SEK Viele Schüsse

      Das ist zwar schon nicht wenig, bewegt sich beim Beschiessen eines KFZ aber grundsätzlich noch im Bereich des Normalen.
      Ob man die Waffe hätte etwas vorsichtiger einsetzen müssen, hängt IMHO primär von der Umgebung und der sich daraus ergebenden Gefährdung unbeteiligter Dritter ab. Aber da hat es ja wohl nur eine Schaufensterscheibe erwischtt

      Und das Video belegt durchaus, dass der Herr "Gemüsehändler", der zum Schutz gegen "Einbrecher" eine illegale Schusswaffe führt, zuerst geschossen hat. Nach dem erfolglosen Versuch, die Seitenscheibe einzuschlagen um dem nachfolgenden Beamten die Möglichkeit zu eröffnen, die Zielperson aus dem Fenster zu ziehen (ganz so einfach ist das nicht, so ein Ding kaputtzubekommen, auch mit "Glasbrecher"), schiesst Panahi zuerst aus der Seitenscheibe.
      Im Video sieht man eindeutig, dass das Glas der zerschossenen Scheibe durch den Gasdruck der Waffe nach Außen fällt. Hätte der Beamte zuerst geschossen, wäre das Glas nach Innen gedrückt worden.
      Erst danach erwiedert der SEK-Beamte, der nach dem erfolglosen Fensterscheibenschlag wie geplant seine Sicherungsposition vorne links am Fahrzeug eingenommen hat als erster das Feuer.

      Ich hab' keine Ahnung, wer den Prozess auf Polizeiseite begleitet hat, aber das Urteil ist für mich unverständlich (es sei denn, der Richter hat ein anderes Video gesehen als das öffentlich Verbreitete) und die Beteiligten müssen scheinbar recht ahnungslos sein, anders ist das nicht so wirklich zu erklären...
      Da der "Gemüsehändler" sich tief ins Auto duckte, war er sehr schwer zu treffen. Und aus der Bewegung zu schießen, die Eigensicherung beachten, keinen Kollegen treffen und auch von diesen nicht getroffen zu werden, ist auch für SEK Leute nicht einfach. Zudem hatten die Beamten keine Deckung, und mussten so aufs ganze gehen. Da wird dann in den Medien schnell kritisiert! Es wurde ja auch in Würzburg gemeckert, das man den Attentäter erschossen hat, wären die Kritiker in der gleichen Situation, sie würden nicht anders handeln. Aber wenn man es nicht selbst machen muss, ist man ja in einer bequemen Position!
      Mfg Josef

      Aufseher schrieb:

      Wieso erfolgte der Zugriff nicht, bevor der ins Auto stieg?


      Zum einen war es ein Notzugriff. Da sitzt man nicht vorher stundenlang rum und grübelt Taktiken aus.
      Es war bekannt, dass der Täter mehrere illegale Waffen besitzt, von deren Nutzung war also auszugehen.

      Dieser Ansatz wird gewählt worden sein, weil er dann die Annäherung der Einsatzkräfte nicht mitbekommt (grade in's Auto eingestiegen fummelst Du mit dem Zündschlüssel, schnallst Dich an, lässt den Wagen an) und deutlich weniger Zeit zum Reagieren hast. Die wenigsten Leute schiessen innerhalb ihres Autos. Das ist ein ungewohntes Ding und kaum jemand hat sowas schonmal gemacht. Die Überlegung hat hier dann nicht gegriffen, bei jemand anderem hätte das aber vielleicht funktioniert.

      Die Zugriffstaktik basiert auf einem gewissen Schockeffekt. Die Zielperson steigt grade in's Auto ein und beschäftigt sich mit sich selbst, auf einmal fliegt ihr die Seitenscheibe in tausend Bruchstücken entgegen und beim Blick auf die Ursache rennt jemand am Auto vorbei nach vorne, da schaut man dann unterbewusst hin. Praktisch zeitgleich greift dann jemand durch die defekte Seitenscheibe und zerrt einen aus dem Fenster (zumindest soweit, wie es geht, falls der Gurt schon dran ist). #3 sichert ebenfalls, #4 unterstützt beim Entfernen aus dem Auto.

      Das Ding steht und fällt mit dem erfolgreichen Einschlagen der Scheibe - und das ging hier schief. Im optimalen Fall nutzt man da auch was anderes als einen Schlagstock, bessere Werkzeuge sind bei einem Notzugriff aber häufig nicht dabei, wenn man z.B. aus einer Observation heraus die Entscheidung für einen Zugriff umzusetzen hat.
      Wenn das Gegenüber auch noch so abgewichst ist, selbst in so einer Situation ziemlich schnell nach seiner Waffe zu greifen und die dann auch einzusetzen, kann sowas wie hier halt auch eskalieren.

      Und wer schonmal ein Auto beschossen hat, weiss auch, dass da nicht jedes Geschoss macht, was man von ihm eigentlich erwartet. Insofern kann das "Schiessen bis Wirkung erkennbar" auch mal dauern. Vor allem, wenn nix erkennbar ist.

      Aufseher schrieb:

      Für mich ein Video, das viele offene Fragen zurücklässt.


      Für mich eher nicht. Für mich ist wie gesagt vielmehr das Urteil und die Leistung der Prozessbeteiligten fragwürdig.