"Erstausstattung" für einen Waffenträger

      "Erstausstattung" für einen Waffenträger

      Momentan bereite ich mich auf die Waffensachkundeprüfung vor und habe im Rahmen dessen ein paar Fragen. Auch wenn akut kein Auftrag ansteht und ich demnach kein Bedürfnis für einen Waffenschein vorweisen kann, möchte ich interessehalber ein paar Fragen an Branchenerfahrene stellen. Zukünftig kann es durchaus der Fall sein, bewaffneten Objektschutz durchführen zu müssen. Personenschutz oder Geld- und Werttransporte kommen eher nicht in Frage.

      Haftpflichtversicherung

      Gibt es für unsere Branche/Tätigkeit bestimmte Versicherungsgesellschaften, die zu empfehlen sind?

      Aufbewahrung von Waffen/Munition

      Gibt es bestimmte Hersteller/Modelle die besonders zu empfehlen sind? ich denke hier an ein Modell, in dem Waffe und Munition gemeinsam aufbewahrt werden können. Der Tresor sollte an der Wand befestigt werden können und mit einem Zahlenschloss versehen sein. Klassische Modelle mit Schlüssel finde ich nicht ideal. Aufbewahrt werden soll nur eine Kurzwaffe mit entsprechender Munition und dazugehörige Unterlagen.

      Waffe

      Die Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Revolver oder Pistole ist sicher auch eine Sache persönlicher Überzeugung. Gibt es z.B. für das Bewachungsgewerbe "branchentypische" Waffen, die aufgrund ihrer Handhabung/Bauart besonders oft/gerne verwendet werden? Mir ist klar das eine konkrete Modellempfehlung immer subjektiv vom Träger abhängt. Gibt es in einschlägiger Fachliteratur/ Fachzeitschriften Vergleiche von bestimmten für unsere Branche geeigneten Modellen?
      Eine "Erstausstattung" für den Waffenträger gibt es pauschal denke ich nicht - der Weidmann sieht das anders! -, das orientiert sich meiner Ansicht nach am Verwendungszweck. Versicherungstechnisch kann dir hier der User @Confirmo sehr gut helfen. Vergangenes Jahr hatten wir eine Diskussion über die Zusammen-Aufbewahrung von Waffen und Munition: Führen und Lagerung von Waffen und Munition. Dazu gab es vom User @MartinL eine ausführliche und gute Antwort. Zu beachten ist das in dem Artikel verlinkte Urteil, und natürlich der jeweils aktuelle Inhalt vom § 36 aus dem Waffengesetz dazu.

      Theoderich schrieb:


      Aufbewahrung von Waffen/Munition

      Gibt es bestimmte Hersteller/Modelle die besonders zu empfehlen sind? ich denke hier an ein Modell, in dem Waffe und Munition gemeinsam aufbewahrt werden können. Der Tresor sollte an der Wand befestigt werden können und mit einem Zahlenschloss versehen sein. Klassische Modelle mit Schlüssel finde ich nicht ideal. Aufbewahrt werden soll nur eine Kurzwaffe mit entsprechender Munition und dazugehörige Unterlagen.


      Da Du sowieso Waffen und Munition gemeinsam* lagern möchtest, kommt nur ein Schrank in Widerstandsgrad 0 nach Norm DIN/EN 1143­1 in Frage.
      Von der A/B Ausnahmeregelung bzw. Überkreuzlagerung würde ich raten Abstand zu nehmen, zumal davon auszugehen ist, dass bei der nächsten Verschärfung der Aufbewahrungsrichtlinien A- und B-Schränke nicht mehr zulässig sein werden. Wie dann evtl. Übergangsregelungen gestaltet werden, steht in den Sternen...

      Bezüglich des Schlosses ist ein elektronisches Zahlenschloss am praktischsten; die Möglichkeit, eine externe Batterie anzuschliessen sollte vorhanden sein.

      Herstellerseitig gibt es da IMHO keine wirklichen Tipps. Ich würde auf einen deutschen Hersteller achten, bei ausländischen Produkten - insbesondere aus China - ist eine Konformität trotz der Angaben auf dem Typenschild nicht immer sichergestellt. Wenn Größe, Montagemöglichkeit und Preis passen, dann kann man IMHO "überall" bei den bekannten Herstellern bedenkenlos kaufen und auf gewünschte Eigenschaften achten.


      * Achtung! Gemeinsame Lagerung von Waffen und Munition bedeutet nicht, dass man Waffen schussbereit lagern darf. Hierzu gibt es mittlerweile Urteile, die aufgrund dieses Umstandes die Zuverlässigkeit absprechen, da man dabei "allgemeine Regeln im sicheren Umgang mit Schusswaffen" verletzt. Das kann man zwar theoretisch aus §5 Abs. 1 Nr. 2 b) WaffG ableiten, würde aber auch bedeuten, dass grob ein Drittel bis die Hälfte aller Polizisten nicht zuverlässig i.S.d.WaffG wären... :whistling:
      Fakt ist: Waffen sollte man nicht schussbereit aufbewahren.


