Was zahle ich für Wachschutz

      Re: Was zahle ich für Wachschutz

      Vollkommen richtig, denn es stehen nicht nur die notwendigen Qualifizierungen sondern auch gesetzliche Vorgaben den weiteren Maßnahmen die zur eigenverantwortlichen Durchführung von Einsätzen erforderlich wären, entgegen.

      Allerdings könnte mal ermittelt werden, welche und wie viele ausgebildete Rettungssanitäter, Rettungsassistenten oder auch Ärzte (oder anderes examiniertes vergleichbares Personal) nach Arbeit suchen und keine finden.

      Aber selbst wenn wir annehmen würden, dass wir diese Menschen als Dienstleister im Modell einstellen könnten (von gesetzlichen Bestimmungen mal abgesehen) und praktisch ein neues Dienstleistungsprodukt am Markt anbieten dürften, wäre eine Gewinnrechnung unter Umständen nicht darstellbar, wenn den eingesetzten Kräften ein fairer Lohn bezahlt werden würde und wenn man die Aufwendungen für Ausbildung und Einsatzmittel berücksichtigt.

      Im Ergebnis würde dies dann eine massive Erhöhung aller Kosten für eine Veranstaltung bedeuten. Viele Veranstalter könnten das aber bezahlen, weil die Verkaufserlöse so hoch sind.

      Re: Was zahle ich für Wachschutz

      Hallo zusammen,
      ich möchte hiermit nochmal auf die Angebotsfrage und damit auf die Preiskalkulation eingehen. Ich möchte aber jetzt schon betonen, dass die aufgeführte Beispielkalkulation nur eine Orientierungshilfe darstellen kann.

      Beispiel für eine Preiskalkulation im Wach- und Sicherheitsgewerbe

      I. Direkte Lohnkosten:
      1. Lohn für die Effektivarbeitszeit (Basiswert) = 100 %
      2. Tarifurlaub = 13,0 %
      3. Lohnfortzahlung 3 % aus Zwischensumme A

      Zwischensumme A = 116,5 %

      4. Urlaubs-/ Weihnachtsgeld = 4,0 %

      Zwischensumme B = 120,5 %

      5. Tarifliche Nach-, Sonn- und Feiertagszuschläge 15 % auf die Zwischensumme A = 17,5 %

      Summe I = 138,0 %

      II. Lohnabhängige Kosten

      6. Renten- /Arbeitslosenversicherung 12,05 % aus Zwischensumme B = 14,52 %
      7. Kranken- /Pflegeversicherung 8,15 % aus Zwischensumme B = 9,82 %
      8. Berufsgenossenschaft 2 % aus Summe I = 2,76 %
      9. Haftpflichtversicherung 1,19 % aus Summe I = 1,64 %

      Summe II = 28,7 %

      III. Lohnzusatzkosten

      10. Schwerbehindertenausgleich = 0,1 %
      11. Gratifikation / VWL / Betriebliche Altersversorgung = 1,0 %
      12. Verbandsbeiträge, sonstige Versicherungen = 0,5 %
      13. Bekleidung und Ausrüstung = 6,0 %
      14. Betriebsaufwand = 0,5 %

      Summe III = 8,1 %

      IV. Sonstige Kosten

      15. Mitarbeiterentwicklung / Schulung / Einweisung = 6,0 %
      16. Allgemeine Verwaltung = 6,0%
      17. Akquisition = 2,0 %
      18. Wagnis / Gewinn 4% des Preises = 8,0 %
      19. Fahrtkosten Sicherheitsmitarbeiter, Kontrolleur, Einsatzleiter = 2,0 %

      Summe IV = 24,0 %
      Preis = 198,8 %
      + MwSt


      Siehe Olschok, in: Stober (Hg.), Sicherheitsgewerbe und Sicherheitspolitik – Gewerbliche Herausforderungen im Präventions- und Gewährleistungsstaat, S. 60-61.
      Wenn man bedenkt, dass das Interview mit Herrn Toussaint von CONDOR von 2005 ist, hat sich nicht viel in der Einstellung geändert. Ich glaube auch nicht, dass ein Subunternehmer in der siebzehnten Ebene noch kalkuliert.
      Mit allerbesten Grüßen aus Ostholstein

      Dipl.-Päd. Thomas Preuß, M.A.
      (Sicherheitswirtschaft und Unternehmenssicherheit)
      Elkensteert 2
      23738 Kabelhorst

      TMP-Security
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      Reales Beispiel: Fußball WM 2006 im eigenen Land

      Ein größeres mittelständisches Bewachungsunternehmen hatte den Auftrag für einen Austragungsort erhalten. Mit von der Partie waren ca. 4-5 Subunternehmen, des weiteren auch 1-Personen Selbständige die auf eigene Rechnung gearbeitet haben. Einer der Subunternehmer ist mit seiner
      Kalkulation so tief eingestiegen (um den Auftrag zu bekommen) dass er am Ende seinen Angestellten keine tariflichen Zeit-Zuschläge zahlen wollte.
      Da die meisten als Minijobber beschäftigt wurden ist die Kalkulation weitgehend aufgegangen, weil nur ganz wenige ihre Ansprüche anderweitig durchgesetzt haben.
      Eine kühne Behauptung:

      Der größte Teil aller deutschen Sicherheitsunternehmen kann nicht kalkulieren!

      Nicht wegen fehlendem know-how, sondern mangels betriebswirtschaftlicher Organisation. In diesem Pool ist die angesetzte Gewinnerwartung für das Angebot vom Sicherheitsauftrag ein Pi-mal-Daumen-Produkt langjähriger Erfahrung meist vom Geschäftsführer oder Prokuristen. Gemeinkosten wie Gebäudemiete, Verwaltungsaufwand, Personalkosten der Verwaltung und Einsatzleitung, Fahrzeugkosten (sofern nicht einem Auftrag/Objekt zugeordnet) usw. usw. können anteilmäßig nicht detailliert zugeordnet werden, damit liegt der Hase im Pfeffer. Die Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung ist bei diesem größten Teil der Unternehmen nicht vorhanden, und genau darum ist eine finanzsichere Kalkulation nicht möglich.

      Kleines Beispiel:
      Ein Sicherheitsunternehmen erhält den Auftrag für eine 24-Stunden-Dienststelle, tagsüber gut qualifiziertes, nachts einfach qualifiziertes Personal. Damit also einen Auftrag, für den man bereits jahrelanges Bemühen dahinter gesetzt hat = Kosten vom Vertrieb. Legt das Unternehmen Wert auf gutes Gelingen, wird zumindest die ersten Tage bis Wochen Einweisungspersonal, die Einsatzleitung, Qualitätssicherung o. ä. jeden Tag vor Ort präsent sein, das erzeugt weitere Personal- und Fahrzeugkosten. Rechnet man den gesamten Aufwand hinzu, erwirtschaftet das Objekt bei marktüblichen Preis mindestens das erste Jahr keinen Gewinn! Mit vorheriger technischer und betriebswirtschaftlicher Organisation, sowie aufgesetzter Verpflichtung für die vorgenannten Verwaltungs-Mitarbeiter zur Datenerfassung, lassen sich Finanzdaten erstellen, die dazu eine Aussagekraft haben.