Tarife im Wach und Sicherheitsgewerbe

      Dass sich im Osten keine Wirtschaft etabliert ist doch aber ausschließlich Schuld der Unternehmer. Man darf nicht vergessen, dass hier vor 20 Jahren noch Sozialismus war. Die, die heute den Markt anführen sollten (40-60-Jährige) nutzen den Kapitalismus so weit sie können, sie wollen sich die Taschen so voll stopfen wie es nur geht, da kommen Subventionen ganz gelegen. Sobald die Subventionen eingestellt werden, geht das Unternehmen "zufällig" pleite. Das geschah massenhaft.

      Es fehlt einfach an Unternehmern, die noch ein Unternehmen führen. Mit Ehre, Schweiß und Stolz. Schau dir die Firma Bosch an, die haben eine Philosophie und mit der fahren sie einen guten Kurs. Die Mitarbeiter sind zufrieden, weil sie gut behandelt werden. Daran fehlt es einfach heutzutage, weil jeder nur noch seinen eigenen Salär sieht.

      Bestes Beispiel meine alte Firma: Sie schreibt dicke schwarze Zahlen, dem Mitarbeiter kommt es dennoch nicht zugute, er wird weiter behandelt wie Zuchtvieh. Das wirkt sich dann auch auf die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens aus, denn sowas spricht sich rum. Wer kauft schon beim Ausbeuter.

      Die Gesellschaft im Osten kann sich nur dann entwickeln, wenn die Unternehmen entsprechende Löhne zahlen und eben den Gewinn schmälern. Nur dann steigt die Kaufkraft. Solange aber der Chef sich den Gewinn in die Tasche stecken möchte, wird das mit dem Aufbau Ost nie was werden.
      Moralisch und ethisch magst Du recht haben. Ich bin aber Realist und von daher der Überzeugung, dass wir beide die bestehenden Fakten nicht ändern werden. Von daher bleibt dann eben die Entscheidung: Verdiene ich 8,50 Euro in Berlin oder gehe ich für deutlich höhere Stundensätze irgendwo anders hin?
      Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir viel Ärger erspart bleiben.
      Konfuzius
      Für mich persönlich ist die Situation klar. Ich werde da hin gehen, wo es Geld gibt. Aber auch von dort aus werde ich weiterhin kritisieren, dass es dem Sicherheitsmitarbeiter im Osten schlecht geht.

      Du musst das aber meiner Meinung nach in der Masse sehen. Soll jetzt jeder der über 10 Millionen Menschen im Osten gen Westen gehen, nur weil es da mehr Geld gibt oder sollte man strukturiell eher dahin gehen, den Osten im Gesamten zu verändern?
      Ich denke, um das Thema Verschiebung des Arbeitsplatzes anzusprechen,
      dass man heute keine Wahl mehr hat, ob Ost oder West.
      Es mag sein, dass man im Osten weniger verdient als im Westen bzw. dass man in den
      alten Bundesländern teilweise 1-3 € mehr auf die Stunde bekommt.
      Fakt ist, wie Nemere schon geschrieben hat und ich eben auch das ein oder andere Mal,
      dass man es sich heute fast nicht mehr heraussuchen kann, wo man arbeitet.
      Der Markt verschiebt sich, die Anfragen werden aus immer größer werdenden Wirtschaftsregionen gestellt
      und ich als MA, der nunmal immer das Geld im Auge hat, versuche genau diese Stelle zu bekommen.
      Was mich in den meisten Fällen daran hindert, ist die fehlende Flexibilität.
      So lange diese nicht vorhanden ist und es immer noch irgendwo eine Frau / einen Mann gibt,
      der für 6€/Stunde arbeiten geht, werden diese Löhne immer wieder angeboten.

      Man kann sich hinstellen und sagen, dass man nur dann Arbeiten geht, wenn der Arbeitsplatz nur 10 KM weit weg ist.
      (Kleiner Einwurf hier, zwei meiner Kollegen fahren eine Strecke/70 KM).
      Hierfür benötigt man die angesprochene Flexibilität, sonst wird das Amt der beste Platz, den man immer wieder aufsuchen wird.