      Theoderich schrieb:


      Waffe

      Die Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Revolver oder Pistole ist sicher auch eine Sache persönlicher Überzeugung. Gibt es z.B. für das Bewachungsgewerbe "branchentypische" Waffen, die aufgrund ihrer Handhabung/Bauart besonders oft/gerne verwendet werden? Mir ist klar das eine konkrete Modellempfehlung immer subjektiv vom Träger abhängt. Gibt es in einschlägiger Fachliteratur/ Fachzeitschriften Vergleiche von bestimmten für unsere Branche geeigneten Modellen?


      "Revolver oder Pistole" ist heutzutage IMHO keine Sache persönlicher Überzeugung mehr.

      Revolver haben hinsichtlich der Zuverlässigkeit gegenüber modernen Selbstladepistolen keinen Vorteil mehr.

      Billige Revolver sind eben das: billig. Bei entsprechender Abnahme liegt man da bei 250-300€ das Stück und damit etwa bei der Hälfte des Preises für eine Selbstladepistole.
      Wer das Ding sich oder seinen Mitarbeitern also ausschliesslich aus Versicherungsgründen mitgibt und nicht zum Selbstschutz, der kann da also Geld sparen.
      Nachladen, Störungsbeseitigungen, Bedienung, all das geht mit Selbstladepistolen schneller und vor allem auch bei Bedarf einfacher einhändig. Da sind Revolver merklich im Nachteil.

      Wer das Führen von Waffen so ernst nimmt, wie es genommen werden sollte, wird von Revolvern heute weit Abstand halten.

      Ansonsten kannst Du im deutschen Bewachungsgewerbe echt alles finden. Von der museumsreifen PPK bis hin zum Neuesten, was der Markt bietet.
      Irgendwelche Zeitschriftenartikel bringen Dich da auch nicht wirklich weiter. Dazu musst Du alles selber mal ausprobieren und eigene "Hands-on" Erfahrung sammeln, damit Du das für Dich und Deine Bedürfnisse richtig einschätzen kannst. Papier ist geduldig und hilft Dir auch nicht, ergonomische Gesichtspunkte zu erkunden.

      Wenn man mal die Anforderungen an moderne Dienstpistolen auflistet und dann das auf dem Markt verfügbare dagegenstellt, sind IMHO immer noch professionellster kleinster gemeinsamer Nenner Glock Pistolen im Kaliber 9x19. Je nach Bedürfnis und Anwendung die Modelle 17 (groß), 19 (kompakt) oder 26 (subkompakt). Je nach Größe lassen sich die Waffen besser oder schlechter verdeckt führen, wobei das nach Deiner Frage ja eher weniger eine Rolle spielen wird.

      Ja, auch andere Hersteller (Walter, HK, SIG) stellen heutzutage moderne, nutzbare Polymerdienstpistolen her. Die sind für sich gesehen zum Teil sogar die "besseren Pistolen" im Vergleich zur Glock. Die SFP9 von HK ist dafür ein Beispiel. Die Waffe ist ergonomischer als die Glock und hat in der -SF Variante einen etwas besseren Abzug (der aber auch seine eigenen Problemchen hat). Bei diesen alternativen Optionen wird aber spätestens bei jedem zweiten Modell die Bauform so geändert, dass die Waffen neue Holster benötigen und bei fast jedem neuen Modell sind die Magazine nicht mehr miteinander kompatibel. So wird eine für sich genommen evtl. "bessere" Waffe im Gesamtzusammenhang und für den dienstlichen Gebrauch dann doch "schlechter".
      Bei Glock erwirbt man ein "Waffensystem", das seit seiner Erfindung gewissen Formaten treu geblieben ist. Meine ersten - jetzt mittlerweile 20 Jahre alten - Magazine (m)einer Glock 19 Generation 2.5 passen noch in eine ganz aktuelle Glock Generation 4. Die neue Waffe passt in das Holster von vor 20 Jahren, die alte Waffe passt in für die moderne Waffe gefertigten Holster. Die Handhabung ist identisch und die Wartung gleich und vor allem die Ersatzteile günstig. Hier ergeben sich also langfristige Einsparpotentiale. In der Zwischenzeit haben andere Hersteller 5-8 verschiedene Kurzwaffenmodelle herausgebracht, wo die Holster alle zueinander inkompatibel sind, die Magazine nichtmal innerhalb der gleichen Modellreihe alle kompatibel sind und von denen einige Modelle schon gar nicht mehr nachzukaufen sind, weil die Produktion eingestellt wurde. Betriebswirtschaftlich gesehen sollte man auch solche Überlegungen mit einbeziehen...

