Selbstständigkeit

      Selbstständigkeit

      Hallo und guten Morgen (oder so ähnlich),

      nun wollte ich mal fragen, wie es mit der Selbstständigkeit aussieht (habe das Thema per Suchfunktion nicht gefunden, also falls es das schon gibt... Tschuldigung :rolleyes: ). Lohnt sich diese i.d.R. oder kann man das meistens sofort wieder vergessen?

      Vornweg, ich will mich NICHT selbstständig machen - zumindest die nächsten Jahre noch nicht. Ist nur allgemeines Interesse !!!

      Nehmen wir mal an, jmd. arbeitet für 9 Euro/Stunde (z.B. Bayern) und ist AN. Der An arbeitet nun 200 Stunden monatlich und kommt auf 1800 Euro (brutto).
      Dieser sagt sich jetzt, "ok, das ist mir zu wenig, ich kann mehr als mich ausbeuten zu lassen und mache mich selbstständig" .... Er kommt an Aufträge ran über ein anderes Unternehmen (also als Subunternehmer) und kriegt 13 Euro/Stunde.

      Er arbeitet weiterhin seine 200 Stunden monatlich und kommt somit auf 2600 Euro (brutto).

      Die Frage ist jetzt, was hat er für Ausgaben? Wenn er seine Steuern zahlt und die Versicherungen, die er braucht, was kostet ihn das? Kommt er nun besser oder schlechter weg? Was hat das mit dem Finanzamt dann genau auf sich (habe mal gehört, das 1. Jahr fordern die nicht gleich ein, dann aber schon... WAS genau fordern die ein?)?

      Hier jetzt mal jmd, der alleine arbeitet, d.h. ohne Angestellte für die er viel Dienstkleidung o.ä. zahlen müsste. Wirklich nur er selbst... Ich kenne mich da leider ÜBERHAUPT nicht aus, würde das aber mal gerne ändern....


      Kraftsport

      Re: Selbstständigkeit

      Die einfachste Form ist der sog. Kleinunternehmer. Dabei fällt die Pflicht zur Mehrwertsteuer weg, allerdings ist dein Umsatz (wenn ich nicht gerade völlig von der Rolle bin) auf 17.500 Euro/ im 1. Jahr und im Jahr darauf auf 50.000 Euro beschränkt. Überschreitest du diese Zahlen, bist du verpflichtet monatliche Umsatzsteuervorauszahlungen zu leisten.

      Im Folgejahr bist du zur Einkommensteuer verpflichtet, so gesehen hast du ein Jahr Ruhe. Aber die Nachzahlung, sofern du keine Rücklagen bilden konntest, kann dir das Genick brechen...

      Die Selbstständigkeit läuft normalerweise so ab:
      Du gehst zum Landratsamt und holst deinen Gewerbeschein ab, kostet ca. 25 - 30 Euro. Zeitgleich schicken die eine Mitteilung an das Finanzamt, dass du ein Gewerbe ausüben möchtest. Vom Finanzamt bekommst du eine Steuernummer, die du später auf deinen Rechnungen ausweisen musst (es sei denn s. o.).

      Du meldest dich bei deiner Krankenkasse und teilst denen mit, ob du freiwillig weiterversichert werden möchtest oder in eine private Krankenkasse wechselst. (Krankenversicherungspflicht!). Ich persönlich würde dir den Verbleib in der gesetzlichen Kk raten, die privaten Kks werden mit zunehmenden Alter teurer und ein Wechsel in die gesetzliche zurück ist schwierig. Ich hab für meine 320 Euro/monatlich bezahlen müssen. Hier solltest du dann nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Versicherungsleistung schauen.

      Du brauchst eine Haftpflichtversicherung, da liegen die Preise von bis...
      Du brauchst deine persönliche Ausstattung, und ich meine nicht nur Arbeitskleidung. Fängt mit einem Rechnungsprogramm an und hört bei der Buchhaltung auf. Das kannst du entweder selbst machen oder es an einen Steuerberater abgeben. Auch der möchte Geld. Du brauchst, wie jetzt auch, ein Fahrzeug (Steuern, Inspektion, Versicherung, Benzin!).

      Dann musst du dir Gedanken um deine soziale Absicherung machen: Du kannst selbst vorsorgen für deine Rente oder in der Rentenkasse bleiben. Außerdem kannst du dich über die Agentur für Arbeit freiwillig AV versichern. Hat den Vorteil, dass, wenn es den Bach runtergeht, du Anspruch auf Arbeitslosengeld erwirbst und nicht gleich auf HartzIV angewiesen bist.

      Es kommen noch Beiträge für die Berufsgenossenschaft (Unfallversicherung!) hinzu, Mitgliedschaft in der IHK kann auch kostenpflichtig werden.

      Bevor du einen Euro verdienst, musst du in der ersten Zeit eher 5 investieren. Du kannst das Glück haben und schon bald von deinem Gewinn (nicht vom Umsatz!) leben. Du kannst aber auch Pech haben und kaum lohnenswerte Aufträge an Land ziehen. Dann hast du eine Flaute, die du erstmal überbrücken musst.

      Wenn du irgendwann die Selbstständigkeit planst, dann würde ich dir empfehlen es erst einmal im Nebenerwerb zu machen und deinen Kundenstamm gut auszubauen. Wenn es dann nicht läuft, hast du immer noch einen Hauptjob auf den Du zurückgreifen kannst.

