Bestes Abwehrspray?

      Was ist verhältnismäßiger:
      1. gebrochene Nase, Jochbein, geplatzte Augenbraue oder andere durch unmittelbare einfache körperliche Gewalt (Faustschläge o. ä.) hervorgerufene Verletzungen oder:
      2. eine vorübergehende Reizung der Schleimhäute, Augen, Nase und kurzzeitige Schmerzen.

      Davon abgesehen, muss man sich nicht auf ein unsicheres Mittel verweisen lassen, wenn die Eingriffsnotwendigkeit (oder auch Erforderlichkeit) besteht.

      Ich zitiere mal § 34a GewO:
      ​(5) 1Der Gewerbetreibende und seine Beschäftigten dürfen bei der Durchführung von Bewachungsaufgaben gegenüber Dritten nur die Rechte, die Jedermann im Falle einer Notwehr, eines Notstandes oder einer Selbsthilfe zustehen, die ihnen vom jeweiligen Auftraggeber vertraglich übertragenen Selbsthilferechte sowie die ihnen gegebenenfalls in Fällen gesetzlicher Übertragung zustehenden Befugnisse eigenverantwortlich ausüben. 2In den Fällen der Inanspruchnahme dieser Rechte und Befugnisse ist der Grundsatz der Erforderlichkeit zu beachten.


      Erforderlichkeit:
      ​Es darf kein milderes, gleichsam effektives Mittel zur Verfügung stehen, die Gefahr abzuwenden.


      Die Verhältnismäßigkeit soll den Bürger vor unverhältnismäßigen Übergriffen durch den Staat schützen:
      ​Eines der Merkmale des deutschen Rechtsstaates ist der „Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“, der auch als „Verhältnismäßigkeitsprinzip“ bezeichnet wird. Dieses Prinzip dient dem Zweck, die Bürger vor übermäßigen Übergriffen des Staates in die allgemeinen Grundrechte zu schützen und wird deswegen auch als „Übermaßverbot“ bezeichnet. Ganz besonders dient es dem Schutz der allgemeinen Handlungsfreiheit gemäß Art. 2 Abs. 1 GG.


      Die Erforderlichkeit ist ein Element des Verhältnismäßigkeitsprinzips, daher wird das ganz gern über einen Kamm geschoren, was aber im Detail natürlich nicht zutrifft.

      Bleibt gesund
      Zur Erforderlichkeit der Verteidigungshandlung
      Eine Verteidigungshandlung ist erforderlich, die auf die schonendste Weise mit dem mildesten zur Verfügung stehenden Mittel den Angriff effektiv und endgültig abwehren kann, wobei sich der Angegriffene nicht auf das Risiko einer ungenügenden Abwehrhandlung einzulassen braucht.​


      Kurz als Backgroundwissen:
      CS Gas (2-Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril) wurde vom PTB und BKA als Verteidigungsmittel zugelassen. Damals wurde das ganze durch Tests an Menschen getestet.
      Zeitnah nach der Zulassung von CSGas gab es eine Änderung der Gesetze die diese Tests betreffen. Diese Versuche wurde untersagt.
      Damit konnte Pfeffer ( Capsaicin) nicht mehr getestet und zugelassen werden.

      Das ist auch der Grund warum es Pfefferspray in anderen Ausbringungsformen (Gel, Schaum, Strahl) gibt und andere Fassungsvermögen erlaubt sind, wie bei dem CS-Gas.

      Anlage 1 WaffG liefert auch noch Input:
      ​aus denen Reizstoffe versprüht oder ausgestoßen werden, die eine Reichweite bis zu 2 m haben (Reizstoffsprühgeräte)


      Damit sind die Pfeffersprays keine Reizstoffsprühgeräte, da diese die Reichweitenbegrenzung nicht einhalten (müssen), da diese nicht für eine Anwendung auf den Menschen bestimmt sind (da nicht dafür getestet und zugelassen).

      Und ebenfalls aus dem WaffG:
      ​Reizstoffe sind Stoffe, die bei ihrer bestimmungsgemäßen Anwendung auf den Menschen eine belästigende Wirkung durch Haut- und Schleimhautreizung, insbesondere durch einen Augenreiz ausüben und resorptiv nicht giftig wirken.


      Damit sind Capsaicinenthaltende Druckdosen nichtmal Reizstoffsprühgeräte, da Capsaicin nicht bestimmungsgemäß gegen Menschen angewendet werden, sondern eben nur gegen Tiere.

      Meiner Meinung sind damit "Pfeffersprays" ein milderes Mittel als einfache körperliche Gewalt.
      Auch wenn diese Meinung sicherlich bei den meisten Richtern nicht auf viel Zustimmung treffen dürfte. Aber es gibt ja bekanntlich eine Differenz zwischen Literatur und Rechtsprechung in der Praxis.

      Bleibt gesund
      Wenn 1) die einzige Alternative zu 2) aus dem Handlungstopf ist, sollte man sich vielleicht einen anderen Job suchen.

      Vor allem, wenn 2) nicht nur den Agressor betrifft , sondern evtl. auch unbeteiligte Dritte davon getroffen werden.

      Aber das kann jeder gerne machen, wie er meint und muss dann halt mit den Konsequenzen leben.