      Mit der Generation 4 sind mittlerweile auch die Schwachpunkte der Generation 3 hinsichtlich variabler Griffgröße und Bedienung durch Linkshänder weitgehend adressiert, so dass man die heute auch mit gutem Gewissen empfehlen kann.

      Bezüglich "Erstausstattung" ist es wieder stark davon abhängig, was genau Du mit der Waffe tun willst. Sowohl die Waffe als auch die dazugehörige Ausrüstung ist ein Werkzeug, das auf den jeweiligen Job abgestimmt werden muss.

      Holster zum verdeckten Führen im Personenschutz benötigen andere Eigenschaften als Holster, die zum offenen Führen im Aussenbereich mit öffentlichem Verkehr geeignet sind. Wenn man mit geholsterter Waffe im Fahrzeug unterwegs ist, muss es häufig anders sitzen als wenn man damit nur zu Fuss Objekte bestreift.
      Magazinhalter für Reservemagazine können im Personenschutz offen sein, bei offenem Führen sind verschlossene Taschen ratsamer, so dass man eine unbemerkte Wegnahme schwerer macht.

      Wenn man vom bewaffneten Objektschutz ausgeht und erstmal annimmt, dass dabei nicht mit Fahrzeugen gefahren wird, ist ein Dienstholster mit mindestens zwei unabhängigen Sicherungen ratsam, das wiederum montiert auf einem stabilen Gürtel (IMHO direkt eingeschlauft, diese Ober-/Untergürtel-Kombinationen taugen im Ernstfall nur beschränkt und dienen rein der Bequemlichkeit). Die Magazintaschen für mindestens 2 Reservemagazine sollten geschlossen sein. Die Dienstmunition sollte unnötige Umfeldgefährdung minimieren, dabei aber eine zuverlässige Funktion sicherstellen und eine schnelle Energieabgabe im Ziel erreichen.
      Vom Format her wäre eine Glock 17 Generation 4 die zweckmässigste Waffe.

      Ab da kann man dann überlegen, ob man nicht in die eine oder andere Richtung Kompromisse eingeht und was diese dann für Folgen haben.
      Eine Glock 19 ist denkbar, wenn man ggf. doch die Waffe gelegentlich mal verdeckt führen muss/möchte.
      Ein Holster mit verstellbarem Steg oder auf einer Adapterplatte ist denkbar, um Einstellmöglichkeiten zu haben, wenn man mit Fahrzeugen unterwegs ist.
      Und so weiter, und so fort... :whistling:

      Sorry, wieder viel Text. Ist halt mein Lieblingsthema, ich bitte um Entschuldigung und Verständnis... :saint:
      @MartinL Vielen Dank für deine sehr ausführliche und unfangreiche Antwort. Das ist genau die Antwort die ich gesucht habe, Die Frage nach dem Holster hatte ich noch gar nicht bedacht.

      Wie verhält es sich eigentlich mit der Krankenversicherung, wenn man bewaffnete Dienste ausführt? Muss man das der Kasse melden da es sich ja dann um ein höheres Berufsrisiko handelt als der "normale" Objektschutz?

      Josef schrieb:

      Ich finde das sehr interessant. Ich dachte bis jetzt immer, das der Revolver aufgrund seines einfachen Prinzips unanfälliger für Störungen ist.
      Man lernt nie aus!


      Wenn ein Revolver eine Störung hat (Trommel dreht nicht mehr, Trommel lässt sich nicht mehr ausschwenken, Schlagstück wird nicht mehr freigegeben), ist die vom Schützen meist nicht in kurzer Zeit zu beheben. Ursache sind hier meist mechanische Defekte.
      Wenn eine Selbstladepistole eine Störung hat, ist das meist ein Bedienfehler oder eine Zufuhr- oder Auswurfstörung, die sich innerhalb von Sekunden beheben lässt.
      Anekdote: Leider weiß ich nicht mehr welche Waffe es war, schon sehr lange her. Da hat ein Kollege das volle Magazin in die Waffe "gerammt" und wollte anschließend fertig laden ... ging nicht, es lag eine "Störung" vor. Der Grund dafür: Das Magazin war seitenverkehrt eingeführt (Patronenboden zeigte nach vorne). Ob das bei neueren Waffen möglich ist kann ich nicht sagen, da nie probiert.
      War gestern bei der praktischen Prüfung der WSK. Geschossen wurde mit verschiedenen Lang- und Kurzwaffen in unterschiedlichen Kalibern. Einer der Ausbilder hatte ein Glock 17 dabei (mit dieser wurde aber nicht geschossen). Ein anderer Ausbilder hat die Glock als "Tupperware aus Österreich" bezeichnet ;)
      @MartinL