      Sergeant7 dürfte dir hier auch noch einiges erzählen können.

      Re: Selbstständigkeit

      Noch ein paaer Schlagworte/Sätze (wenn auch schon runtergebetet)

      Krank als Selbstständiger... kein Geld (ausser i.d.R. teurere KV mit Krankentagegeld)
      Urlaub als Selbstständiger... kein Geld
      Scheinselbstständigkeit...
      Haftung...
      Ersatz für defekte/Beschädigte Kleidung/Ausrüstung...

      Re: Selbstständigkeit

      wenn man jetzt nach dem Beispiel oben von den 2600 Euro Brutto mal 1000 Euro abzieht (eben für die Versicherungen, Aufwände, Steuern, etc.), würde man dann hinkommen? dann wären es immer noch 1600 Euro - und die netto??

      Dann würde man doch viel besser wegkommen als zuvor als normaler AN oder?
      Sofern man sein Geld etwas zusammenhält und nicht für Autos, Fernseher, Handys, Reisen oder sonstige Dinge ausgibt, sollte einem doch mehr bleiben?

      Oder ist das ein Trugschluss? Und wieso spricht man davon, dass vorallem in den ersten 1-2 Jahren ein Verlustgeschäft besteht?

      Kraftsport

      Re: Selbstständigkeit

      So gesehen hast du Recht. Bevor du dich selbstständig machst, solltest du einen Plan erstellen, was du einnehmen kannst und was du ausgeben musst.

      Die 1600 € in deinem Beispiel sind zwar gut, doch deine Einkünfte können schwanken. Stell dir vor, dein Kunde sagt dir nach 4 Monaten dass er dich nicht mehr benötigt? Dann stehst du im 5. Monat da und musst deine laufenden Kosten von deinen Rücklagen bezahlen.

      Die Verlustgeschäfte beziehen sich eher auf Herstellung und/oder Handwerk. Hier musst du erstmal kräftig investieren (z. B. in Maschinen oder Material) und es dauert, bis du die Kosten wieder drin hast, selbst wenn der Laden brummt und du dich vor Aufträgen kaum retten kannst.

      Dabei fällt mir ein: Du musst natürlich auch daran denken, dass du Zahlungsausfälle hast weil dein Kunde vielleicht finanziell angeschlagen ist...

      Re: Selbstständigkeit

      und wenn ich aber als Sub arbeite? Bei jmd. von dem ich wüsste, dass er immer Aufträge für mich hat? Klar, WISSEN kann man es nie...aber wenn dieser AG mehrere Subs hat und ich mir sicher sein könnte, dass er mir Aufträge ans Land zieht bzw. diese an mich abgibt und erst den anderen nicht mehr so viele Aufträge gibt?

      Also so dass ich dieses Risiko erst mal nicht hätte, auch wenn es dann erst mal nur ne Scheinsselbstständigkeit wäre - aber welche ist das zu Beginn nicht? Wie gesagt, ich hab das nicht vor, will mich nur erkundigen...

      Kraftsport

      Re: Selbstständigkeit

      <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.zeit.de/karriere/beruf/2011-03/scheinselbstaendigkeit">http://www.zeit.de/karriere/beruf/2011- ... aendigkeit</a><!-- m -->

      Eine Scheinselbstständigkeit liegt vor, wenn du 5/6 deiner Einkünfte von einem Auftraggeber beziehst und an ihn weisungsgebunden bist, was Zeit und Ort deines Einsatzes angeht.

      Du arbeitest quasi wie ein Vollzeitarbeitnehmer, nur das die Sozialversicherung geprellt wird und du um deine soziale Absicherung betrogen wirst. Du musst auch als Sub einen zweiten Auftraggeber finden, sonst wirds teuer.

      Re: Selbstständigkeit

      Mhm...

      Also wer sich selbstständig macht um eigentlich nur seine eigene Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen, der tut nur eines:

      Dem ehemaligen Arbeitgeber einen riesen Gefallen....

      Machen wir es kurz, vergiss diese Idee und mach dich nicht unglücklich.
      1. keine oder nur teure Versicherung
      2. kein Ausfall bei Krankheit
      3. kein Ersatz bei Urlaub
      4. keine einzahlung mehr in die Rentenkassen
      5. wirst Du unbequem bekommst Du einfach den Auftrag nicht mehr.
      6. keine Möglichkeit sich eine Zukunft aufzubauen.

      Die Rechnung die Du hier gemacht hast ist unzureichend......

      Solltest Du Dich allerdings selbstständig machen wollen, weil Du eine richtig tolle Idee hast und dir einen GUTEN Plan ausdenkst. Vieleicht auch schon gute Auftraggeber an der Hand und von Deiner Idee überzeugt bist, dann solltest Du wenigstens einen Bussinesspan erstellen um zu schauen ob alles Hand und Fuß hat.

      Nochmal: Willst Du nur als Sub-arbeiten, vergiss es einfach...

      Beste Grüße

      Sergeant7

      PS: Ich kann hier CUjo nur Recht geben... ER MUSS..
      Aber nicht aus Rechtlicher- , sondern aus Erfolgssicht.