      Schlussendlich muss man es für sich selbst wissen, will ich in der Region arbeiten, in der ich aufgewachsen bin,
      oder habe ich doch die Möglichkeit, anstatt nach Süden vielleicht auch mal in den Norden zu gehen, um einen tollen Arbeitsplatz zu bekommen.

      Eines noch angemerkt, in Zeiten von Facebook, Google+ und Skype ist es Möglich, die Entfernungen zu kompensieren.
      Wenn ich an meine Familie denke, die 500 KM weit weg wohnt, kann ich mich nicht erinnern, dass ich öfters angerufen wurde,
      oder mehr Besuch erhalten habe, wie in der Zeit, in der ich nur 30 KM oder gar näher weg gewohnt habe.

      Daher war die Entscheidung für mich, nach Niedersachsen zu gehen und Baden Württemberg den Rücken zu kehren,
      aufgrund eines tollen Arbeitsangebots, nicht wirklich schwer.

      Gruß 2m02cm-Mann



      Ich glaube fest daran, dass die schönste Stunde eines jeden Mannes - die erfüllung all seiner Sehnsüchte... der Augenblick ist wenn er sich für eine Gute Sache ganz verausgabt hat und erschöpft auf dem Schlachtfeld liegt - als Sieger.
      Vince Lombardi (1913-1970)

      Wobei man nicht vergessen darf, dass es wichtige Gründe gibt/geben kann die (zu)viel zitierte Flexibilität einzuschränken.
      Für viele ist der Werkschutz bei VW ein Traum, ein Traum der vor sehr vielen Jahren für mich mal in Erfüllung gegangen wäre, es gab aber Gründe diesen Traum nicht erfüllen zu können.

      Arbeitszeitgesetz ist ein Witz

      Das Arbeitszeitgesetz spricht von 40 Wochenstunden. Diese werden flächendeckend nicht eingehalten. Weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer können sich diesen "Luxus" leisten. Wer geht denn bitte für 1700€ Brutto (1200€ Netto/SK1) in Vollzeit arbeiten, wenn er für nur 200€ weniger nur 15 Stunden/Woche arbeiten muss? Verstehst du diesen Konflikt?

      Willst du dafür wirklich arbeiten, deine Gesundheit durch Schichtdienst kaputt machen und riskieren, nicht heil nach Hause zu kommen? Das ist das grundlegende Problem hier in Berlin.[/quote]

      Das Arbeitszeitgesetz ist ein Witz! Wie soll ein allein Verdiener bei 180 Std. eine Familie ernähren? Ich bin froh, dass es noch Firmen gibt denen es egal ist wieviel Stunden man machen möchte. Ich bin seit 14 Jahren im Wachschutz tätig davon 11 Jahre als IHK geprüfte Werkschutzfachkraft und habe im Schnitt meine 216 bis 336 Stunden gearbeitet. Habe nebenbei noch eine Ehrenamtliche Tätigkeit und mein Hobby untergebracht. Bei 180 Std. kann ich mein Hobby und die Ehrenamtliche Tätigkeit vergessen.

      Du sprichst davon das Berlin ein schlimmes Pflaster ist. Ich arbeite jetzt seit März 2014 im Bahnhof in Potsdam was du da erleben kannst ist deiner Fantasie keine Grenzen gesetzt.

      Ihr wollt Veränderungen?

      Dann verdrängt das Bild des alten, trotteligen Mannes in der Loge was in Filmen gezeigt wird und bei den meisten Menschen im Kopf ist.
      Als er keine Ausrede mehr wusste, schlief er unter der Brücke…
      Am Ende wird alles ein Kompromiss sein, in der Stadt wohnen und viel Miete bezahlen, oder auf dem Land und möglicherweise etwas weniger Freizeit, dafür mehr Geld, muss jeder für sich selbst entscheiden.
      Dieses ach so tolle Wirtschaftssystem mit dessen neoliberalen Intentionen geht gerade vor die Hunde! Ich würde einen Teufel tun und jemanden raten dorthin zu gehen wo er am meisten Geld verdient, nur weil die Wirtschaft es vorgibt oder besser -mein Lieblingswort- der MARKT "sich verschiebt".