      Es war eine umfassende Waffensachkundeprüfung die auch für das Bewachungsgewerbe geeignet ist. Wir haben mit zwei Revolvern Kaliber .357 und .22 sowie 3 Pistolen mit unterschiedlicher 9mm Munition geschossen. Die Glock war die private Waffe eines der Ausbilder die aber im Rahmen der Prüfung nicht genutzt wurde. Die Meinung des anderen Ausbilders zur Glock war wohl auch nicht ganz ernst gemeint ;)
      Wer fragt, bringt damit zum Ausdruck, dass er etwas nicht weiß, aber wissen möchte. Das kann nicht dumm sein. Wer antwortet, sollte jedoch eine Ahnung haben, von dem worüber er redet. Dies ist leider häufig nicht der Fall. So kommt es dann zu dummen Antworten..
      Die Probleme mit dieser skurrilen Auslegung des gesetzgeberischen Willens erlebe ich grade live rund um mich herum.
      Teilweise ist es echt absurd, wie unterschiedlich das WaffG deutschlandweit gehandhabt wird.
      Und das es dazu auch noch vollkommen anlasslos und politisch motiviert unnötig verschärft wird, ohne dass dazu eine politische Mehrheit existiert, macht die Sache nicht besser.

      Es bleibt zu hoffen, dass da irgendwann doch nochmal Vernunft einsetzt.
      Es kommt davon das es gewollt ist, nicht jedes Amt wurde gleich informiert, das ist dieaktuelle Politik. Das kann man mir jetzt glauben oder auch nicht, jedoch beobachten wir das jetzt 4 Jahre und haben alle Informationen gesammelt und ausgewertet. Wer wirklich einen Rat oder Hilfe benötigt, kann sich gerne melden.
      Wer fragt, bringt damit zum Ausdruck, dass er etwas nicht weiß, aber wissen möchte. Das kann nicht dumm sein. Wer antwortet, sollte jedoch eine Ahnung haben, von dem worüber er redet. Dies ist leider häufig nicht der Fall. So kommt es dann zu dummen Antworten..

      Aufseher schrieb:

      Teilweise kommt das evtl.davon, das die örtlichen Beamten sich mit diesem sich ständig ändernden Gesetz nicht wirklich auseinandersetzen?


      Dass Sachbearbeiter nicht zwangsläufig sachkundig sein müssen, ist das Eine. Da gibt es Solche und Solche.

      Hier geht es aber um politischen Willen, der - je nach politischer Strömung im jeweiligen Bundesland - mal mehr oder mal weniger restriktiv ausgeprägt durch ministeriale Weisungen und Handlungsleitfäden auf die Fähigkeit oder Unfähigkeit der unteren Waffenbehörden noch zuätzlich aufoktroyiert wird...

      MartinL schrieb:

      Theoderich schrieb:
      Einer der Ausbilder hatte ein Glock 17 dabei (mit dieser wurde aber nicht geschossen).



      Was ist das denn für ein Blödsinn?

      Das war aber schon eine Sachkundeausbildung für Berufswaffenträger, ja?


      Also bei unsere Ausbilder waren auf dem Schießstand auch ständig bewaffnet. Ich finde es verständlich - schließlich sind sie mit einer Hode unbekannter auf relativ engem Raum und drücken denen auch noch scharfe Waffen u. Munition in die Hand ...

      Escapes schrieb:

      habe nur als Verteidigung mal ein Abwehrspray da..


      Von Deinem dienstlich nach Belieben geführten Pfefferspray lese ich nun schon das zweite Mal. Ich mag da falsch liegen, aber ist das nicht sogar unzulässig, wenn es nicht explizit in der Dienstanweisung steht?

      PeeWee schrieb:




      Also bei unsere Ausbilder waren auf dem Schießstand auch ständig bewaffnet. Ich finde es verständlich - schließlich sind sie mit einer Hode unbekannter auf relativ engem Raum und drücken denen auch noch scharfe Waffen u. Munition in die Hand ...


      Und diese Helden in Unterhosen leisten sich dann ein reaktives Feuergefecht, wenn sich einer der Teilnehmer auf dem Schiessstand darin versucht einer Schusswaffe zu bemächtigen? :rolleyes:
      Oder erschiessen sie den Auszubildenden, der zu dumm ist und sich mit der Waffe in der Hand umdreht? Denk' vielleicht nochmal drüber nach...

      ​Was sie auf alle Fälle nicht tun, ist die Teilnehmer an der zweckmäßigsten Dienstwaffe für das Sicherheitsgewerbe auszubilden, obwohl sie vor Ort ist. Und DAS ist durchaus eine Leistung, und nicht unbedingt im positivsten Sinne.
      ..