichschutzweste-schwarz-oder-dunkelblau.html
      ansonsten kann man auch nach Kombination sk1 und stichschutz nehmen,was aber halt teurer meistens nicht nötig ist.
      Danke für eure Antworten

      @ Martin

      ich rechne am meisten mit Angriffen durch Stich und Hieb Waffen auch Kurzwffen Angriffe gab es in unserer gegend auch immer wieder und Hartkernmunition möcht ich eigentlich nicht unbedingt ausschließen.
      Kannst du mir sagen an welche Firma ich mich für eine angepasste Weste wenden soll?
      Da ich glaube das eine möglichst verdeckt tragbare schon am besten wäre.

      Ich kenn derzeit nur die Shop Anbieter wie best protection und obramo etc.


      gruß Ragnar
      Aus keiner offiziellen Quelle
      Ist eigentlich eher der Gedanke "was ist wenns blöd läuft und jemand doch solche Munition hat".
      Ich bin einfach immernoch der Überzeugung: Lieber haben und nicht brauchen, als brauchen und nicht haben.

      Vielen dank für den Tipp mit BSST


      Gruß Ragnar

      Ragnar schrieb:

      Ich bin einfach immernoch der Überzeugung: Lieber haben und nicht brauchen, als brauchen und nicht haben.


      Und genau da muss man eben vorsichtig sein und deswegen frage ich auch so bohrend nach.

      Im Enthusiasmus schlägt man schnell mal über die Strenge und hat dann auf einmal eine Weste, die für die eigentliche Tätigkeit zu schwer, zu unbeweglich, zu voluminös, zu auffällig und/oder zu unbequem ist. Und dann wird sie weniger oder gar nicht mehr getragen oder das Tragen wird vom Arbeitgeber untersagt. Und dann war die Anschaffung für die Füße.
      Zumal eine sinnvolle Weste nicht besonders günstig ist.

      Was genau man braucht und was zweckmäßig ist, ergibt sich aus einer sinnvollen Gefährdungsanalyse. "Will haben" ist da aus den oben dargelegten Gründen ein ungünstiger Ansatz,

      Ich bin der gleichen Überzeugung wie Du, ich habe aber auch vier bzw. fünf verschiedene Westen für verschiedene Einsatzarten.

      Wenn aus Deiner Sicht eine Gefahr durch Schusswaffen existiert, wäre eine Kombination aus einer sehr dünnen, auf die Körpergröße eingemessene SK1-Einlage und einem Stichschutz in einer guten Unterziehhülle vermutlich die zweckmäßigste Wahl.
      Dabei solltest Du dann aber auch schon mit einem knapp vierstelligen Preis rechnen.
      Danke an alle für eure Antworten

      @Martin: vielen Dank für deine Tipps ich werd mich am Montag gleich mal an bsst wenden.
      Klar wird wie du sagst nicht günstig aber lieber weniger auf em Konto als Tod.^^
      Darf ich fragen wie du das bei deinen Westen gemacht hast, wie sind die aufgebaut?



      Gruß Ragnar

      miskotty schrieb:

      aber ich sehe nichts schlimmes an dem Angebot


      Das hoffe ich, andernfalls wäre es ja noch schlimmer, soetwas zu "empfehlen".

      Beschäftige Dich einfach mal mit Schutzklassen und möglichen Bedrohungen. Vielleicht merkst Du es dann.



      Ragnar schrieb:


      Darf ich fragen wie du das bei deinen Westen gemacht hast, wie sind die aufgebaut?


      1x Aramid-Einlagen SK1, gedacht als Überziehschutzweste oder bewusst sichtbare Unterziehweste. Schnitt recht lang für bessere Abdeckung des Bauchraums, dafür nicht so gut geeignet zum Sitzen im Auto. Durch das recht dicke und wenig flexible Aramidgewebe fängt die Weste Schläge recht gut auf und ist rudimentär schnitthemmend. Plus geeigneten Bezug.

      1x HPPE-Einlagen SK1, gedacht als verdeckt tragbare Unterziehschutzweste. Material ist sehr dünn und unter etwas dickerer Bekleidung (jenseits von T-Shirt) kaum zu erkennen. Dafür sind die Einlagen relativ flexibel und dämpften Schläge schlechter, dennoch rudimentär schnitthemmend. Zusätzlich Traumaeinlagen. Schnitt so, dass man damit gut und lange im Fahrzeug sitzen kann. Zwei Bezüge in verschiedenen Farben und für verschiedene Temperaturen.

      1x SK3 icw-HPPE-Platten plus geeignetem Bezug zum Tragen in Verbindung mit den HPPE-SK1-Einlagen. Die Platten sind mit 1,3 kg/Stück ziemlich leicht. Ebenfalls gut geeignet zum längeren Sitzen im Fahrzeug. Im Bereich der Platten sehr guter Schlag-, Stich- und Schnittschutz plus Schutz vor den meisten tätertypischen Langwaffen. Im Bereich der Weichballistik Schutz vor den meisten tätertypischen Kurzwaffen und rudimentärer Schnittschutz. Zusätzlich ein Bezug mit zusätzlichen Taschen aus Stretch-Material.

      1x Schnittschutz-Kettengewebe ohne Traumaeinlagen. Zum Tragen in Verbindung mit den dafür vorbereiteten HPPE-SK1-Einlagen, die dabei die Funktion der Traumaeinlage übernehmen. In Verbindung von Kette und SK1 recht guter Stich- und optimaler Schnittschutz. Dennoch halbwegs leicht und flexibel. Unter etwas dickerer Bekleidung verdeckt tragbar.
      Ich denke, Du hast die richtige Entscheidung getroffen.

      Das Wichtigste ist, dass Du eine Weste hast, die zu Deinem Körperbau passt. BSST hat ein Größensystem, dass eine ziemlich gute Anpassung an die verschiedenen Statur-Typen ermöglicht. Westen mit Standardgrößen S-XXL können damit nicht konkurrieren und der Unterschied ist eine Menge wert.


      Eine Ergänzung seit der IWA:

      MartinL schrieb:


      1x SK3 icw-HPPE-Platten plus geeignetem Bezug zum Tragen in Verbindung mit den HPPE-SK1-Einlagen. Die Platten sind mit 1,3 kg/Stück ziemlich leicht.


      In 1-2 Monaten kommt eine neue, noch etwas leichtere Plattenversion heraus, die ein geringfügig niedrigeres Schutzniveau bietet (VPAM 6 statt SK3/NIJ III+). Dafür sind die Platten noch ein Stück dünner und pro Platte mit 800 Gramm Gewicht ganze 500 Gramm leichter. Die Platten sind ebenfalls icw, d.h. man kann sich über einer normalen Schutzwesteneinlage tragen oder man kauft für die Verwendung in einem Plattenträger noch zusätzliche, dünne HPPE-SK1-Einlagen in Plattengröße, die dann rechnerisch um die 300 Gramm wiegen müsste.

      Dazu eine leichte Unterzieh-Plattenträger-Hülle mit ca. 450 Gramm ergibt einen verdeckt tragbaren Schutz vor 7,62x39 MSC im Torsobereich mit einem Gesamtgewicht von 2x 800 + 2x 300 + 450 = 2.650 Gramm, der gleichzeitig auf dieser eingeschränkten Fläche auch einen sehr guten Schlag- und Stich-/Schnittschutz bietet. Wenn man sich anschaut, wo die Schutzwestentechnologie noch vor 10 Jahren stand, ist das ein phantastischer Fortschritt.

      Unterer Bauch, Achseln und Seiten sind bei einem Plattenträger aber natürlich nicht geschützt, das muss einem klar sein.