Ich bin Dienstleister und muss....!!!???

    Ich bin Dienstleister und muss....!!!???

    Hallo Forum,

    mein Name ist Ulf und ich muss dringend einmal Dampf ablassen. Kurz zu meiner Person. Ich bin 58 Jahre alt und arbeite als Sicherheitskraft im Einkaufszentrum für ein bekanntes Bewachungsunternehmen. Ich war zuvor 16 Jahre bei der Bundeswehr im Feldjägerdienst als zuletzt Stabsfeldwebel unterwegs. Nach einer Messerstecherei habe ich jedoch eine Verletzung am Oberarm erlitten. Eine Verletzung mit degenerativen Folgen. Nach viel hin und her also der Ausstieg aus der Bundeswehr. Nach Bdf und einigen Praktika ist nun die private Sicherheitsbranche mein neues Zuhause.

    So viel zu mir. Jetzt zum eigentlichen Thema. Wie ich schon geschrieben habe, bin ich Wachmann in einem großen Einkaufszentrum. Die Tätigkeit macht mir im Allgemeinen viel Spaß aber gewisse interne Regelungen stoßen mir immer wieder auf. Es ist bei uns so, dass wir als Wachleute das letzte Rad am Wagen sind. Wir sind die niedrigste Ebene in diesem Einkaufszentrum. Sogar die Putzleute & Hausmeister dürfen uns Dienstanweisungen geben!? Nachdem wieder einmal ein Azubi von uns den Kaffeeholer für des Centermanagement spielen durfte, ist genau in dieser Zeit ein kleiner Schmuckladen ausgeraubt worden. Der Kollege, der in dieser Etage positioniert war, war der Azubi, der Kaffee für das Centermanagement holen musste. Der Posten war also zur Tat nicht besetzt. Die Ironie ist, dass unsere Firma jetzt ein fetten Einlauf vom Kunden erhalten hat. Dieser Anschiss wurde selbstverständlich unverzüglich mit großen Geschreie an uns weitergeleitet. Ich hatte also versucht zu erklären, dass das Centermanagement selber dafür verantwortlich ist, dass dieser Bereich nicht durch einen Kollegen abgesichert war, weil dieser ohne das Wissen des Schichtleiter zum Sklavendienst abkommandiert wurde. Unsere Firmeleitung erwiederte nur: „Es ist uns egal, wem ihr wann Kaffee bringen müsst, macht es einfach denn ihr seit Dienstleister. Aber wenn noch einmal jemand nicht auf seinen Posten ist und es passiert etwas, ist derjenige Schuld und wird zur Rechenschaft gezogen“. Der Kollege Azubi hat sodann eine Abmahnung erhalten und wurde ins Museum versetzt.
    Ich bin einfach nur fassungslos. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Wirklich alles so extrem unter meiner Würde. Ich möchte nun so gerne etwas dagegen machen. Denn ich habe es satt immer nur zuzusehen. Mir auch egal, ob ich gekündigt werde.

    Was würdet ihr an meiner Stelle machen?
    Hallo Mr. Bundeswehr,

    deine Situation ist in der Tat etwas verzwickt und durchaus nicht zufriedenstellend.
    Auf der einen Seite steht euer Auftraggeber, welcher vertraglich vereinbarte Sicherheitsdienstleistungen in Anspruch nimmt und diese bezahlt und auf der anderen Seite dein Arbeitgeber, welcher damit Geld verdient.
    Richtig, Sicherheitsdienstleistungen, Kaffee holen zählt da nicht dazu.
    Das Centermanagement weiß selbstverständlich dass es Mist gebaut hat und einen großen Teil der Mitschuld trägt, aber es ist natürlich einfach alles auf den Dienstleister zu schieben.
    Dein Chef will das Objekt nicht verlieren und meckert euch an. Ein Teufelskreis, aber alles nichts Neues und Unbekanntes in unserer Branche.
    Ich sag mal, Herzlich Willkommen !!! :whistling:

    Warum euch Hausmeister und Putzleute Dienstanweisungen geben dürfen ist mir etwas rätselhaft.
    Der einzige der einem Dienstanweisungen geben kann ist der eigene Chef mittels Direktionsrecht oder der Auftraggeber weil es vertraglich vereinbart wurde.
    Allerdings kenne ich eure Verträge nicht.
    Aber da hilft nachfragen beim Chef.

    Der nächste Punkt der hier etwas unklar ist, ist dass der Azubi allein auf einer Etage steht.
    Meines Wissens darf ein Azubi nicht alleine arbeiten, sondern braucht immer eine Begleitung.
    Da können aber vielleicht die User mit Ausbildungsberechtigung weiter helfen.

    Der Satz den dein Arbeitgeber da gebracht hat ist allerdings auch nicht ganz ohne. Klingt schon sehr nötigend.
    Würde ich mal im Hinterkopf behalten falls es mal arbeitsrechtlich was in dem Fall zu besprechen gibt.