      Das Arbeitszeitgesetz sagt aus: 40 Stunden Woche. Es ist verdammt nochmal die Aufgabe der POLITIK ( Verwirklichung des Rechts ) diese Vorgabe so umzusetzen, dass ein Bürger mit einer anerkannten Berufsausbildung in einer 40 Stunden Woche anständig leben kann! Punkt aus! Es ist nicht die Aufgabe des Bürgers als lohnabhängiger Wanderarbeiter anzuheuern. Wo sind wir denn angekommen!?

      Demnächst soll die EU auch noch in eine gigantische Freihandelszone für die USA verwandelt werden. CETA, TTIP dann TISA. Danach "verschiebt" sich der MARKT noch weiter und man kann ja ganz einfach im Sinne der Wirtschaft in die USA ziehen, weil man dort mehr Geld verdient, während hier der Dienstleistungssektor mit osteuropäischen Billiglöhnern überschwemmt wird.

      @flea
      Geh mal nicht dahin wo es mehr Geld und kämpfe in deiner Region für höhere Löhne und gerechtere Arbeit. Wenn du irgendwo hingehen möchtest, dann aus Liebe und nicht die Liebe zurücklassen wegen dem Geld!
      In meiner physisch, soziologischen Konstellation manifestiert sich die absolute Dominanz positiver Impressionen meines Individiums

      massaker schrieb:

      Es ist verdammt nochmal die Aufgabe der POLITIK ( Verwirklichung des Rechts ) diese Vorgabe so umzusetzen, dass ein Bürger mit einer anerkannten Berufsausbildung in einer 40 Stunden Woche anständig leben kann! Punkt aus!


      Träume weiter !

      Demnächst soll die EU auch noch in eine gigantische Freihandelszone für die USA verwandelt werden. CETA, TTIP dann TISA. Danach "verschiebt" sich der MARKT noch weiter und man kann ja ganz einfach im Sinne der Wirtschaft in die USA ziehen, weil man dort mehr Geld verdient, während hier der Dienstleistungssektor mit osteuropäischen Billiglöhnern überschwemmt wird.


      Mit dieser - übrigens vollkommen realistischen Befürchtung - führst Du Deine vorstehende idealistische Vorstellung von den Aufgaben der Politik selbst ad absurdum. Genau so wird es nämlich kommen. Dieses Freihandelsabkommen wird Investoren die Möglichkeit geben, gegen angebliche Wettbewerbsbeschränkungen zu klagen. Gewerbeordnung, Arbeitszeitgesetz und Bewachungsverordnung sind in den Augen vieler Unternehmen Wettbewerbsbeschränkungen - die Folgerungen daraus kann jeder selbst ziehen.
      Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir viel Ärger erspart bleiben.
      Konfuzius
      Qualifiziert euch, dann verdient ihr auch mehr und könnt euch die gut bezahlten Jobs aussuchen! Dazu gehört natürlich - wie bereits geschrieben - die Bereitschaft zum Ortswechsel, <Ironie on> der Betrieb für den ich arbeiten möchte, wird eine Zweigstelle vor meine Haustüre bauen!<Ironie off> Dazu passt: Wer 250+ Stunden schrubben muss, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, ist selbst schuld.

      In Bayern und Baden-Württemberg gibt es zur Zeit etliche offene Stellen, selbst bei Nicht-Dienstleistern. Dienstleister, die im Billigbereich arbeiten, bekommen zumindest in BaWü kein Personal mehr, und müssen Aufträge sausen lassen (Das finde ich echt klasse...weiter so!).

      Das leidige Thema Gewerkschaftszugehörigkeit ... ach lassen wir das ... sinnlos!

      MfG Aufseher
      Sich fort,-bzw. weiterzubilden ist nie schlecht, dass ich mir dann aber die Jobs aussuchen kann halte ich auch für sehr ..., mir fällt nicht das richtige Wort dafür ein.
      Als FSS, selbst als Meister ist es vielleicht nicht schwer eine Arbeitsstelle finden, nur wird sie meist nicht entsprechend der Qualifikation entlohnt, alles schon erlebt.