    Gut, wie nun weiter?
    Als Erstes würde ich an deiner Stelle mal versuchen einen Kontakt zu deinem Objektleiter herzustellen und mal für euch im Team eine Schlussfolgerung aus dem Geschehen zu ziehen und ein paar Punkte die euch generell im Objekt sauer aufstoßen zusammen zu tragen.

    Versucht mal eine Art Dienstberatung zu organisieren, bei der dann auch ein Vorgesetzter anwesend ist und tragt ihm das vor.
    Seine Aufgabe ist es dann, dem Auftraggeber klar zu machen dass ihr zwar Dienstleister seid, aber dennoch Menschen, und kein Nutzvieh dass man rum kommandiert und rumschubst.

    Willst du das nicht oder erachtest das nicht für sinnvoll kannst du dich natürlich auch an den Betriebsrat wenden.
    Dieser sollte wissen was zu tun ist.

    Wenn du auch das nicht möchtest rede am besten direkt mit deinem Chef. Du kennst ihn am besten und musst im Vorfeld entscheiden ob das was bringt. Steht ihr auf Kriegsfuß kannst du das aber gleich wieder verwerfen.

    Wenn du gar nicht mehr weiter weißt oder willst lass dich doch in ein anderes Objekt versetzen.
    Es bringt keinem etwas wenn du absolut unmotiviert an die Arbeit gehst. Da machst du dich auf Dauer kaputt.

    Last but not least: (Ironie beachten)
    Wenn du eine Kündigung akzeptieren kannst, hau ordentlich auf den Tisch und sag deinem Chef was dir alles nicht passt.


    Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
    Albert Einstein
    Immer wieder eigenartig, was sich Menschen alles im Job bieten lassen...
    Putzkolonne und Hausdackel haben euch nichts zu sagen, das liegt einzig und allein bei eurem Vorgesetzten, der es per DA regelt, nichts anderes. Gleiches gilt für´s Kaffee holen, ihr seid nicht im Housekeeping beschäftigt! *kopfschüttel*
    "Wer in die Fußstapfen anderer tritt hinterlässt keine eigenen Spuren" (Wilhelm Busch)
    Bevor ich die Sicherheitsbranche verlassen habe, durfte ich auch so einen centerdienst machen. Merkwürdigerweise fing der Hausmeister an, mir Anweisungen zu erteilen. Sollte u.a bei seinen Kleinreparaturen etc mithelfen. Ich habe diesem Hausmeister, der selbst von einer Leihfirma kam, schnell klar gemacht, dass ER der Hausmeister ist und ich der Sicherheitsmitarbeiter und jeder seinen Job machen soll. Dann gabs Ruhe. Wenn man einen Maler oder Elektriker holt, wird er ja auch nicht für beliebige Tätigkeiten eingesetzt. Welche Qualifikationen hat ein Hausmeister bezüglich Sicherheit, Recht und Gesetz, dass er mir Weisungen erteilen kann? Auch wenn man sich versetzen lässt, man ist ein Leiharbeiter, den man beliebige Tätigkeiten erledigen lässt. Mit 58 mag es schwierig sein, was anderes anzufangen, aber ich rate jedem davon ab, der noch keine 40 ist, sein Leben im Sicherheitsgewerbe zu verschwenden.
    Eindeutig! Organisiert euch in der Gewerkschaft, in unserem Falle Verdi...

    Ich war selbst 5 Jahre im Trachtenverein und weiß wie du dich fühlst. Deshalb merke: Sind wir im Krieg!? Der Chef ist nicht das Parlament!

    Ich musste lernen viele soldatische Tugenden in diesem Gewerbe abzulegen, denn sie werden ausgenutzt. Ich musste viele Gesetze wälzen. Lernt was ihr dürft, was ihr nach Arbeitsvertrag machen sollt und SETZT ES DURCH. Nur so ist eine positive Veränderung möglich. Das es einen den Job kosten kann, na und! Nächste Woche haste einen neuen...Das ist der große Vorteil in diesem Gewerbe.

    In meiner physisch, soziologischen Konstellation manifestiert sich die absolute Dominanz positiver Impressionen meines Individiums

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    Mr.Bundeswehr schrieb:

    Sogar die Putzleute & Hausmeister dürfen uns Dienstanweisungen geben!?


    Ist schon eigenartig, scheinbar liegt es an meinem Temperament, aber nachdem ich die Putzkraft und den Hausmeister wegen schlampiger Arbeit gemaßregelt habe, haben Diese Respekt vor mir und besorgen sogar die Brötchen vom Bäcker für mich. 8o
    DRAGGI

    Dienstübergabe zum Spätdienst:

    Ich: "Weißt Du wer heute nach Dir gefragt hat?"
    Er: "Öhm :whistling: WER?"
    Ich: "KEINER!" ...

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Draggi“ ()

    @ Mr. Bundeswehr
    Die Wurzel des Problems ist dein eigener Chef: Der muss zum Centermanagement und denen klar machen, dass du eben nicht dazu da bist, den Kaffeeboten zu mimen, sondern Sicherheit gewährleisten sollst. Hintergrund: Die einzelnen Geschäfte im Center haben einen Mietvertrag mit dem Centermanagement und bezahlen für die Sicherheit. Die haben einen Anspruch auf deine Leistung, das Centermanagement ist zwar Auftraggeber, jedoch auch nur wieder Mittler. Wenn die deinen Botenstatus beibehalten wollen, sollte dein Chef den Arsch in der Hose haben und das schriftlich einfordern ... ich denke mal nicht, dass der vom CM so was bekommen wird *g*.

    Azubi:
    Ist das Center informiert das ihr Azubis einsetzt?
    ... Klar kann der allein arbeiten, wenn er mindestens 18 Jahre alt ist, mindestens die Unterrichtung gemäß §34a GewO hat, und eine nachgewiesene Objekteinweisung hat. Sicherheitshalber sollte man ihm die Möglichkeit geben, z. B. mit Handy oder Funkgerät, Sofortkontakt zu einem Vorgesetzten aufnehmen zu können (Ein anderes Thema ist dabei der Versicherungsschutz).

    MfG Aufseher
    bei solchen sachen die sich über die zeit hin eingeschliffen haben, habt ihr wenig chancen wieder rauszukommen.
    zumal euch noch die rückendeckung seitens der objektleitung fehlt.
    such dir am besten ne neue wachbude.

    wir sollten mal in den toiletten im objekt kontrollieren ob genug klopapier da ist ggf nachfüllen.....

    Modjo schrieb:

    bei solchen sachen die sich über die zeit hin eingeschliffen haben, habt ihr wenig chancen wieder rauszukommen.
    zumal euch noch die rückendeckung seitens der objektleitung fehlt.
    such dir am besten ne neue wachbude.

    wir sollten mal in den toiletten im objekt kontrollieren ob genug klopapier da ist ggf nachfüllen.....


    In einem Bewerbungsgespräch meinte der Geschäftsführer:
    "Unser Unternehmen ist nicht nur Sicherheitsfirma, sondern auch Servicefirma. Unsere Sicherheitsmitarbeiter machen auch gegebenenfalls das Erbrochene in den Toiletten weg. Würden Sie sich das zutrauen?"

    Ich dachte mir, erstens ist das sicher nicht Aufgabe eines Sicherheitsunternehmens und zweitens da müsste er deutlich tiefer in die Taschen
    greifen und für damals noch 6€/Std. kann er alleine seine Kotze wegmachen. Putzkräfte bekamen zu der Zeit bereits 8,50€/Std.
    DRAGGI

    Dienstübergabe zum Spätdienst:

    Ich: "Weißt Du wer heute nach Dir gefragt hat?"
    Er: "Öhm :whistling: WER?"
    Ich: "KEINER!" ...
    Alles schön und gut ... Es fragt sich nur, ob du bei solchen artfremden Tätigkeiten unfallversichert bist, und ob die Schadensversicherung deines Chefs dafür aufkommt, wenn du beim Abstauben versehentlich die Ming-Vase zerschlägst!

    MfG Aufseher
    Hallo. Mr. Bundeswehr. Das Sicherheitsgewerbe hat nicht ohne Grund einen schlechten Ruf, wenn man auch hier lesen kann, was man sich alles gefallen lassen muss. Ich selbst habe über 10 Jahre in diesem Gewerbe gearbeitet und was ich alles aushalten musste, ließt sich genau wie dein Beitrag. Es ist traurig, aber wahr. Aber für einen Job macht man ja fast alles. MfG
    Es ist nicht immer alles Gold was glänzt.
    Wenn man solche Dilettanten als ehemaliger StFw ertragen muss, kann ich durchaus verstehen, dass der Wunsch nach einer Veränderung besteht. Offensichtlich hat dieser Sicherheitsdienstleister kein Bedarf an der zentralen Aufgabe oder er ist so an den Kundenbeziehungen interessiert, dass der Arbeitgeber, selbst wenn er es wüsste, nicht anders handeln könnte.

    Aber man könnte dennoch Merksätze anbringen, die zwar aus dem militärischen Bereich stammen, aber durchaus auch von den schon genannten Dilettanten berücksichtigt werden dürfen: Wer Sicherheitspersonal ausbildet, muss Vorschriftengrundsätze „an den Mann“ bringen.
    „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kaffeeservice in der Dienstanweisung steht“!

    Für den Verantwortlichen dieses Bewachungsunternehmens: „Selbst in der äußersten Erregung bewahre kühle Überlegung“! Dazu: Lage feststellen, Auftrag prüfen, Zusammenarbeit absprechen!

    Das dieses „Centermanagement“ sich dann auch noch erdreistet, die Erfüllung des Auftrages kritisch zu hinterfragen, schlägt dem Fass den Boden aus!
    Freundliche Grüße

    Moderator Doph_Zügota



    Gerechtigkeit herrscht, wenn es in einem Volk weder übermäßig Reiche noch übermäßig Arme gibt.

    Thales von Milet (um 625 - 545 v. Chr.), griechischer Philosoph und Mathematiker, einer der Sieben Weisen